GLOSSE

Die Woche: Geigen an Ampeln

Am Dienstag war Weltposttag. Das ist nichts, was einen emotional durchrüttelt oder ein Grinsen ins Gesicht zaubert. Diesmal aber galt es zu feiern: Weil da ein Paket eintraf, das am Donnerstag zuvor 300 Kilometer entfernt abgeschickt worden war.
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Die Woche:     Notfalls Eimer unter den Tisch

Am Dienstag war Weltposttag. Das ist nichts, was einen emotional durchrüttelt oder ein Grinsen ins Gesicht zaubert. Diesmal aber galt es zu feiern: Weil da ein Paket eintraf, das am Donnerstag zuvor 300 Kilometer entfernt abgeschickt worden war.

Fünf Tage Reisezeit. Das Paket hat somit am Tag 60 Kilometer geschafft. Macht 2,5 Kilometer pro Stunde. Also halb so schnell wie ein Fußgänger. Das erklärt, warum demnächst das Porto erhöht wird: Die Post verlangt scheinbar einen Langsamkeitszuschuss.

Ganz fix war dagegen die Wahl in Dettelbach. Schnell ausgezählt, klares Ergebnis: Es gibt eine weitere Bürgermeisterin im Landkreis. Die Nummer vier nach Renate Zirndt (Biebelried), Doris Paul (Wiesenbronn) und Ingrid Reifenscheid-Eckert (Willanzheim).

Bei dem Rennen um den Dettelbacher Rathausstuhl zeigte sich, wie schwer die Zeiten für die CSU sind. Wenn früher jemand die berühmten drei Buchstaben auf seinem Plakat hatte, war die Wahl nur noch eine Formalie. Jetzt war es so, dass der CSU-Kandidat hemdsärmelig und ohne Partei daher kam.

Wechselstimmung auch beim Wetter: Der Herbst macht ernst. Am Donnerstagmorgen war es nach langer Zeit wieder da, dieses Ratsch-Ratsch-Geräusch. Kratzen der ersten vereisten Autoscheiben war angesagt.

Höchste Zeit, um den Ficus im Wohnzimmer zu beschneiden und umzutopfen. Um dem stolzen Baum den Stress zu nehmen, habe ich ihm gut zugeredet und zwischendurch auch gerockt.

Macht man ja heutzutage so. Florian Meierott schreitet hier mit gutem Beispiel voran und begeigt Weintrauben. Dabei zeigte sich, dass einem als Geiger gewisse Türen offen stehen. Sogar Hoteltüren. Denn als Meierott am Montag im Sulzfelder Maustal die Reben angeigte, wurde gerade gelesen. Eine der Erntehelferinnen war von der Musik so angetan, dass sie gerne mehr gehört hätte. Den Wunsch kleidete sie in die nicht ganz jugendfreie Frage, was denn bei dem Meister „eine Stunde im Hotel“ kostet. Und wir dachten, es sind die Klavierspieler, die Glück bei den Frauen haben.

In Kitzingen war derweil für Abwechslung gesorgt. Nachdem auf dem Marktplatz zuletzt Fußgänger über Radfahrer herfielen, war es diesmal ein Autofahrer, der einen Radler schlug. Da sieht man, was eine blöde Ampelschaltung anrichtet und wie blank die Nerven liegen.

Inzwischen mehren sich die Stimmen, die von einem offenen Feldversuch sprechen: Wie lange halten Autofahrer die rote Welle aus, ohne völlig auszurasten?

Vielleicht sollten wir Florian Meierott engagieren. Man darf gespannt sein, was genau passiert, wenn der die roten Ampel anfiedelt.

Die Woche blickt immer samstags zurück, was unseren Autoren in den vergangenen sieben Tagen aufgefallen ist.

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