Mainstockheim

Die total verrückte Auto-Rallye: Stinke-Fisch und Ikea-Sturm

Das Ersatz-Auto hat gehalten. Spaß gemacht hat's auch. Antje und Ralph Bögelein absolvierten erfolgreich das Carbage-Rennen durch Skandinavien. Fortsetzung folgt.
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Antje und Ralph Bögelein beim Carbage-Rennen 2019 in Skandinavien – plötzlich war der Winter da. Foto: Bögelein
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Es war schon ein wenig gewagt, was sich Antje und Ralph Bögelein da vorgenommen hatten: in einem Schrottauto an einer Spaß-Rallye durch Skandinavien teilzunehmen. Zumal das vorgesehene Auto, ein Opel Vectra Diesel im Wert von 350 Euro, kurz vor der Abfahrt die Grätsche machte. Über Nacht musste ein neuer alter Wagen her. Es sollte bei den Anlaufproblemen bleiben: Das zweite Auto hielt durch – ebenso wie das Ehepaar aus Marktsteft.

Wie berichtet, geht es bei dem "Carbage run" vor allem um Spaß: Die Karren sollten alt sein, mindestens vor dem Jahr 2000 gebaut. Das Fahrzeug muss noch TÜV haben und darf nicht teurer als 500 Euro sein. Eine Art Rennen liebenswerter Schrottkisten, wie es der Name schon sagt: eine Zusammensetzung aus den englischen Begriffen Car für Auto und Garbage für Müll oder Schrott. 

Dennoch hat es das Rennen in sich: Immerhin mussten 5167 Kilometer absolviert werden, wobei für An- und Abreise nach und von Kopenhagen jeweils schon 1000 Kilometer drauf gingen. Dazwischen fuhr das Paar fünf Tage in einem Rundkurs durch Schweden und Norwegen.

450 Schrottautos gingen an den Start

Insgesamt waren 450 Autos am Start, darunter der blaue Opel der beiden Marktstefter. Eigentlich das Winterauto der Familie, weshalb der Wagen – weil alles schnell gehen musste – sogar noch Winterreifen hatte. Ein Umstand, der sich ganz oben im Norden überraschenderweise auch im Juli noch auszahlen sollte: Die Rallye geriet tatsächlich noch einmal in den Winter hinein – samt ausgiebiger Schneeballschlacht der Marktstefter, die sich beide für Oldtimer begeistern. Bis auf ein Land haben der 49-Jährige und die 47-Jährige Europa inzwischen abgeklappert, nach Möglichkeit immer abseits der großen Ströme.

Auch in Skandinavien waren die Oldtimer-Freunde schon einmal – sie wussten also, was auf sie zukommt: eine großartige Landschaft und Nächte, die hell bleiben. Was sie dagegen nicht wussten: An jedem Renntag gab es zwei ziemlich verrückte Aufgaben zu bewältigen. Die  "Stefter Meefranggn" schlugen sich wacker: Am Ende rauschte das Team nur knapp an einem Podest-Platz vorbei; zusammen mit elf anderen Teilnehmern landete es auf einem beachtlichen 4. Platz.

Aus braun wird blond

Was nicht zuletzt daran lag, dass das Ehepaar bei den Spielen alles gab. Eine der Aufgaben: Haare färben. Kein Ding für Antje Bögelein – aus braun wurde für die nächsten Wochen eben blond. Gefärbt wurde übrigens – mangels besserer Gelegenheiten – am Wasserhahn auf einem Friedhof.

Eine weitere Aufgabe: Überrede einen Einheimischen, das Auto zehn Meter an einem Abschleppseil zu ziehen. Da kamen eine Mutter mit Tochter, die gerade mit dem Hund am Straßenrand Gassi gingen, gerade recht. Wenige Minuten später war die Aufgabe gelöst und das entsprechende Beweisbild gemacht.

"Eine traumhaft schöne Strecke!"
Antje und Ralph Bögelein über ihre Skandinavien-Rallye

Und so ging es Tag für Tag weiter: Lass dich auf einem Norwegischen Fjordpferd fotografieren – für die erblondete Antje Bögelein war auch das kein Problem. Wenn jetzt jemandem auffallen sollte, dass die Aufgaben scheinbar immer von der Dame des Hauses erledigt wurden – stimmt. Gleichzeitig soll der verschmitzte Hinweis von Ralph Bögelein nicht unterschlagen werden, dass einer ja fotografieren musste.

Ein bisschen Dschungelcamp war auch dabei – zumindest beim Essen. So lautete eine weitere Aufgabe, eine Dose Surströmming zu essen. Ein gegorener Fisch, der laut Wikipedia "intensiv, faulig und stinkend" ist. Bestätigen kann das – na klar – Antje Bögelein, die auch diese Aufgabe meisterte und den Geruch heute noch in der Nase hat: "Das war schon ekelig!"

Elchtest der anderen Art 

Was auch nicht fehlen durfte: ein Elchtest. Die Aufgabe dazu lautete: Fotografiere einen Elch, der sich höchstens zehn Meter vom Auto entfernt befindet. Und dann stand er tatsächlich am Straßenrand: der gesuchte Elch. Er blieb sogar stehen und guckte so lange auf das Auto mit dem KT-Kennzeichen, bis das Beweisfoto im Kasten war. Ein Coup, der die Marktstefter in der Wertung ziemlich nach vorne katapultierte.

Dabei gab es genügend Aufgaben, die unter "unlösbar" liefen. Das größte Knäckebrot der Welt zu besorgen – schon schwierig. Außer man kauft, wie die Gewinner dieser Aufgabe, einfach Backmischungen und bereitet das Ganze in einem Schubkarren zu. Ebenfalls kaum zu lösen: Besorge dir Original-Ikea-Mitarbeiter-Arbeitskleidung. Hunderte Rallye-Teilnehmer stürmten die Ikea-Häuser – leider vergeblich. Die Dienstklamotten gibt es tatsächlich nur für die eigenen Mitarbeiter und die konnten sich ja schlecht nackig machen.

Wenn das Paar von den Erlebnissen erzählt, leuchten die Augen und es würde nicht verwundern, wenn gleich ein Elch um die Ecke käme. "Es hat total Spaß gemacht und es war eine traumhaft schöne Strecke", sind sich die Beiden einig. Und weil es gar so schön war, steht eines inzwischen auch schon fest: Beim nächsten Carbage-Rennen – durch Osteuropa nach Montenegro – sind die "Stefter Meefranggn" wieder dabei. Wer dann die Aufgaben absolviert, muss allerdings noch ausgeknobelt werden. 

Mehr Infos über das verrückte Autorennen: www.carbagerun.de

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