Iphofen

Die SPD und die Kraft zur Erneuerung

Was können wir heute von der Sozialdemokratie erwarten? MdB Carsten Träger gab Antworten und feierte mit dem Iphöfer Ortsverein das 100-jährige Bestehen.
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Freuten sich über das Jubiläum 100 Jahre Sozialdemokratie in Iphofen (von links): Ortsvereins-Vorsitzender Jürgen Kößler, Gastredner und MdB Carsten Träger, stellvertretender Landrat Robert Finster, Landtagsabgeordneter Volkmar Halbleib, Europaabgeordnete Kerstin Westphal und Kreisvorsitzender Heinz Galuschka. Foto: Hartmut Hess

"Dass wir die vergangenen 100 Jahre die Politik in Iphofen mitgestalten durften, ist ein Anlass für unsere Feierstunde heute", sagte Jürgen Kößler, Vorsitzender des SPD-Ortsvereins Iphofen, zur Jubiläumsfeier des Ortsverbands in der Verkündhalle des Rathauses. In den aktuell schweren Zeiten für die Sozialdemokraten, wünschte Iphofens Bürgermeister Josef Mend der SPD, wieder aus den Umfragetiefs herauszukommen, um weiterhin "eine bewährte Rolle in unserem Land zu spielen."

Der 1919 gegründete Ortsverein hat seine Wurzeln im bereits 1905 formierten Steinarbeiterverband. Unter den Steinhauern war Jakob Zacher, dessen Parteibuch mit einem Eintrag aus dem Jahr 1919 den ältesten Nachweis für den SPD-Ortsverein bildet. Vorsitzender Kößler führte die Gründung der Ortsvereine und Gewerkschaften auf harte Zeiten für die Arbeitnehmer zurück. Als Arbeiterpartei habe die SPD 1919 mit zehn Mandaten die Hälfte der Stadtratsmitglieder gestellt und Nikolaus Grünewald in den Bezirkstag nach Scheinfeld entsenden können.

Wahlrecht für Frauen und ein unvergessener Frontman

Während der Herrschaft der Nationalsozialisten seien die Genossen in Iphofen verschwunden, um bei der Stadtratswahl 1946 mit drei der damals neun Stadtratssitze zurückzukommen. Für die SPD und die Gruppierung "Wirtschaftliche Aufbauvereinigung" war Ludwig Kömm von 1948 bis 1952 Bürgermeister und mit dem unvergessenen Frontmann und Kreisrat Georg Heilein habe die Iphöfer SPD letztmals einen 3. Bürgermeister gestellt. Jürgen Kößler dankte allen Mitstreitern in den 100 Jahren des Ortsverbands, darunter auch den Vorsitzenden der vergangenen Dekade, Markus Pusch, Hermann Neubert, Michael Klein und Karl-Heinz Käppner.

Die Europaabgeordnete Kerstin Westphal betonte, dass Freiheit, Gerechtigkeit und Solidarität seit jeher die Beweggründe der Sozialdemokratie seien, heute, in Zeiten der Europäischen Union, sei noch die Toleranz hinzuzufügen. Vor 100 Jahren haben die Frauen außerdem das aktive Wahlrecht bekommen und Marie Juchacz hat als erste Frau eine Rede im deutschen Bundestag gehalten. Auch MdL Volkmar Halbleib sprach das Wahlrecht für Frauen an sowie den Acht-Stunden-Tag und andere Errungenschaften, die heute als selbstverständlich gelten, aber hart erkämpft werden mussten.

Sozialer Wohnungsbau: Heute immer noch aktuell

Themen wie sozialer Wohnungsbau oder die Vereinbarkeit von Familie und Beruf waren damals so aktuell wie heute. "Die Ehrenamtlichen und die politisch Engagierten sind die wahren Helden unserer Demokratie", sagte Halbleib. "Wir müssen heute sehr aufpassen, dass unsere Demokratie nicht den Bach hinuntergeht", warnte stellvertretender Landrat Robert Finster und forderte dazu auf, die Demokratie gegen die linken und rechten Populisten zu verteidigen. "Ein Hauch von Geschichte weht heute durch diese Verkündhalle", fand SPD-Kreisvorsitzender Heinz Galuschka und blickte optimistisch in die Zukunft: "Und geht`s unserer SPD noch so schlecht, wir kommen umso gestärkter und dynamischer zurück."

Als Gastredner und Gratulant war auch der Bundestagsabgeordnete Carsten Träger aus Fürth gekommen und sprach zum Thema "Was können wir heute von der Sozialdemokratie erwarten?". Die SPD habe drei Bundeskanzler gestellt, aber schon immer Richtungs- und Flügel-Kämpfe ausgefochten. "Wir haben immer wieder die Kraft, uns zu erneuern und neue Konzepte zu erarbeiten", meinte Träger. Die SPD bekenne sich zum vereinbarten Kohleausstieg, trage aber gleichzeitig das "Bergleute-Gen" in ihrer DNA.

Partei ist sich der umweltpolitischen Herausforderungen bewusst

Die SPD habe außerdem als einzige Partei ein Konzept zur Bewältigung der Digitalisierung vorgelegt und bei der Klimaschutzpolitik seien die Menschen "viel weiter als die Konservativen in unserem Land", monierte der Umweltpolitiker und nahm für die Genossen in Anspruch, sich schon viel länger der umweltpolitischen Herausforderungen bewusst zu sein.

"Diese Sozialdemokratie wird noch weitere 100 Jahre gebraucht", urteilte Carsten Träger. Beifall in der Verkündhalle. Die anschließende Feierstunde untermalten Iris und Frank Bluhm mit Saitenmusik.   

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