Kitzingen

Die verstummten Sirenen

Sirenen sind in den Gemeinden des Landkreises häufiger zu hören. Nur in Kitzingen ist das anders: Die Kreisstadt hat keine Sirenen mehr.
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Die Feuerwehr Iphofen hat eine mobile Sirene (die weiße Kugel), die schnell und einfach auf ein Fahrzeug montiert werden kann. Im Falle einer Katastrophe würde sie in Kitzingen die Bevölkerung warnen. Im Hintergrund die stationäre Sirene am Iphöfer Feuerwehrhaus.

Die Sirene heult, eine Minute lang, zweimal wird der laute Ton unterbrochen – ganz klar, die Feuerwehr wird alarmiert. Was in den Gemeinden des Landkreises häufiger zu hören ist, kriegen die Kitzinger nicht mit. Die Kreisstadt hat keine Sirenen mehr.

Luftschutzsirenen auf Privathäusern kamen nach und nach von den Dächern, erinnert sich der ehemalige Kitzinger Feuerwehrkommandant Rudolf Stöckinger. Ein Sirenenmast am Ende des Steigwegs, der die ganze Stadt beschallen sollte, wurde in den 90er-Jahren abgebaut.

98 Sirenen im Landkreis

80 000 Sirenen gab es Anfang der 90er-Jahre noch in Deutschland. Die Regierung schätzte die Sicherheitslage aber als so stabil ein, dass sie beschloss, Ressourcen im Zivilschutz abzubauen. 1993 wurde den Gemeinden angeboten, die Sirenen kostenlos zu übernehmen. Etwa 40 000 Sirenen wurden demontiert, heißt es auf der Homepage des Bundesamtes für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe.

98 Sirenen gibt es im Moment noch im Landkreis Kitzingen. Alle zwei Monate werden sie mit einem Probealarm überprüft. Ist eine kaputt, liegt es im Ermessen der Gemeinde, sie zu reparieren.

Für die Feuerwehren sind nicht vorhandene Sirenen kein Problem, über den Funkmeldeempfänger, auch als Piepser bekannt, werden die Feuerwehrleute über den Einsatz informiert. Oft laufe parallel dazu eine Alarmierung über SMS, erklärt Kreisbrandrat Roland Eckert.

Alarmierung über den Piepser

Da aber nicht mit 100-prozentiger Sicherheit ein Netz garantiert werden kann – Stichwort Silvester, kurz nach Mitternacht – müssen die Wehren auch weiterhin über die Piepser alarmiert werden.

Doch die Sirenen waren und sind nicht nur für die Feuerwehren da. Im Falle einer Katastrophe soll über die Sirene die Bevölkerung gewarnt werden. Ein einminütiger Heulton heißt, die Rundfunkgeräte einzuschalten und auf Durchsagen zu achten.

Was für die Kriegsgeneration selbstverständlich war, ist heute vielen nicht mehr bekannt. „Vielen fällt gar nicht auf, dass es ein anderer Ton ist“, sagt Eckert. Auch wenn er es bedauert, dass es immer weniger Sirenen gibt, sieht er die Situation entspannt. Alle Bürger könne man in einer Katastrophe ohnehin nicht erreichen.

In Kitzingen – die Stadtteile haben noch Sirenen – käme dann eine mobile Sirene, die bei der Feuerwehr Iphofen stationiert ist, zum Einsatz. Auch Feuerwehrfahrzeuge würden durch die Stadt fahren und über Durchsagen die Bevölkerung warnen. „Das ist wahrscheinlich deutlich effektiver als die Warnung über Sirenen“, sagt Eckert – auch wenn so Feuerwehrleute gebunden werden.

Einige kritische Punkte

In seiner Zeit als Kreisbrandrat (seit 1997) ist es noch nie zu einem Katastrophenfall gekommen. Kritische Punkte gibt es im Landkreis einige. So liegt der nordöstliche Landkreis in der „Mittelzone 20 Kilometer“ vom Kernkraftwerk Grafenrheinfeld.

„Und solange dort noch radioaktives Material liegt, wird das so bleiben“, erklärt der Kreisbrandrat. Außerdem gibt es noch drei Firmen, bei denen es gefährlich werden könnte.

Regelmäßige Übungen

Die Firma Knauf hat ein Gaslager, bei TEGA Technische Gase und Gasetechnik in Marktbreit kommen Spezialgase, Flüssiggas und Kältemittel zum Einsatz, und auch Fehrer in Kitzingen nutzt Materialien, die im Katastrophenfall für die Bevölkerung gefährlich werden könnten. Doch regelmäßige Übungen zeigten, dass Abläufe und Strukturen im Fall der Fälle funktionierten, erklärt Eckert.

Weniger gelassen sieht er die vielen Gefahrguttransporte, die durch den Landkreis unterwegs sind. „Da weiß man nicht, was auf einen zukommt“, sagt er. „Man kann froh sein, dass nicht mehr passiert.“

Eckert sieht den Landkreis für eine „hoffentlich nie eintretende Katastrophe“ gut gerüstet – egal, ob mit oder ohne Sirenen in Kitzingen. „Die Warnung der Bevölkerung kriegen wir auf jeden Fall hin.“

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