Kitzingen

Die Woche: Wenn ein Bussard eine Brille braucht

Die Wochenrückblick-Glosse: 150 Kilo Diebesgut, eine seltsame Tier-Mensch-Begegnung und die Frage, wie man einen Silvaner erkennt – unser Kolumnist hat genau hingeschaut.
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Auge in Auge mit dem Bussard - das und noch mehr widerfuhr einem 70-jährigen Radfahrer in Wiesentheid. Foto: Andrea Sietz (Archiv)
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Theodor Fontane – um gleich ein wenig Prominenz in diese Kolumne zu holen –  setzte einst dem Birnbaum in dem Gedicht "Herr von Ribbeck auf Ribbeck im Havelland" ein wunderschönes Denkmal. Bis heute hat die Birne nichts von ihrer Anziehungskraft verloren. Im Gegenteil: Es werden wegen ihr sogar Diebstähle begangen. In Wiesentheid gefiel es dieser Tage einem Bösewicht, in einem fremden Garten einen Birnbaum zu plündern – immerhin 150 (!) Kilo. Seither stellt man sich in der Marktgemeinde die durchaus berechtigte Frage, was so ein Birnendieb wohl in der Birne hat.

Bleiben wir noch in Wiesentheid. Dort trug sich ein weiterer schlagzeilenträchtiger Fall zu. Ein 70-jähriger Radfahrer strampelte versonnen auf einem Feldweg vor sich hin, als es aus heiterem Himmel (nie war die Bezeichnung treffender) einem Bussard gefiel, gegen den Kopf des Radfahrers zu fliegen. Der verdutzte Mann stürzte sodann vom Rad, kugelte sich die Schulter aus und zog sich Schürfwunden zu. Früher hätte man gesagt: wie in dem Hitchcock-Film "Die Vögel". 

Entsprechend groß war das Rätselraten hernach: Kam der Bussard von einer Kneipen-Tour? Eine Art Kirchweih-Vorglühen? Vielleicht sah er in seinem Suff ja zwei Radfahrer und wollte zwischen beiden hindurch? Oder war es ein schon etwas in die Jahre gekommenes Tier? Geplagt von einer unfassbaren Kurzsichtigkeit, die aus Radfahrern leckere Mäuse macht? Die Spekulationen schossen ins Wiesentheider Kraut. Leider stand über den Verbleib des Vogels nichts im Polizeibericht, weshalb ein geplantes Interview mit dem Bussard über Sinn und Zweck seiner Aktion nicht möglich war. Auch zu dem geplagten Radfahrer ließ sich kein Kontakt herstellen. Aber wenn er das hier liest: Melden Sie sich einfach mal bei uns, wir hätten da noch ein paar Fragen.

Zum Schluss würden wir gerne noch eine dringende Gratulation loswerden: Das Weingut Waldemar Braun in Nordheim darf sich ein Jahr lang "Bayerischer Museumswein-Lieferant" nennen. Der Wein, ausgeschenkt bei Veranstaltungen der Staatliche Museen und Sammlungen in Bayern, musste sich den kritischen Geschmacksnerven einer Jury stellen. Das Auswahlkriterium war: "Es soll nach Silvaner schmecken!" Was ähnlich verblüffend ist wie ein Bussard-Angriff aus heiterem Himmel. Aber womöglich, und dann würde doch irgendwie alles Sinn ergeben, saß der Vogel ja in der Jury.

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