IPHOFEN

Die Piep-Show ist ein Erfolg

Viele, viele Stunden sind sie draußen. Bei Wind und Wetter. Wenn sie in ihrem Element sind, ist es für Tilo Gernert und Horst Altenhöfer Nebensache, ob die Sonne scheint oder der Wind bläst oder ob es regnet. Dann geht es für sie nur darum, den gefiederten Mitbewohnern zu helfen. Das haben die beiden und ihr Team vom TSV Iphofen mit dem Iphöfer „Nistkastenprojekt“ heuer in besonderer Weise getan.
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Da staubt's gewaltig: Mit einer Stange kippt Tilo Gernert, beobachtet von Lydia Giehl und Horst Altenhöfer, den Nistkasten hoch, so dass das alte Nistmaterial zu Boden fällt. Das ist nötig, damit im kommenden Jahr wieder Vögel einziehen – ohne von Flöhen und Zecken gequält zu werden. Foto: Foto: Diana Fuchs
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Ziemlich genau vor einem Jahr fiel der Startschuss. Die Idee hatte die Iphöfer Landschaftsarchitektin Lydia Giehl geliefert. Der TSV 07 Iphofen e.V. übernahm, unterstützt von der Stadt, die Regie für das Projekt. Gegen eine Spende von 25 Euro konnten Privat- und Geschäftsleute Nistkasten-Pate werden und die Brutröhren sogar mit ihrem Namen versehen lassen. 183 Nistrohre kamen zusammen. Diese hängte ein Helfer-Team im zeitigen Frühjahr in drei, vier Metern Höhe an den Bäumen entlang des Stadtsees, des Herrengrabens und im Mittelwald auf.

Die so genannten Kipp-Nistrohre hat Tilo Gernert konstruiert. Die Kipptechnik hat der Tüftler aus Albertshofen erfunden, um das nötige Ausputzen zu erleichtern. Man braucht lediglich eine lange Stange, mit der man den Eingang des Häuschens leicht anhebt – und schon fällt das alte Nistmaterial hinten heraus. Gernert zimmert seit 30 Jahren Bruthöhlen für alle möglichen Vogelarten; er ist ein Experte auf dem Gebiet. Insgesamt hängen im Landkreis über 800 Gernert-Kästen, die der Rentner instand hält und regelmäßig säubert. Allesamt verfügen sowohl über einen Marder- als auch über einen Krähenschutz. Schließlich sollen die Jungvögel eine gute Chance zum Überleben haben.

Natürlich wollten die Vogelfreunde wissen, ob ihr Brutangebot auch tatsächlich angenommen wird. Also legten sich Altenhöfer und Gernert im Sommer auf die Lauer; außerdem untersuchten sie zusammen mit den beiden „Ausputzer“ Michael Theune und Daniela Strigl die Brutrohre vor kurzem beim Ausleeren des alten Nistmaterials. „Jede volle Büchse war ein Erfolgserlebnis für uns.“

Das Säubern ist wichtig, denn Meisen zum Beispiel polstern ihr Nest mit Moos, das gegen Ende des Jahres oft vor Flöhen, Zecken und anderem Getier nur so wimmelt. „Spatzen dagegen sind normalerweise gar keine Dreckspatzen – sie bauen ihre Nester so, dass Flöhe sich dort nicht wohlfühlen“, betont Tilo Gernert. „Wir leeren im Winter alle Rohre aus, damit sie im nächsten Jahr wieder als Bruthöhlen angenommen werden und die Jungvögel nicht von Ungeziefer zerbissen werden“, erklärt der Albertshöfer.

Er und Horst Altenhöfer freuten sich sehr, als am Ende ihrer Rundgänge feststand: 105 der 183 Kästen waren heuer bewohnt. Das bedeutet, dass gut 1000 Jungvögel hier geboren worden sind. „Im Wald waren von 40 Kästen sogar 39 belegt“, berichtet Tilo Gernert. „Das zeigt, dass gerade dort ein ganz großer Bedarf herrscht. Viele Vogelarten finden in der Natur nicht mehr genügend geeignete Nistmöglichkeiten.“

Die meisten Kästen hatten Blau- und Kohlmeisen besetzt. „Aber auch den Kleiber haben wir gesehen.“ Und aus einem Anflugloch guckte sogar ein Siebenschläfer heraus. „Das war ein tolles Erlebnis. Auch der bedrohte Siebenschläfer findet in unseren Bruthöhlen Schutz“, ist Horst Altenhöfer begeistert. Außerdem freut er sich natürlich darüber, dass der Hunger der Jungvögel dafür gesorgt hat, das Obst am Stadtgraben auf ganz natürliche Art ziemlich wurmfrei zu halten.

Was ist mit den Spatzen los?

Dass sie kein einziges Spatzennest fanden, macht Altenhöfer und Gernert jedoch ein bisschen Sorge. „Bei uns in Albertshofen sieht man auch kaum noch freche Spatzen – die haben alle Angst vor dem Falken, der wieder heimisch ist“, erzählt Tilo Gernert. „Ich finde, wer Falken päppelt, der muss auch ihre Futtervögel, also Spatzen und Meisen, päppeln.“ Genau das tun die Iphöfer jetzt auch. Horst Altenhöfer hat aus Plastikrohren und unterschiedlich großen Pflanzenuntersetzern gleich sieben Futterstellen gebaut und in Iphofen aufgestellt; hier können sich die Spatzen nun mit Weizenkörnern und Sonnenblumenkernen den Bauch vollschlagen.

Wie es weitergeht mit dem Nistkastenprojekt? „Wir wollen auf jeden Fall noch ein paar Kästen aufhängen. Mal schauen, wie wir die Fortsetzung finanzieren“, sagt Horst Altenhöfer.

INFO: Alle Fragen zum Projekt beantworten Horst Altenhöfer (Tel. 0160/ 5775097) und Lydia Giehl (Tel. 0176/ 56708111). Sie nehmen auch „Reservierungen“ für weitere Nistkästen-Patenschaften im kommenden Jahr entgegen.

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