KIRCHSCHÖNBACH

„Die Aufregung war schon groß“

108 Königinnen und Könige aus den Bistümern hat Bundeskanzlerin Angela Merkel am Montag im Kanzleramt in Berlin empfangen. Mit dabei: Eine Gruppe aus Kirchschönbach.
Artikel drucken Artikel einbetten
Die Sternsinger Lars (12), Christoph (14), Katharina (16) und Annika (14) (von links) sowie ihre Begleiterin Maria Barthelme-Volk aus der Pfarrei Sankt Jakobus der Ältere Kirchschönbach vertraten das Bistum Würzburg beim Sternsingerempfang von Bundeskanzlerin Angela Merkel zur 60. Aktion Dreikönigssingen. Zum Gruppenfoto mit der Kanzlerin stellten sie sich gemeinsam mit Prälat Klaus Krämer, Präsident des Kindermissionswerks „Die Sternsinger“ und Pfarrer Dirk Bingener, Bundespräses des Bunds der Deutschen Katholischen Jugend (BDKJ), im Bundeskanzleramt auf. Foto: Foto: Ralf Adloff/Kindermissionswerk

108 Königinnen und Könige aus 27 deutschen (Erz-)Bistümern hat Bundeskanzlerin Angela Merkel am Montagnachmittag, 8. Januar, im Kanzleramt in Berlin empfangen. Katharina Volk (16), Annika Volk (14), Christoph Dusel (14) und Lars Kunder (12) aus der Pfarrei Sankt Jakobus der Ältere Kirchschönbach im Dekanat Kitzingen vertraten das Bistum Würzburg (wir berichteten).

Wie es war, berichteten die Kirchschönbacher nach ihrer Rückkehr. „Als wir Frau Merkel die Hand geschüttelt haben, war die Aufregung schon groß“, sagt Katharina. Die Sternsinger aus dem Bistum Würzburg seien die letzte Gruppe gewesen, die vorgerufen wurde. „Wir wurden bistumsweise nach vorne gerufen. Frau Merkel hat uns die Hände geschüttelt, und dann wurde das Bild gemacht. Sie war freundlich und hat sich Zeit für uns genommen.“

Merkel habe, so heißt es in dem Bericht der Pressestelle des Ordinariat Würzburg (POW) weiter, alle Kinder einzeln begrüßt und zu jedem Hallo gesagt. Die Rede der Kanzlerin gefiel den Sternsingern aus Kirchschönbach gut. Sie habe das Thema Kinderarbeit „auf den Punkt getroffen“, sagt Annika. Sie habe auch die Aktion Dreikönigssingen und den Einsatz der Sternsinger gelobt, ergänzen Katharina und Lars.

Frankenwein dabei

Die Sternsinger hatten für die Kanzlerin als Geschenk Frankenwein mitgebracht. „Ich freue mich natürlich immer, wenn ich königlichen Besuch bekomme“, sagte die Bundeskanzlerin zu den Kindern und Jugendlichen. Dass die Sternsinger bereits zum 60. Mal in das Bundeskanzleramt kämen, sei einen ganz besonderen Gruß wert. „Was ihr mitbringt, ist Gottes Segen. Dafür möchte ich euch von ganzem Herzen danken.“

Von Schule und Freizeit könnten viele Kinder nur träumen, weil sie jeden Tag arbeiten müssten, fuhr Merkel fort. „Leider hat sich, obwohl wir in vielen Teilen der Entwicklungshilfe auch Erfolge haben, die Zahl der arbeitenden Kinder nicht verändert. Und ich weiß, dass diese Botschaft sich nicht nur allgemein irgendwohin richtet, sondern an uns als Politikerinnen und Politiker. Es ist wichtig, dass ihr heute noch mal den Finger in die Wunde legt.“

Im vergangenen Jahr habe die Bundesregierung einen Aktionsplan beschlossen, in dem sie Kinder- und Jugendrechte in ihrer Entwicklungszusammenarbeit in den Mittelpunkt stelle.

„Nicht nur an uns denken“

„Wenn wir darum ringen, ob wir eine neue Regierung bilden können, dann stehen Kinderrechte auch in Deutschland auf der Tagesordnung. Aber ein Blick hinaus in die Welt zeigt, dass wir nicht nur an uns denken dürfen.“

„Kinderarbeit ist eines der großen Probleme unserer Zeit“, sagte Prälat Klaus Krämer, Präsident des Kindermissionswerks „Die Sternsinger“. Jedes zehnte Kind müsse arbeiten, viele davon unter ausbeuterischen, gesundheitsgefährdenden Bedingungen. „Sternsinger setzen sich ein für Kinder in Not und sie machen sich stark für die Rechte von Kindern in aller Welt. Gerade in diesen Tagen, in denen über die Zukunft unseres Landes verhandelt wird, ist das ein wichtiges Zeichen“, betonte er.

Er bat Merkel, dies mit in die Gespräche zu nehmen. Die 60. Aktion Dreikönigssingen steht unter dem Leitwort „Segen bringen, Segen sein. Gemeinsam gegen Kinderarbeit – in Indien und weltweit!“.

Mit einem szenischen Spiel machten Marlena (10), Julian (12) und Matthias (10) aus der Pfarrei Salvator in Berlin-Lichtenrade deutlich, warum die Sternsinger in diesem Jahr ihre Stimme gegen Kinderarbeit erheben.

Arbeit im Steinbruch

„Wenn ich nicht hier geboren wäre, sondern zum Beispiel in Indien, müsste ich in einem Steinbruch arbeiten oder in einer Streichholzfabrik. Oder ich müsste Teppiche knüpfen“, sagte einer der jungen Darsteller. „Vielleicht wären dann meine Eltern nicht mehr am Leben, denn in armen Familien werden die Menschen meist nur 40 Jahre alt.“

Die Spende der Bundeskanzlerin nahmen Sternsinger aus dem Erzbistum Köln entgegen. Mara (13), Mia (10), Peter (10) und Louisa (13) aus der Gemeinde Sankt Martinus in Neuss-Holzheim trugen der Kanzlerin den Segensspruch vor und schrieben den Segen „20*C+M+B+18“ für das neue Jahr im Kanzleramt an. Mit ihrer Spende für das Dreikönigssingen unterstützt die Bundeskanzlerin Bildungsprojekte für arbeitende Kinder im südindischen Bundesstaat Tamil Nadu.

Tradition seit 1984

Seit 1984 bringen die Sternsinger jedes Jahr ihren Segen „Christus mansionem benedicat – Christus segne dieses Haus“ ins Bundeskanzleramt.

Für Bundeskanzlerin Angela Merkel war es insgesamt der 13. Besuch. Träger der Aktion Dreikönigssingen sind das Kindermissionswerk „Die Sternsinger“ und der Bund der Deutschen Katholischen Jugend (BDKJ). Seit ihrem Start 1959 hat sich die Aktion zur weltweit größten Solidaritätsaktion von Kindern für Kinder entwickelt.

Über eine Milliarde Euro wurden seither gesammelt, mehr als 71 700 Projekte und Hilfsprogramme für Kinder in Afrika, Lateinamerika, Asien, Ozeanien und Osteuropa unterstützt. Bei der 59. Aktion zum Jahresbeginn 2017 hatten die Mädchen und Jungen aus 10 328 Pfarrgemeinden, Schulen und Kindergärten rund 46,8 Millionen Euro gesammelt. Mit den Mitteln fördert die Aktion Dreikönigssingen weltweit Projekte.

„Es ging schon recht schnell.“
Annika, Sternsingerin

Kommentare (1)

Für diesen Artikel wurde die Kommentarfunktion deaktiviert.