Es ist ein Dilemma: Die einen wollen, dass es ihren Schutzbefohlenen gut geht und dass sie rechtzeitig auf ein sauberes Klo kommen. Die anderen sorgen sich um das Image der Rathaushalle als Ausstellungsfläche. "Die Halle ist doch mittlerweile nur noch ein öffentliches Klo mit Ausstellung", schimpft Bürgermeister Klaus Christof. Am Sonntag ist er mit einem der Kitzinger Gästeführer, Dieter Märkert, deswegen aneinander geraten.
Mehr als 100 Hotelschiffe landen in diesem Jahr in Kitzingen. An Bord: Betuchte Gäste aus aller Welt, in der Regel aus Übersee, meistens in der Altersklasse 60 aufwärts. Dieter Märkert hat die englisch-sprachigen Touren übernommen. 66 Mal war er in diesem Jahr schon im Einsatz, führte die Gäste meistens vom Mainkai Richtung Synagoge, Luitpoldbad und Falterturm wieder zurück in Richtung Fußgängerzone und Rathaus. "Alles hat sich positiv entwickelt", sagt Märkert, der Anfang der 1970er Jahre in den USA weilte und sein Englisch perfektionierte. Die Kitzinger Gästeführer werden dank ihres Engagements von den Hotelschiffbe-treibern gelobt, die Rückmeldungen der Gäste seien auch durchweg positiv, bestätigt Tourismusleiter Walter Vierrether. Ein Problem haben Märkert und seine Kollegen allerdings, seit das erste Hotelschiff im April 2011 anlegte: Wohin, wenn die Gäste einmal schnell aufs Klo müssen?

Anordnung vom Hauptamt

Die öffentlichen WC-Anlagen am Rosengarten und in der Schrannenstraße sind zwar im Vorfeld der Kleinen Landesgartenschau 2011 hergerichtet worden, sind aber trotzdem nicht immer in einem vorzeigbaren Zustand, wie es Märkert formuliert. Vor allem an regnerischen und kühlen Tagen sind die älteren Gäste außerdem froh, wenn sie sich einmal aufwärmen und einen Zwischenstopp im Trockenen einlegen können. "Die Ausstellungen in der Rathaushalle sind da natürlich Gold wert", sagt Märkert. Die meisten Gäste aus Übersee würden sich gar nicht hinein getrauen, an diesem Sonntagmorgen hatten sie wohl ein besonders mulmiges Gefühl.
Bürgermeister und Künstler Klaus Christof, der die aktuelle Ausstellung "Von Rittern und Bären" konzipiert hat, wollte nicht schon wieder eine Gruppe Touristen auf die Toilette marschieren lassen. "Seit zwei Jahren diskutieren wir, ob dieser Zustand so weiter gehen kann", sagte er gestern auf Nachfrage. "Die Frage ist doch, ob die Kombination öffentliches Klo und Ausstellung mit gehobenem Niveau miteinander vereinbar ist." Für Christof ist die Antwort klar: Wenn jede Gruppe in die Rathaushalle kommt, um dort aufs Klo zu gehen, dann ist das dem Image einer Ausstellung nicht gerade dienlich. "Mittlerweile hat sich das ja schon herumgesprochen", ärgert sich Christof. "Viele Leute kommen ja nur noch in die Rathaushalle, um dort aufs Klo zu gehen." Wenn ein Pulk an Besuchern lärmend in Richtung Toiletten im Kellergeschoss zieht, dann sei das für die übrigen Ausstellungsbesucher sehr störend.
Dieter Märkert hatte schon im letzten Jahr des öfteren Dispute mit Christof, von dem er sich eigentlich eine Unterstützung in Sachen Tourismus wünschen würde. "Ein Bürgermeister, der die Gäste nicht zum Pieseln in die Rathaushalle lässt, schadet dem Image der Stadt", meint er.
Gruppen von Menschen, die die Rathaushalle nur noch zum Austreten betreten, schaden dem Image der Ausstellungen, meint Christof. Ein Dilemma. Ein Ausweg ist wohl in der Anordnung enthalten, die in der letzten Woche vom Hauptamt der Stadt an die Tourist-Information ging. Die Gästeführer sollen demnach angewiesen werden, ihre Gruppen nicht in der Rathaushalle auf die Toilette zu schicken.