SEGNITZ

Die Last mit der glatten Wäsche

Die gute alte Zeit! War sie wirklich so gut? Das Museum Segeum in Segnitz zeigt in einer Sonderausstellung ab Sonntag, 17. Mai, einen Teilaspekt, der heute zwar romantisch wirken mag, in Wirklichkeit aber eine eigentlich einfache Haushaltstätigkeit zu harter körperlicher Arbeit machte: Das Mangeln von Wäsche.
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Hand angelegt: Ausstellungsmacher Norbert Bischoff führt es vor, Besucher der Ausstellung im Segnitzer Museum können das Kaltmangeln auch selbst ausprobieren.

Die gute alte Zeit! War sie wirklich so gut? Das Museum Segeum in Segnitz zeigt in einer Sonderausstellung ab Sonntag, 17. Mai, einen Teilaspekt, der heute zwar romantisch wirken mag, in Wirklichkeit aber eine eigentlich einfache Haushaltstätigkeit zu harter körperlicher Arbeit machte: Das Mangeln von Wäsche.

Es sind Mangelbretter, denen sich das Segnitzer Museum in seiner neuesten Ausstellung widmet. Das Mangeln von Wäsche war quasi der Abschluss des Waschvorgangs für größere Baumwoll- und Leinenstücke, etwa Bett- oder Tischwäsche. Gemangelt war die Wäsche schön glatt und konnte in den Schrank oder die Truhe gelegt werden. Doch was für ein Aufwand: Nach dem Waschen, Kochen, Trocknen und Bleichen der Wäsche, musste sie kalt geglättet und in die richtige Form gebracht werden.

Dazu nötig waren die Mangelrollen und die Mangelbretter. Die meist großflächigen und schweren Baumwoll- oder Leinentücher wurden dabei zunächst auf einem Tisch ausgelegt, mit dem Mangelbrett glatt gestrichen und auf die gewünschte Breite zusammengefaltet. Diese Wäschebahn wickelte man nun schrittweise auf die Mangelrolle, ein circa 70 Zentimeter langes Rundholz, zu einem Ballen auf. Dabei wurde das Tuch Wicklung für Wicklung mit Druck und Vorwärtsbewegungen über die gesamte Ballenbreite stramm und glatt übereinander gerollt. Wenn die gesamte Wäschebahn aufgerollt war, zog man das Rundholz heraus und gab dem Ballen durch kräftige Schläge mit dem Mangelbrett eine stapelbare Form.

Aufwändige Arbeit

Mangelbretter und -rollen durften also in keinem Haushalt fehlen. Auch wenn kunstvoll geschnitzte und bemalte Mangelbretter als Hochzeitsgeschenk oder als Geschenk vom Bräutigam an seine Braut beliebt waren: Das Mangeln selbst gestaltete sich für die Hausfrauen einst als aufwändige und kräftezehrende Arbeit.

Die Ausstellung zeigt rund 40 Mangelbretter mit dazugehörigen Rundhölzern. Manche Exemplare sind als einfache Haushaltsgeräte gearbeitet, andere sind kunstvoll geschnitzt oder bemalt und mit Initialen und Jahresangaben versehen. Prunkstücke der Sammlung sind reich geschnitzte Mangelbretter aus Skandinavien mit pferdeförmigen Griffen sowie prächtig verzierte fränkische Stücke, die am Ende des 18. Jahrhunderts wohl im herrschaftlichen Milieu zum Glätten der Wäsche verwendet wurden.

Die Ausstellung zeigt eine Auswahl an Mangelbrettern aus der Sammlung von Rolf Franke aus Dettelbach. Wer das Mangeln einmal ausprobieren möchte, für den bietet die Ausstellung Gelegenheit, auch einmal selbst Hand anzulegen.

Geöffnet ist die Ausstellung ab dem 17. Mai bis zum 21. Juni jeweils sonntags von 14 bis 17 Uhr.

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