Kitzingen

Die Belohnungen in der Märchenwelt

Um "Die zauberhafte Welt der Märchen, Sagen und Legenden" dreht sich alles bei einem Vortrag von Alexandra Spitzbarth in der Alten Synagoge in Kitzingen.
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Märchen faszinieren uns seit jeher - aber warum ist das so? Ein Vortrag in der Alten Synagoge in Kitzingen liefert die Antworten.

Alexandra Spitzbarth ist Fachärztin für Allgemeinmedizin mit den Zusatzbezeichnungen Notfallmedizin, Homöopathie und Naturheilverfahren. Sie leitet zudem eine Ambulanz für chronisch seltene Erkrankungen und ist als Referentin tätig. Die 50-Jährige referiert am Donnerstag, 14. Februar, ab  19.30 Uhr im Auftrag der Volkshochschule in der Alte Synagoge in Kitzingen über "Die zauberhafte Welt der Märchen, Sagen und Legenden" (Eintritt vier Euro).

Frage: Warum faszinieren uns Märchen?

Alexandra Spitzbarth: Märchen haben sehr viele verschiedene Ebenen. Sie erzählen von wundersamen Begebenheiten, haben phantastische Elemente wie Hexen, Zauberer, Riesen und magische Bohnenranken. Die Märchenwelt ist eine andere Welt, in der Wunder möglich sind. Märchen erfüllen oft den unbewussten Wunsch nach Gerechtigkeit, denn das Gute wird belohnt.

Woher kommen Märchen eigentlich?

Spitzbarth: Die Frage lässt sich wahrscheinlich nie endgültig beantworten. Man findet Märchen überall auf der Welt. Den Märchen liegt in der Regel eine bestimmte Handlungsstruktur zu Grunde. Diese findet man teilweise schon in Erzählungen der Antike. Das Bedürfnis der Menschen nach Neuigkeiten, spannenden Begebenheiten, nach Klatsch und Tratsch wird es wahrscheinlich schon immer gegeben haben.

Warum sind Märchen oft grausam?

Spitzbarth: Märchen spiegeln oft Zeitgeschehen wider. Was uns heute als grausam erscheint, war zu bestimmten Zeiten Normalität. Ein Henker, der Menschen öffentlich foltert, angebliche Hexen, die auf dem Scheiterhaufen verbrannt werden, Menschen die gehängt werden – heute unvorstellbar. Schaut man sich die Märchen jedoch genau an, dann erkennt man, dass in der Regel das Böse bestraft wird, und zwar extrem hart.

Sind Märchen nur etwas für Kinder?

Spitzbarth: Absolut nicht. Ursprünglich waren Märchen, oder auch Sagen und Legenden, eher für die Erwachsenen gedacht.

Ihr Lieblingsmärchen?

Spitzbarth: Als Kind liebte ich den Froschkönig, aber nicht weil am Ende die Prinzessin einen Prinz bekam. In der Version der Gebrüder Grimm wird der Frosch nämlich nicht geküsst, sondern wutentbrannt von der Prinzessin an die Wand geklatscht. Ich fand es sehr ungerecht, dass der Frosch leidet.

Seit wann beschäftigen Sie sich mit Märchen?

Spitzbarth: Als ich noch ganz klein war, musste mir meine Mutter immer Märchen vorlesen. Immer wieder. Sehr früh habe ich dann Märchen erfunden und mir selbst erzählt. Als ich dann lesen konnte, war kein Buch mehr vor mir sicher. Später, während des Medizinstudiums und dann als Ärztin habe ich in speziellen Situationen meinen Patienten Märchen erzählt, und durfte feststellen, dass sie einen äußerst heilsamen Effekt haben. Seither gehören Märchen und Geschichten zum Inhalt meines Arztkoffers.

Weshalb wurden Märchen Ihr Thema?

Spitzbarth: Durch Zufall lernte ich einen der bekanntesten Therapeuten für  therapeutisches Erzählen kennen. Ich erzählte ihm, welche Erfahrungen und Erfolge ich mit meiner “Märchenstunde“ in der Medizin hatte. Er machte mich dann auf diese Therapierichtung aufmerksam. Das ist nun über zehn Jahre her. Ich schreibe Märchen und Geschichten selbst. Ein Kinderbuch mit einem Mut–mach–Märchen liegt in der Schreibtischschublade und hofft auf einen netten Verleger.

Wie viele Märchen gibt es?

Spitzbarth: Das klingt wie eine Rätselfrage aus einem Märchen. Der Protagonist würde sie wie folgt beantworten: Zähle alle Berge, alle Wälder, alle Flüsse, alle Seen und alle Meere. Dann weißt du die Anzahl der Märchen.

In welcher Zeit spielen Märchen überwiegend?

Spitzbarth: Die Frage ist schwierig zu beantworten. Edle Ritter und entführte Prinzessinnen gehören einer längst vergessenen Zeit an. Elfen dagegen soll es auch heute noch geben.  Lassen wir doch einfach die Märchen selbst diese Frage beantworten: Es war einmal...

Was erwartet die Besucher Ihres Vortrages in Kitzingen?

Spitzbarth: Eine Reise in die fabelhafte Welt der Märchen, Sagen und Legenden. All die Märchen, Sagen und Legenden haben einen wahren Kern, auch wenn vieles erfunden ist oder auf Phantasie beruht. Es ist spannend diesen Kern zu erkunden und sich mit ihm zu beschäftigen. Selbstverständlich werden Märchen und Geschichten erzählt.



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