TIEFENSTOCKHEIM

Die letzten Kühe sind fort

Abschied: Renate und Reta verließen am Montagabend Tiefenstockheim, um künftig im Stall von Werner Leßner in Gülchsheim ihre Milch zu geben. Die restlichen 18 Deutschen Fleckvieh-Kühe wurden am Dienstag in aller Frühe abgeholt, allerdings mit einem anderen Ziel.
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Anschieben zum Abschied: Gudrun und Rudolf Müller halfen Werner Leßner beim Abtransport der beiden Kühe Renate und Reta nach Gülchsheim. Damit gibt es in Tiefenstockheim keine Kühe mehr. Foto: Foto: Gerhard Krämer
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Renate und Reta verließen am Montagabend Tiefenstockheim, um künftig im Stall von Werner Leßner in Gülchsheim ihre Milch zu geben. Die restlichen 18 Deutschen Fleckvieh-Kühe wurden am Dienstag in aller Frühe abgeholt, allerdings mit einem anderen Ziel.

„Wenn man seine Rente haben möchte, ist dies der einzige Weg.“
Rudolf Müller zum Verkauf der Tiere

Damit gibt es in Tiefenstockheim keine Kühe mehr, sondern nur noch Schweine, Schafe und Pferde. Gerne hätten Rudolf Müller (65) und seine Frau Gudrun (60) noch weitergemacht.

Da jedoch keines ihrer drei Kinder die Hofnachfolge antreten wollte, blieb nur der Weg des Verkaufs der Tiere und der Verpachtung der eigenen 18 Hektar Land. „Wenn man seine Rente haben möchte, ist dies in diesem Fall der einzige Weg“, sagt der 65-Jährige.

1965 hat er den Hof von seinen Eltern Alexander und Anna Müller übernommen. „Wir hatten acht Kühe“, erinnert sich Rudolf Müller. Das seien damals viele Kühe für fränkische Verhältnisse gewesen. Nachdem die Pferde fort waren, seien deren Plätze für Kühe genutzt worden. Insgesamt waren es dann 14 Kühe, 1972 nach der Erweiterung 25. 1985, nach der Umstellung auf die Güllewirtschaft, erweiterte die Familie auf 36 Kuhplätze. Mit Kälbern seien es zeitweise 60 Stück Vieh gewesen, erzählt Müller. Vor nicht allzu langer Zeit hatte es sogar Drillinge beim Nachwuchs gegeben.

Müller verkaufte seine Kälber im gesamten fränkischen Raum, Bullenkälber gelangten sogar bis Norddeutschland. Aus seiner Zucht stammt auch der 1989 geborene Bulle Renold, der später zum Besamungsverein Neustadt kam.

Mit einem lachenden, aber auch einem weinenden Auge schaute Gudrun Müller zu. „Einerseits tut es mit Leid, andererseits beginnt nun für uns ein neuer Lebensabschnitt“, sagt sie. Seit ihrer Heirat vor 40 Jahren ist sie mit dabei in der Landwirtschaft.

Doch nun blicken beide entspannt in die Zukunft, da sie ihren Tagesablauf nun selbst bestimmen können. Zudem wird der Stall umgebaut, dann gibt es noch den großen Garten, die Oleander-Zucht und das Reisen, das sich die beiden Ruheständler vorgenommen haben. „Ohne Arbeit sind wir nicht“, sagt Rudolf Müller und lacht.

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