In Berlin geht gerade die Internationale Grüne Woche zu Ende, die in diesem Jahr unter dem Motto stand: "Erlebe die Vielfalt". Im Kleinen kann man die Vielfalt auch im Landkreis Kitzingen erleben. Zum Beispiel auf dem Gärtnerhof Ökokiste von Veit Plietz in Schwarzach.
Zur Tomatenzeit bietet der Gärtnermeister hier 200 verschiedene Sorten an. 30 davon vermehrt er selbst. Weitere tauscht oder kauft er hinzu. 200 Sorten hört sich viel an. Doch im Vergleich zur einstigen Artenvielfalt ist es doch nur ein relativ kleiner Teil. Etwa 10 000 Tomatensorten sind wohl über die Jahrtausende entstanden, schätzen Experten.
Angesichts dieser Vielfalt kann der Gärtnermeister eines nicht verstehen: wenn Kunden zu ihm auf den Hof kommen und nach Tomaten verlangen, die nach Tomate schmecken. "Viele wissen gar nicht, dass es bei den Tomaten ein großes Geschmacktsspektrum gibt", sagt er. Manche schmecken süß, andere weniger. Einige haben viel, manche wenig Säure. Einige sind fest, andere wiederum weich.

Große Unterschiede


Neben dem Geschmack unterscheiden sich die Tomaten auch bei Aussehen, Form und Größe. Es gibt sie in rot, gelb grün, braunrot und orange, in länglich und rund, gesprenkelt, gestreift oder einfarbig. "Dunkle Tomaten haben weniger Säure, gelbe sind dagegen gut verträglich", nennt er ein Beispiel.
Plietz' Tomatenpflanzen hören auf so klangvolle Namen wie Tigerella, Berner Rose oder Tommy Tasty. Manche Namen klingen ein wenig wie Kosenamen und tatsächlich sind Tomaten die große Leidenschaft des Gärtnermeisters.
Auf diese Pflanzen ist Veit Plietz zufällig gekommen. In einer österreichischen Gärtnerei hat er vor etwa zehn Jahren seine ersten Erfahrungen mit unbekannten Tomatensorten gemacht. Anschließend war er so begeistert, dass er selbst begonnen hat, mit einigen Arten zu experimentieren. Bei Verkostungen auf seinem Hof rief er Begeisterung hervor: "Ich war erstaunt, wie groß das Interesse an den alten Sorten war."
Nicht ohne Grund. Denn auch fast vergessene Sorten haben ihren Reiz und spezielle Vorteile: "Es gibt zum Beispiel Sorten, die man bis zur nächsten Ernte lagern kann", erzählt er. Andere haben beispielsweise einen tollen Geschmack, sind dafür aber empfindlich. Für jeden Geschmack, Anlass und Pflanzort gibt es daher eine ideale Lösung.
"Früher haben die Menschen ihre Pflanzen untereinander getauscht und diese dann miteinander gekreuzt", erklärt der Fachmann, wie es zu der enormen Vielfalt gekommen ist.
Über die Jahre hinweg haben sich die neu entstandenen Sorten dabei auch gut an die jeweiligen Regionen angepasst. Trotzdem sind heute die meisten von ihnen verschwunden. In den Supermärkten gibt es überall die gleichen Sorten.
Die Ursache dafür liegt in der Produktion der Nahrungsmittel. "Die Lebensmittelhändler kaufen Tomaten nur noch nach Optik und Haltbarkeit", erklärt Plietz. Pflanzen, die anfällig sind, von der Größe zu sehr variieren oder nicht schön aussehen, haben daher keine Chance mehr.
Damit diese nicht endgültig verloren gehen, kämpfen Veit Plietz und einige Kollegen für ihren Erhalt. Doch auch von anderen Pflanzenarten gibt es alte Sorten, die ökologisch engargierte Menschen erhalten wollen.

Fest der Kulturpflanze


Einen Eindruck davon können sich Interessierte bald in Iphofen machen. Am 19. Februar findet dort das Fest der Kulturpflanze statt.Veit Plietz informiert dort nicht nur über seine Tomaten, sondern auch über andere fast in Vergessenheit geratene Pflanzen, darunter verschiedene Bohnen- und Blumensorten. Marius Wittur präsentiert dort seinen Quittenlehrpfad und die Astheimer Perlquitte.
Zusammen wollen die beiden auf darauf hinweisen, dass die Pflanzenvielfalt in Gefahr ist. Doch auch etwas anderes beunruhigt Veit Plietz: "Viele Hersteller haben Patent auf ihre Samen angemeldet", erklärt er. Gärtnern ist es dann nicht mehr erlaubt, eigene Pflanzen nachzuzüchten, sie müssen stattdessen die Samen nachkaufen.
Halte die Gentechnik in der Samenherstellung Einzug, dann sei die Nachzucht ohnehin ausgeschlossen. Bei dem Gedanken an eine Einheitssorte vergeht Veit Plietz der Appetit - ähnlich wie beim Gedanken an Wintertomaten: "Tomaten schmecken im Winter einfach nicht", sagt er.
Falls er aber doch einmal Appetit auf das gesunde Gemüse hat - in seiner Wohnung lagern noch einige Exemplare, die besonders lange haltbar sind. Die Sorte hat er selbst aus Lettland mitgebracht. Dort hat er vor kurzem seinen Betrieb und seine Tomaten vorgestellt.