Kitzingen
Kosten

Die Strompreise sind völlig von der Rolle

Die Energiewende ist voll im Landkreis angekommen - was die Verbraucher ab dem 1. Januar im Geldbeutel merken werden. Dabei wird der Strom an sich gar nicht teurer.
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Gerald Gräf von der ÜZ zwischen Kabeln, die in Wiesentheid und Umgebung noch in die Erde müssen - auch das kostet Geld, das auf den Stromkunden umgelegt werden muss.  Foto: Karina Brock
Gerald Gräf von der ÜZ zwischen Kabeln, die in Wiesentheid und Umgebung noch in die Erde müssen - auch das kostet Geld, das auf den Stromkunden umgelegt werden muss. Foto: Karina Brock
In den letzten drei Jahren hat die Überlandzentrale Lülsfeld (ÜZ) drei Umspannwerke gebaut. "Genauso viele, wie in den 97 Jahren zuvor", sagt Elmar Tell, Leiter der Abteilung Netz. Außerdem mussten im Gebiet des Stromversorgers viele Leitungen ausgebaut werden, damit die privaten Stromeinspeiser ihre Energie loswerden: "Aus Einbahnstraßen wurden vierspurige Autobahnen - wir nehmen manchmal mehr Strom aus dem Netz, als wir an unsere Kunden abgeben." Dafür wurden teilweise auch noch örtliche Schalthäuser gebraucht, wie das zwischen Wisesentheid und Prichsenstadt, da das bestehende Netz den alternativ erzeugten Strom nicht mehr aufnehmen konnte.

All das kostet Geld.

Geld, das die Strompreise ab 2013 drastisch in die Höhe treibt - und zwar nicht nur bei der ÜZ. "Die Netzentgelte machen 20 bis 30 Prozent des gesamten Strompreises aus", erklärt Tell.
Enthalten sind darin die Vorhaltung und Instandhaltung von Leitungen, Schaltanlagen, Transformatoren und sonstigen Betriebsmitteln zur Elektroenergieversorgung sowie die derzeitige Netzverstärkung. In der Regel müssen Versorger, die eine ländliche Region abdecken, mehr in Leitungen investieren, als Stadtwerke, die in einem räumlich kleineren Gebiet agieren. Allerdings sind diese Entgelte für die Nutzung der Stromnetze nicht die einzigen Kostentreiber.

"Unsere Erhöhung entspricht 1:1 der Anhebung der staatlich reglementierten und kontrollierten Preisbestandteile", sagt Peter Tiefenthaler, Geschäftsführer der Kitzinger Licht-, Kraft- und Wasserwerke (LKW). Sie hebt ihre Strompreise auf allen Tarifebenen zum 1. Januar um brutto 4,64 Cent pro Kilowattstunde an. Für einen durchschnittlichen Drei-Personen-Haushalt bedeutet das etwa 160 Euro im Jahr zusätzlich, was die Gesamtkosten auf rund 1000 Euro im Jahr steigen lässt. Und das ohne den eigentlichen Strompreis - bestehend aus Erzeugung, Beschaffung, Vertrieb, Service und Dienstleistungen - zu verändern.

Genauso geht es der ÜZ. Sie ist stolz darauf, dass inzwischen jeder zehnte ihrer Kunden ein regeneratives Kraftwerk betreibt und somit zur dezentralen Energieversorgung, einem Hauptziel der Energiewende, beiträgt. Weniger freut sich der Geschäftsführende Vorstand Gerd Bock darüber, deshalb nun Preiserhöhungen verkünden zu müssen: "Die Energiewende kostet viel Geld. Bei uns verteuert sich der Bezug elektrischer Energie um 4,30 Cent pro Kilowattstunde brutto."

Mit etwa 50 Prozent am Gesamtpreis tragen Steuern und Abgaben zur massiven Verteuerung bei.

Die EEG-Umlage stieg innerhalb eines Jahres von 3,592 Cent pro Kilowattstunde auf 5,277 Cent (netto), also um fast 47 Prozent. Auch die finanzielle Entlastung bestimmter Großverbraucher, die auf die übrigen Stromkunden umgelegt werden steigt; sie beträgt ab Januar 0,329 Cent pro Kilowattstunde netto und damit mehr als doppelt so viel wie im Vorjahr. Die neue Offshore-Haftungsumlage schlägt mit 0,250 Cent netto zu Buche. Sie soll die Risiken bei der Anbindung von Windkraftanlagen im Meer absichern. Weitere staatliche Abgaben sind die KWK-Umlage, mit der die gleichzeitige Erzeugung von Strom und Wärme gefördert wird, die Stromsteuer und die Konzessionsabgabe. Auf alle Bestandteile des Strompreises kommt am Ende noch die Mehrwertsteuer. "Unser Produkt ist mit sieben unterschiedlichen Abgaben, Steuern und Umlagen belastet - das muss man sich mal auf der Zunge zergehen lassen", betont der LKW-Chef.

Die Versorger haben keinen großen Einfluss

Annähernd drei Viertel des Strompreises werden damit von Faktoren bestimmt, die der Energieversorger nicht beeinflussen kann - bei ÜZ und LKW genauso wie bei N-Ergie und Eon. Wobei sich letztere mit Preiserhöhungen noch zurückhalten. "Wir beobachten erst einmal den Markt", sagt Michael Krantzberger, Sprecher Eon Bayern Vertrieb. Tiefenthaler mahnt zur Skepsis: "Wer nicht zum 1. Januar erhöht, sondern erst später, muss dafür deutlicher raufgehen, um die ersten Monate wieder reinzuholen - die Abgaben müssen alle Versorger tragen."
Das ist aber noch nicht das Ende - Energie wird nicht mehr billiger werden, da sind sich die Versorger einig. Deshalb ihr Credo: Nur wer weniger verbraucht, kann Geld einsparen.




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