VOLKACH

Die Mainschleifenbahn zügig reaktivieren

Experten, Bürger und Stadträte diskutierten über die Chancen der Reaktivierung der Mainschleifenbahn. Auch die Abtei Münsterschwarzach hatte eine klare Meinung dazu.
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Werden jemals wieder die Weichen für einen Regelbetrieb der Mainschleifenbahn gestellt? Foto: Foto: Chris Weiß

Auf Einladung der Ortsgruppe Volkach von Bündnis 90/Die Grünen diskutierten Experten, interessierte Bürger und Stadträte über die Chancen der Reaktivierung der Mainschleifen-Bahnstrecke von Volkach nach Würzburg.

Eingeladen hatte die Sprecherin der Ortsgruppe, Regina Hetterich, nachdem sie erfahren hatte, dass die Reaktivierung der Bahn noch etliche Hürden zu überwinden habe: „Wie viele andere Bürger dachte ich nach einer Stadtratssitzung, dass alles am Laufen ist und die Bahn bald wieder nach Volkach fährt.

Der Abend zeigte allerdings, dass die Reaktivierung noch nicht in trockenen Tüchern ist, teilen die Grünen in einem Bericht mit.

Stündliche Direktverbindungen nach Würzburg

Wolfgang Schramm von der Mainschleifenbahn informierte über die jahrelange ehrenamtliche Arbeit des Fördervereins Mainschleifenbahn und lobte die Unterstützung der örtlichen Politik.

Komfortable, stündliche Direktverbindungen nach Würzburg mit modernen Hybrid-Triebwagen seien möglich, wenn der Freistaat der Reaktivierung zustimme. Laut Schramm setze jedoch die Bayerische Eisenbahngesellschaft (BEG), die im Auftrag des Freistaats den regionalen Bahnverkehr organisiert, in Volkach die Messlatte sehr hoch.

Andere Verbindungen würden trotz niedriger Fahrgastzahlen reaktiviert, so zwischen Ulm und Weißenhorn. Die BEG habe ohne Zubringerbusse, Park-and-ride-Fahrer, Schüler und Touristen 600 Gäste täglich berechnet. Der Landkreis Schweinfurt müsse seine Busverbindungen noch anpassen, sagte Schramm.

Forderungen aus dem Kloster

Auch das Kloster Münsterschwarzach war vertreten: Bruder Julian warf ein, dass Münsterschwarzach im Jahr mit 30 000 Übernachtungsgästen aufwarten könne, aber man es leid sei, dass abends ankommende Gäste keine öffentliche Weiterreisemöglichkeit im Landkreis Kitzingen hätten. Bruder Julian forderte dringend von den Landkreisen zu handeln.

Gerd Weibelzahl vom Landesvorstand des ökologischen Verkehrsclubs (VCD) schilderte aus seiner Sicht die Probleme: Die BEG wolle die Strecke nicht reaktivieren, da sie davon ausgehe, dass 1000 Fahrgäste pro Tag und Kilometer nicht erreicht würden. Weibelzahls Kritik setzte daher an der Politik des Freistaats Bayern an: Das 1000er-Kriterium müsse verändert werden. In Hessen und Baden-Württemberg beispielsweise würden Reaktivierungen anders betrachtet und seien leichter möglich. Das Hauptproblem sei, so Weibelzahl, dass nur die Fahrgäste auf der Strecke Volkach – Seligenstadt in die Wirtschaftlichkeitsberechnung eingingen. „Dies ist aber Unsinn, da die meisten Fahrgäste bis Würzburg oder sogar noch weiterfahren. Dieser Netzeffekt geht in dem in Bayern verwendeten Verfahren völlig unter“, so Weibelzahl weiter.

Kriterien auf Landesebene verändern

Der Vorsitzende des VCD Mainfranken-Rhön, Aljoscha Labeille, zog daher folgendes Fazit des Abends: „Alle relevanten politischen Kräfte in der Region sind für die Reaktivierung. Wir sind uns alle einig, dass wir sie wollen und dass sie sinnvoll ist. Wichtig wäre daher – gerade jetzt vor der Landtagswahl – dass die Kandidaten sich dafür einsetzen, dass auf Landesebene die Kriterien geändert werden.

Regina Hetterich ergänzt: „Es ist allen klar, dass die Menschen und Unternehmen aus Volkach und Umgebung sich die Rückkehr der Bahn wünschen und dies auch für Umwelt und Wirtschaft in der Region sinnvoll ist.

Offenbar steht die Landespolitik dem Wunsch der Volkacher noch im Wege. Wir Grüne hoffen, dass mit neuen Mehrheitsverhältnissen nach der Landtagswahl Bewegung in die Sache kommt.“

Ein Diskussionsabend zum Thema ist am Montag, 8. Oktober, 19.30, Uhr in der Weinstube Torbäck in Volkach.

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