KITZINGEN

Die Sucht steht meist nicht allein

Depression und Krisen, Alkohol und Situation mit dem Job: Wie die Suchtberatung der Caritas in Kitzingen und Volkach bei der Bewältigung von Problemen helfen kann.
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Bei einer Sucht kommt oft vieles zusammen. Bestehen auch noch seelische Erkrankungen, wird es manchmal doppelt schwer, dagegen anzukämpfen. Zunehmend stellen die Berater der Caritas-Suchtberatungsstelle Kitzingen fest, dass die Fälle durch eine Problemhäufung komplexer werden, so die Mitteilung.

Bei rund 80 Prozent zählte die Beratungsstelle eine beeinträchtigte psychische Gesundheit. Dazu gehören Angststörungen, psychosomatische Erkrankungen, Psychosen und Persönlichkeitsstörungen. Aber auch Sucht und psychische Traumata werden häufiger gesehen.

Deutlich an erster Stelle steht Sucht, verbunden mit Depression. Krisen bei Suchtproblemen gehen öfter mit einer psychiatrischen Einweisung einher. Psychopharmaka werden bei Sucht häufiger gegeben, so die Erfahrung der Beratungsstelle.

Alkohol Problem Nummer eins

So hatte die Suchtberatungsstelle im vergangenen Jahr mit 452 Fällen alle Hände voll zu tun. Mit 77 Prozent war Alkohol das Hauptproblem. Bei 23 Prozent lagen Drogenprobleme vor, beziehungsweise es ging um Cannabis und Kräutermischungen. Unter den Verhaltenssüchten mit rund 15 Prozent waren das problematische Spielen an Geldspielautomaten, Mediensuchtverhalten, Essstörungen und Kaufsucht vertreten.

Die Hilfestellungen der drei Suchtberater beginnen mit der eingehenden Beratung und Motivationsarbeit. Die intensive Betreuung erfolgt in Form von Einzelgesprächen. Angehörige und Bezugspersonen werden einbezogen. Wenn erforderlich, vermitteln die Berater suchttherapeutische Maßnahmen und Entwöhnungsbehandlungen in Fachkliniken. Danach werden die Klienten in der Nachsorge weiter begleitet. Eine zusätzliche Stabilisierung kann durch den Anschluss an Selbsthilfegruppen erreicht werden, mit denen die Beratungsstelle kooperiert.

In Volkach kann die Beratung durch Außensprechstunden jeden Dienstag aufgesucht werden. Auch dort steht eine Selbsthilfegruppe für Alkoholabhängige bereit. Um die Schwelle zum ersten Beratungskontakt zu erleichtern, suchen die Berater bei Einverständnis Betroffene auch während der Entgiftung im Krankenhaus auf. Wer Hemmungen hat, kann den Kontakt auch per Online-Beratung aufnehmen.

Abgerundet wird das Angebot der Suchtberatungsstelle durch eine angeleitete Angehörigengruppe. Hier können sich Angehörige entlasten und Unterstützung finden, um mit der Sucht des Partners, des Kindes oder des Elternteils besser umgehen zu können.

Krankmachende Arbeitssituation

Die Erwerbs- und Arbeitssituation der Klienten zeigt ein zwiespältiges Bild. Nicht wenige beschreiben ihre Arbeitssituation als belastend und zermürbend. Befristete Zeitverträge, eine hohe Arbeitsdichte und überzogene Leistungsvorgaben und Kontrollen stressen stark. Mobbing und mangelnde Führungskompetenz schaffen zusätzliche krankmachende Arbeitsbedingungen.

Auf der anderen Seite finden Erwerbslose trotz stabiler Abstinenz, fachlicher Qualifikation und hoher Motivation nur schwer ins Berufsleben zurück. Insbesondere bei beeinträchtigter körperlicher oder seelischer Gesundheit erleben Klienten ab „50 plus“, dass sie abgewiesen werden.

Trotz eines boomenden Arbeitsmarktes gibt es keine echte Reintegration. Wer keine volle Leistung mehr zusichern kann, kommt nicht mehr rein. Menschen fühlen sich nicht mehr gebraucht, zwischen Behörden und Gutachten herumgeschoben, ihrer Würde und Selbstachtung zunehmend beraubt. Individuelle Realität und öffentliche Darstellung klaffen hier weit auseinander. „Ein paradoxer Zustand, der gesellschaftlich ausgeblendet oder schöngeredet wird“, so die Caritas-Beratungsstelle.

An die Suchtberatungsstelle kann sich jeder wenden. Die Beratung erfolgt vertraulich unter Schweigepflicht, ist freiwillig und kostenfrei.

Kontakt zur Psychosozialen Beratungsstelle: Tel. (0 93 21) 2 20 40; suchtberatung@caritas-kitzingen.de, www.suchtberatung-kitzingen.de

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