KITZINGEN

Die bunte Welt der Vergesslichkeit

Es ist die Auffangstation für die Überbleibsel der Vergesslichkeit: das Kitzinger Fundamt. Das ist wieder mal reich bestückt. Der Grund: „Das wenigste wird abgeholt“, sagt Andrea Klinger, die seit gut sechs Jahren das Sammelsurium verlorener Dinge hütet. Ein paar hundert Fundstücke warten in amtlicher Obhut auf ihre Eigentümer oder auf die Versteigerung.
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Vergessen: Einer der Stars im Depot der verlorenen Dinge ist ein nagelneuer Porsche-Schlüssel, der allerdings – anders als die Uhr und das Schmuckstück – wohl nicht unter den Hammer kommt. Foto: Foto: Harald Meyer

Es ist die Auffangstation für die Überbleibsel der Vergesslichkeit: das Kitzinger Fundamt. Das ist wieder mal reich bestückt. Der Grund: „Das wenigste wird abgeholt“, sagt Andrea Klinger, die seit gut sechs Jahren das Sammelsurium verlorener Dinge hütet. Ein paar hundert Fundstücke, vom kleinen Ohrring über Badesachen bis hin zum Mofa, warten in amtlicher Obhut auf ihre Eigentümer oder auf die Versteigerung.

Die Welt muss reich oder grenzenlos wurschtig sein: Den Eindruck bekommt der, der sich die Liste der Sachen anschaut, die im vergangenen Jahr im Fundamt zurückgeblieben sind: unter anderem fast 50 Fahrräder, das Mofa, vier Halsketten, 13 Brillen und ungefähr 600 bis 800 Überbleibsel aus dem Schwimmbad Aqua Sole. Und dann gibt es noch den Unbekannten, der seine Krücke vergaß.

Zu den großen Rätseln der Menschheit gehören auch Zeitgenossen, die ganze Schlüsselbunde verlieren und keinen Fuß in das Fundamt setzen. 75 Schlüssel, einzeln – unter anderem ein nagelneuer Porsche-Schlüssel – und in größerer Gemeinschaft, tummeln sich bei Andrea Klinger in einem Karton. Nachbar ist ein größeres Behältnis voller Bücher, auch solche mit intellektuellem Tiefgang, wie „Die Kunst des klaren Denkens“, die den Besitzer wohl kurz verließ.

Bester Kunde von Andrea Klinger und ihren Kollegen ist das Aqua Sole. Die vielen Stücke von dort wandern wie der Rest ins Fundbuch. Mit dem Namen des Entdeckers. Was sich für den lohnen kann. Weil es den Finderlohn gibt. Bei hochwertigeren Stücken bis 500 Euro sind da fünf Prozent vom Wert drin, ab 500 Euro drei Prozent – zahlbar vom Eigentümer.

Weil letztere aber eher selten im Fundamt auftauchen, kommt die Sammlung der Vergesslichkeit einmal im Jahr unter den Hammer. Nächster Versteigerungstermin: 12. April im Kitzinger Feuerwehrhaus, 9 Uhr. Was da nicht an den Mann oder die Frau gebracht wird, kommt laut Klinger über die Rumänienhilfe armen Menschen in dem osteuropäischen Land zugute.

Manch vergesslichem Menschen kommt auch zugute, dass im Fundbüro echte Recherche betrieben wird. Beispielsweise bei einer teuren Breitling-Uhr (Preis: gut 3000 Euro), wo die Dame vom Fundamt erst den Verkäufer ausfindig machte und über diesen zum Besitzer vorstieß. Etliche Telefonate waren jetzt auch nötig, um über die Bank den Eigentümer einer EC-Karte zu finden: „Man muss irgendwie versuchen, seinen Kunden gerecht zu werden“, betont Klinger.

Die hat nicht immer nur mit verlorenen Dingen zu tun. Manchmal geht's im Fundamt auch mal tierisch zu. Wie vor nicht allzu langer Zeit, als ein aufmerksamer Zeitgenosse einen auf einer Verkehrsinsel umherirrenden Igel auflas und in der Behörde abgab. Den bekam der „Eigentümer“ prompt zurück – Mutter Natur in einem Waldstück bei Castell.

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