KITZINGEN

Die richtige Masche für Spaß und Kreativität

Die Kuh muss warten. Erst mal ist Leonie an der Reihe. Sie will eine Kette häkeln. Geschickt schlägt Mama Petra die ersten Maschen an. Als die kleine Tochter die Nadel übernimmt, greift Petra wieder zum weißen, runden Häkelteil. Jede Masche sitzt akkurat neben der anderen. Die Kuh wächst.
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Früh anfangen: Die Strickliesel gefällt Leonie besonders gut. Aus der langen Schnur wird am Ende eine Kette. Foto: Foto: Daniela Röllinger
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Die Kuh muss warten. Erst mal ist Leonie an der Reihe. Sie will eine Kette häkeln. Geschickt schlägt Mama Petra die ersten Maschen an. Als die kleine Tochter die Nadel übernimmt, greift Petra wieder zum weißen, runden Häkelteil. Jede Masche sitzt akkurat neben der anderen. Die Kuh wächst.

Freitagnachmittag, kurz nach 13 Uhr: Der Stricktreff in den Räumlichkeiten des WirKT Koordinierungszentrums Bürgerschaftliches Engagement hat geöffnet. Vier Damen und zwei kleine Mädchen sitzen heute beisammen, ein Baby liegt schlafend auf einer Decke. Kaffeetassen stehen auf dem Tisch, dazwischen Wollknäuel verschiedenster Farben, angefangene und fertige Werke. „Kopf" der Runde, die momentan bis zu zehn Frauen zählt, ist Ursula Seibt. Sie hat sich von ihrem Hobby inspirieren lassen und vor etwa eineinhalb Jahren den Stricktreff gegründet.

Es ist nicht ihr erster Treff dieser Art. Schon bei der Arbeiterwohlfahrt im Wilhelm-Högner-Haus teilte sie ihre Leidenschaft mit anderen Strickbegeisterten. Sie gibt Tipps, hilft weiter, wenn ein Muster mal nicht klappt oder eine Masche sich selbstständig gemacht hat und strickt und häkelt natürlich auch selbst. Das war nicht immer so. „In der Schule mochte ich Handarbeiten gar nicht“, weiß die engagierte Seniorin noch ganz genau. Sie begann erst, als sie geheiratet hat und Kinder bekam. „Da habe ich dann meine Mädchen bestrickt." Und es ging auch gleich richtig los, mit großen und komplizierten Werken. „Meine Mutter hat dann immer gefragt, ob das sein muss“, erzählt Seibt lachend.

Jasmin Müller hat 2005 mit dem Stricken angefangen. Inzwischen häkelt sie deutlich mehr, denn „das ist einfacher mit den Kindern.“ Was sie damit meint, zeigt sich nur wenige Minuten später. Baby Zoe ist aufgewacht, möchte auf den Schoß der Mama. Ein Häkelwerk lässt sich schnell zur Seite legen, bei dem Schal mit Zopfmuster, den sie gerade für Tochter Pia strickt, muss sie entweder die Reihe fertig stricken oder zumindest schauen, dass keine Masche fällt. Mit dem Baby im Arm zu stricken ist zudem nicht ungefährlich, wie Jasmin kurz demonstriert. „Da häkel ich lieber“, sagt sie.

Dass ihr erster Socken nach ihren Worten ausgesehen hat „wie die Mütze von Papa Schlumpf“, ist längst vergessen. Sie hat sich zur Fachfrau gemausert, wie die Tüte voller Werke zeigt, die Jasmin mitgebracht hat. Vier lila Kerzen sind dabei - „das war heuer unser Adventskranz“ - die Kuh, die Freundin Petra Spielberg-Amtmann gerade ebenfalls häkelt, und viele weitere Figuren. Die gefallen den Kindern besonders gut. Von Hello Kitty zum Beispiel waren die Mädchen letztes Jahr restlos begeistert. „So was kann man gut verschenken“, sagt Petra über die Figuren. Die Anleitungen dazu kaufen sich die Frauen im Internet. Kostenlos gibt es nur Anleitungen für kleine Sachen – wie das umhäkelte gelbe Plastik-Ei, in dem man gut Geldgeschenke verpacken kann.

Auch Sandra Hahn von WirKT sitzt über einem kleinen Häkel-Häschen. Die kleinen Figuren haben es ihr angetan. Sie hat erst mit dem Stricken und Häkeln angefangen, als Ursula Seibt den Kreis gegründet hat. „Mein erster Versuch war ein Alien“, erzählt sie lachend. Mit Seibts Hilfe ist er tatsächlich auch gleich etwas geworden und natürlich hat Hahn ihr Erstlingswerk behalten.

Ursula Seibt sei „ein Juwel der AWO“, sagt Sandra Hahn, doch die winkt ab. Sie arbeitet halt gerne mit Menschen zusammen. Mit Kindern, wie hier im Stricktreff, in dem alle Altersgruppen zusammensitzen, und mit älteren Menschen, wie im Wilhelm-Högner-Haus. Dort startete sie auch ihr jüngstes Projekt, einen Tanznachmittag. Alle acht Wochen wird von 14.30 bis 17 Uhr getanzt, das nächste Mal am 10. März. Meist wird die Musik selbst aufgelegt, aber einmal im Vierteljahr kommt sogar ein DJ.

Während die Erwachsenen häkeln und plaudern, malt Leonie ein Bild. Pia hat ihre Strickliesel-Schnur fertig und verbindet sie mit Hilfe von Ursula Seibt zu einer Kette. Die Mädchen haben genauso viel Spaß wie die Frauen. „Wir haben eine tolle Gemeinschaft“, sagt Ursula Seibt. Eine Gemeinschaft, die gerne noch größer werden kann und soll. Wer Lust hat, gemeinsam zu stricken und häkeln, seine Kenntnisse zu verbessern, miteinander zu plaudern und Ideen auszutauschen, ist eingeladen, einmal unverbindlich vorbeizukommen, egal ob Anfänger oder Fortgeschrittene. Infos gibt es bei WirKT unter Tel. (0 93 21) 9 25 42 84.

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