MARKTBREIT

Die Zeit des Wartens ist vorbei

Im Marktbreiter Pfarrhaus weht ein neuer Wind: Die katholische Kirchengemeinde in Marktbreit hat seit Sonntag wieder einen Pfarrer und – zum ersten Mal überhaupt – eine Gemeindereferentin. Adam Possmayer trat am Sonntagnachmittag mit einem großen Festgottesdienst in der Pfarrkirche St. Ludwig seinen Dienst an.
Artikel drucken Artikel einbetten
Reich beschenkt: Der neue Marktbreiter Pfarrer Adam Possmayer und Gemeindereferentin Erika Gerspitzer nehmen die Gaben der Kindergartenkinder beim Rathaus-Empfang entgegen. Foto: Fotos: THOMAS MEYER

Im Marktbreiter Pfarrhaus weht ein neuer Wind: Die katholische Kirchengemeinde in Marktbreit hat seit Sonntag wieder einen Pfarrer und – zum ersten Mal überhaupt – eine Gemeindereferentin. Adam Possmayer trat am Sonntagnachmittag mit einem großen Festgottesdienst in der Pfarrkirche St. Ludwig seinen Dienst an.

Die Ernennungsurkunde und den Hausschlüssel überreichte beim Festgottesdienst der stellvertretende Dekan Kitzingen Bernd Steigerwald (Großlangheim). Pfarrer Possmayer übergab das Anweisungsdekret des Bischöflichen Ordinariats in Würzburg an die neue Gemeindereferentin Erika Gerspitzer. Possmayer ist der Nachfolger von Pfarrer Rainer Hörnig, der 33 Jahre lang Pfarrer von Marktbreit war. Hörnig ging an Fronleichnam in den Ruhestand. Seitdem war die Stelle vakant. Die Vertretung übernahmen als Pfarradministrator Hermann-Josef Schöning aus Astheim sowie Manfred Bauer aus Kitzingen und der pensionierte Rainer Hörnig aushilfsweise. Die katholische Pfarrei Marktbreit umfasst auch die sieben Filialen: Segnitz, Obernbreit, Marktsteft, Michelfeld, Martinsheim, Enheim und Gnodstadt.

Pfarrer Possmayer kann aber momentan nur zirka die Hälfte seiner Arbeitskraft der Pfarrei zur Verfügung stellen. Er ist auch noch seit 1. Februar für die Ausländer- und Vertriebenenseelsorge der Diözese Würzburg zuständig. Aber ihm zur Seite stehen der Pfarrgemeinderat unter der Leitung von Ursula Ihlefeldt, das Seelsorgeteam unter dem Diakon Karl-Ernst Janota und vor allem die neue Gemeindereferentin Erika Gerspitzer. Sie lebt mit ihrer Familie in Mainstockheim. Dort hat sie eine Halbtagsstelle inne, die andere Hälfte in Marktbreit. Fünf Stunden in der Woche verbringt sie mit Seelsorge im Alten- und Pflegeheim der Arbeiterwohlfahrt Marktbreit; sie ist auch zuständig für die Firm-Vorbereitung, die Frauen in der Kirche, die Liturgie und andere Dienste.

„Ich bin bei Euch bis zum Ende der Welt“, zitierte Pfarrer Possmayer Worte Jesu' in seiner Eröffnungspredigt. Er sagte: Lange habe es gedauert, bis klar wurde, dass Marktbreit eine eigenständige Pfarrei bleibe. Den Wechsel empfand er wie ein Nach-Hause-Kommen, da er schon vor 17 Jahren in St. Vinzenz in der Siedlung in Kitzingen Kaplan war. Er sprach von einem gemeinsamen Weg und einem Ziel und erinnerte die Gemeinde in der Marktbreiter Pfarrei St. Ludwig an das Wesentliche: „Als erstes sollten wir Christen unter Christen sein.“ Auch die Ökumene vergaß er nicht: „Mit allen, die seinen Namen tragen – und dies nicht nur in unserer eigenen Kirche – sollen wir Zeugen seiner guten und frohmachenden Botschaft sein.“

Zur musikalischen Untermalung der Einführung und des Gottesdienstes spielten und sangen die Marktbreiter Musikanten unter Leitung von Kilian Mend, Elisabeth Weber an der Orgel, die Band Sometimes 7 unter Susanne Ramsteiner und der Gospelchor Joyfull Noise unter der Leitung von Sabine Damm.

Grußworte entboten das evangelische Pfarrerehepaar Jaqueline Barraud-Volk und Thomas Volk aus Marktbreit, die von der Vision eines gemeinsamen Gottesdienstes in Marktbreit sprachen und ihm einen Weinstock für seine Garten in Marktbreit schenkten. Bürgermeister Erich Hegwein und die Pfarrgemeinderatsvorsitzende Ursula Ihlefeldt schlossen sich den Wünschen an. Nach dem Gottesdienst gab es einen Empfang in der Rathausdiele. Die Kinder des katholischen Kindergartens sangen Lieder und überbrachten Geschenke. Außerdem sprachen Vertreter der Filial- und Nachbargemeinden Grußworte an Pfarrer Adam Possmayer und die Gemeindereferentin Erika Gerspitzer.

Der neue Marktbreiter Pfarrer

Adam Possmayer wurde 1957 in Arad, einer Stadt im Westen Rumäniens in der Diözese Temeswar, geboren. In der heute 172 000 Einwohner zählenden Stadt wuchs er auf. Seine Vorfahren waren 1726 von Franken zusammen mit noch rund 300 Familien nach Rumänien eingewandert. Dort gründeten sie nördlich von Arad die deutschsprachige Gemeinde Sankt Martin. Nach den Enteignungen durch die Kommunisten nach dem Zweiten Weltkrieg zogen Adam Possmayers Eltern nach Arad.

Nach der Volksschule in Arad besuchte er das katholische Gymnasium in Alba Julia. Dort trat er nach dem Pflichtwehrdienst in das Priesterseminar ein. Nach vier Semestern stellte einen Ausreiseantrag nach Deutschland. „Während meines vergeblichen Wartens auf eine Ausreisegenehmigung arbeitete ich in einer Lebensmittelfabrik in Arad“, erinnert er sich.

1989, nach der Wende, als Adam Possmayer sein Theologiestudium wieder aufgenommen hatte, trat er in das Würzburger Priesterseminar ein. Die Priesterweihe erhielt er 1996.

Seine Kaplanzeit verbrachte er in Kitzingen in St. Vinzenz, dann ging es nach Miltenberg, Goßmannsdorf, Kerbfeld und Hofheim. 2001 trat er die erste Pfarrstelle in Birkenfeld (Landkreis Main-Spessart) an. „Dort habe ich viel gelernt und meine ersten eigenen Schritte machen dürfen“, sagt er.

In seiner Freizeit geht der Pfarrer gerne wandern, früher besonders in den Haßbergen.

Für diesen Artikel wurde die Kommentarfunktion deaktiviert.