Iphofen
Weltputzfrauentag

Die Spuren von Männern und Frauen

Staub, Müll, Dreck: Putzen ist für jeden ein Thema - nicht nur am heutigen Welttag. Renate Zuckriegl wischt und wieniert wie ein Profi.
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Mann, o Mann: In der Männertoilette entdeckt Renate nicht immer Erquickliches.
Mann, o Mann: In der Männertoilette entdeckt Renate nicht immer Erquickliches.
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Putzfee? Putzteufel? Perle? Oder - ganz spröde - Reinemachfrau? Nein, Alfred Kräutlein hat für Renate Zuckriegl einen ganz neuen Namen erfunden. Er nennt sie Raum-Dompteuse.

Wenn die 42-Jährige mit Aufwascheimer, Sauger und Lappen die Gebäude der Verwaltungsgemeinschaft (VGem) Iphofen durchkämmt, dann lässt Kräutlein schnell den Blick über seinen Schreibtisch gleiten - nicht, dass Zuckriegl gleich etwas zu beanstanden findet. Die "Raum-Dompteuse" ist für ihren Scharfblick bekannt. Kräutlein, der Personalverantwortliche der VGem, hat die Erfahrung gemacht: "Schlamperei mag sie gar nicht."
Dass der Müll korrekt getrennt wird, findet Renate Zuck riegl ebenso wichtig wie einen sauberen Schreibtisch ohne Kaffeeflecken. "Wenn sie im Papierkorb zum Beispiel ein Stück Plastik findet, wendet sie erzieherische Maßnahmen an", erzählt Kräutlein grinsend. Sie nimmt den Abfall dann einfach nicht mit.


"Eine Kollegin wie jede andere"

Renate Zuckriegl ist zwar durchschnittlich zwölf Wochenstunden in der VG und 20 in den städtischen Gebäuden mit Saubermachen beschäftigt, aber ein "Mädchen für alles" ist sie deshalb noch lange nicht. "Sie ist eine Kollegin wie jede andere auch", findet Kräutlein. Abstufungen würden keine gemacht - und die enge Zusammenarbeit beim baustellenbedingten Umzug ins VGem-Ausweichquartier am Bahnhof habe alle richtig zusammengeschweißt: "Beim Betriebsausflug ist die Renate natürlich dabei und wenn sie Geburtstag hat, muss sie genauso etwas ausgeben wie jeder andere."

Renate Zuckriegl nickt. Wenn es anders wäre, hätte sie ihren Job sicher auch nicht so ins Herz geschlossen. "Hier geht es fast familiär zu. Und ich mach' die Arbeit wirklich gern", sagt die Mutter zweier Kinder, die gelernte Gemüsegärtnerin ist, in ihrer Branche aber keine geeignete Tätigkeit in der Nähe fand. "Wenn ich abends heimgehe, sehe ich genau, was ich heute geschafft hab'. Und ich freu' mich, dass die Mitarbeiter am nächsten Tag mit neuem Schwung starten können."

Natürlich gibt es auch Einsätze, die ihr Blut in Wallung bringen. Während sich der Schmutz in Rathaus und im VG-Gebäude, in der Tourist-Info, der Vinothek, der Winzerscheune und der Michaelskapelle meist in erträglichen Grenzen hält, kann es zum Beispiel in den Sanitäranlagen der vier Kläranlagen, die zur VG gehören, mal Dreckbatzen regnen. "Dann kann's passieren, dass ich ein bisschen schimpfe. Obwohl ich natürlich verstehe, dass die Männer halt mal schnell mit ihren Stiefeln wohin müssen."

Am liebsten sind Renate Steinböden: "Die lassen sich gut putzen." Flecken auf Teppichen müsse man schon mit mehr Vehemenz zu Leibe rücken. Auch der beste Reiniger könne die körperliche Mühe nicht ersetzen. "Ich gehe in die Knie und nehme warmes Wasser mit Spülmittel her." Mit dieser einfachen Mischung bekommt die 42-Jährige auch Fenster streifenfrei sauber. "Ohne Glasreiniger geht's genauso", schwört sie auf gängige Hilfsmittel ohne viele Zusätze. Die Tapsen auf den Schreibtischen entfernt sie mit einem Allzweckreiniger.

Wer ist denn nun eigentlich ordentlicher und sauberer - Damen oder Herren? Renate Zuck riegl will sich dazu eigentlich nicht äußern - Diskretion und Vertrauen sind für sie selbstverständlich. "Und das ist für uns auch ganz wichtig", sagt Alfred Kräutlein.

Nur so viel lässt sie sich schließlich doch entlocken: In den Sanitärräumen hinterlassen die Herren der Schöpfung die gröberen Spuren. Bei den Frauen dagegen "ist nicht immer gelüftet".

Renate Zuckriegl putzt unverzagt und fröhlich weiter. Bei Gelegenheit wird sie ihre Beobachtungen vielleicht in zarte Hinweise auf die Existenz von Klobürsten und Fensterhebeln münden lassen. So arbeitet eine engagierte Raum-Dompteuse heute.


INFO:
Weltputzfrauentag

Seit 2004 gibt es diesen Aktionstag. Die Autorin Gesine Schultz führte ihn ein. Sie legte ihn auf den 8. November, den Geburtstag ihrer Krimifigur Karo Rutkowsky - einer klugen und witzigen Putzfrau, die nicht nur Räume reinigt, sondern als Privatdetektivin auch Mordfälle löst. Der Weltputzfrauentag fordert mehr Respekt vor der Arbeit von Reinigungskräften. ldk







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