HANDTHAL

Die Buchenwurzel schwebt ein

Ein elementares Teil der künftigen Ausstattung im Steigerwald-Zentrum nähert sich aus der Luft. Auf 38 Meter Höhe hat der Kranführer seinen Spezialkran ausgefahren. Am starken Arm des Krans hängt die blitzblank polierte Wurzel einer Buche nebst dem unteren Teil des Stammes. Ein halbes Dutzend Mitarbeiter des Zentrums und der Kasseler Firma Brantsch versuchen, den rund 800 Kilo schweren Stamm in die vorgesehenen Halterungen zu bugsieren.
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Die Wurzel schwebt ein: Über einen 38 Meter hoch ausgefahrenen Spezialkran kommen die Wurzel und der untere Stammteil einer Buche aus dem Gemeinsamen Bürgerwald Gerolzhofen-Dingolshausen am Steigerwald-Zentrum bei Handthal an. Foto: Foto: Constanze Haissig
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Ein elementares Teil der künftigen Ausstattung im Steigerwald-Zentrum nähert sich aus der Luft. Auf 38 Meter Höhe hat der Kranführer seinen Spezialkran ausgefahren. Am starken Arm des Krans hängt die blitzblank polierte Wurzel einer Buche nebst dem unteren Teil des Stammes. Ein halbes Dutzend Mitarbeiter des Zentrums und der Kasseler Firma Brantsch versuchen, den rund 800 Kilo schweren Stamm in die vorgesehenen Halterungen zu bugsieren.

Ursache für den relativ hohen Aufwand beim Antransport sind drei alte Zwetschgenbäume vor dem Zentrum, die unbedingt erhalten werden sollten. Deshalb musste der Kran die Wurzel über einen etwa zehn Meter hohen Obstbaum hieven.

Bizarres Geflecht

Die Buchenwurzel ist der erste Teil des so genannten „Liegenden Baums“, der die Besucher vom Wald in das Haus und in das Thema Wald einführen soll. Die Wurzel mit dem bizarren Geflecht bleibt im Außenbereich am Zugang zum neuen Gebäude. Jenseits der Fensterfront kommen dann weitere Segmente der Buche bis zur Krone dazu. Der „Liegende Baum“ wird das Herzstück im Foyer des Zentrums sein.

Die Buche mit einem etwa 50 Zentimeter starken Stamm kommt aus dem Gemeinsamen Bürgerwald Gerolzhofen-Dingolshausen. Es handelt sich um einen einst vitalen Baum, der auf die etwas andere Art gefällt wurde. Ein Bagger grub auf der einen Seite ein Loch, in das er den Baum dann zog. Dadurch blieb die Wurzel erhalten.

„Leider haben wir im Moment keinen passenden Baum im Wald, der schon durch Windwurf am Boden lag“, begründet Andreas Leyrer, der Forstliche Leiter am Zentrum, dieses Vorgehen. So einfach ist eine Buchenwurzel auch nicht aus dem Boden zu holen.

Denn sie ist eine Mischform der Flachwurzel wie bei der Fichte und der Pfahlwurzel wie bei der Eiche. Als die Wurzel dann aus dem Boden war, strahlten sie Mitarbeiter des Zentrums mit einem Hochdruckreiniger ab. Belassen wurden die Sandsteinbrocken, an denen sich manche Wurzelteile festgekrallt hatten.

Nachdem das Ausstellungsstück vor Ort verankert ist, wird es noch mit einem Imprägniermittel eingerieben, das es einigermaßen wetterfest machen soll. Trotzdem wird das Holz im Freien nicht ewig halten. Aber das soll auch so sein. Die Wurzel soll auch den Weg vom lebenden Baum zum Totholz als Teil des Waldes symbolisieren, der zum Beispiel im Forstbetrieb Ebrach oder im Gemeinsamen Bürgerwald immer wichtiger wird und die Artenvielfalt fördern soll.

Obwohl sich die Fensterfront zwischen Wurzel und die nachfolgenden Baumsegmente schiebt, soll die optische Achse eines liegenden Baums bleiben, erklärt Andreas Leyrer. In den Segmenten im Haus sind eingebaute Monitore geplant, über die sich der Besucher interaktiv ans Thema Steigerwald buchstäblich herantasten kann.

Erklärt werden dabei verschiedene Formen des Waldes wie Mittelwald oder Hochwald, Fauna und Flora oder die Jahreszeiten im Wald, aber auch die Region. Diese Konzeption für das Modul „Liegender Baum“ hat die Fachagentur „impuls design“ aus Erlangen entwickelt. Gefördert wird der „Liegende Baum“, der acht Stationen umfasst, von der Bayerischen Forstverwaltung und dem europäischen Regionalförderprogramm Leader. Was auf Monitoren und interaktiven Elementen zwischen den Baumscheiben zu finden ist, soll die Dauerausstellung vertiefen.

Im Zentrum steigt nun der Druck auf die Mitarbeiter langsam, aber kontinuierlich. Denn am 12. September soll offizielle Eröffnung im Beisein von Helmut Brunner, Bayerischer Staatsminister für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten, sein. Bis dahin wird auch der interaktive Spielplatz fertig sein, den die Mitarbeiter in Eigeninitiative entwickeln und bauen. Einige der Geräte stehen schon, bei anderen sind erst die Bodenlöcher zu sehen.

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