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Die Anziehungskraft ist groß

Es ist eine Meldung, die fast schon zur Routine geworden ist in den Polizeiberichten der Region: „Wieder haben Kupferdiebe zugeschlagen.“ Allein in dieser Woche gab es zwei Fälle in Dettelbach: In der Nacht zum Dienstag montierten Unbekannte ein Fallrohr an einem Gebäude ab, in der Nacht zum Mittwoch wurde Buntmetall vom Gelände einer Altmetallfirma gestohlen. Der Gesamtschaden lag bei mehr als 21 000 Euro.
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Sie kommen meist nachts oder am Wochenende: Seit Monaten bauen Kupferdiebe Fallrohre und Regenrinnen an Gebäuden im ganzen Landkreis ab. Besonders gefährdet sind abgelegene Objekte. Foto: Foto: Daniela Röllinger
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Es ist eine Meldung, die fast schon zur Routine geworden ist in den Polizeiberichten der Region: „Wieder haben Kupferdiebe zugeschlagen.“ Allein in dieser Woche gab es zwei Fälle in Dettelbach: In der Nacht zum Dienstag montierten Unbekannte ein Fallrohr an einem Gebäude ab, in der Nacht zum Mittwoch wurde Buntmetall vom Gelände einer Altmetallfirma gestohlen. Der Gesamtschaden lag bei mehr als 21 000 Euro.

„Abgelegene Objekte sind besonders gefährdet.“
Joachim Schinzel, stellv. Leiter PI Kitzingen

Dass Kupfer ein beliebtes Diebesgut ist, musste Fred Seßler gleich zweimal innerhalb eines halben Jahres erfahren. Zwar hat es nicht sein eigenes Haus getroffen, aber seinen Verein. Seßler ist Vorsitzender des Sportclubs Brünnau. Der bekam schon im August vergangenen Jahres ungebetenen Besuch. An einem Wochenende wurden sechs Fallrohre, zwei Ortgang-Bleche, ein Wandanschlussblech und ein Fensterbrett vom Sportheim entwendet. Auch das Kupfer, mit dem ein Teil des Flachdaches gedeckt ist, versuchten die Unbekannten abzumontieren. Die Polizei vermutet, dass die Täter gestört wurden. Trotzdem war der Schaden beträchtlich: Der Wert der Beute wurde auf etwa 2000 Euro beziffert, dazu kam Sachschaden im Wert von mehreren tausend Euro.

Dachrinne abmontiert

Am letzten Januarwochenende suchten nun erneut Kupferdiebe die Sportanlage heim. Die unbekannten Täter bauten von einem Geräteschuppen in der Nähe des Sportheims eine sieben Meter lange Kupferdachrinne ab. Diesmal war der Beuteschaden zwar zum Glück deutlich geringer – die Polizei bezifferte ihn auf etwa 250 Euro. Doch wie im ersten Fall wird der Verein wohl auf dem finanziellen Schaden sitzen bleiben.

Ein Sportheim wie das in Brünnau ist ein typisches Ziel für Kupferdiebe. Es liegt etwas abseits vom Ort, ist schlecht einsehbar. „Solche Objekte sind besonders gefährdet“, weiß der stellvertretende Dienststellenleiter der Polizeiinspektion Kitzingen, Joachim Schinzel, aus Erfahrung – und die in den vergangenen Wochen eingegangenen Anzeigen aus der ganzen Region bestätigen das. Diebe gingen unter anderem die Kläranlage in Kleinlangheim und das Brunnenhäuschen der Fernwasserversorgung Franken in Sulzfeld an.

„Nicht mal vor Kapellen wird Halt gemacht“, sagt Schinzel. Zwischen dem 22. und dem 25. Januar hatten Unbekannte an einer Kapelle in der Nähe von Langenberg bei Geiselwind die Kupferdachrinne sowie die Ablaufrohre abmontiert und mitgenommen. In allen genannten Fällen betrug der Schaden jeweils mehrere hundert Euro.

Um welche Art von Tätern es sich bei diesen Diebstählen handelt, ist schwer einzuschätzen. Meist werden einzelne Fallrohre entwendet, und das geht relativ einfach. Einzelne Rohre oder Rinnen sind zudem relativ problemlos abzutransportieren. Zeugen gibt es meist nicht, trotz mehrfacher Aufrufe gingen bei der Kitzinger Polizei keine Hinweise zu den Fällen im Januar ein. Doch die sind wichtig, um die Diebstähle aufzuklären. „Wir sind auf Hinweise angewiesen“, sagt Joachim Schinzel, denn die Spurenlage ist meist sehr dürftig.

Ziel der Diebe sind aber nicht nur abgelegene Gebäude, sondern immer wieder auch Altmetallhändler, die verschiedene Sorten von Metallen ankaufen. So wurde Anfang Dezember in Kitzingen bei einer Recyclingfirma eine Tonne Kupferschrott gestohlen. Die Diebe transportierten das Kupfer im Wert von 5000 Euro mit einem Kleintransporter ab, der unter der Südbrücke abgestellt war.

In Altmetallfirma eingedrungen

Reichlich Beute machten Diebe in dieser Woche in Dettelbach. Sie drangen in der Nacht auf Mittwoch auf das Firmengelände einer Altmetallfirma im Gewerbegebiet ein und beluden mit Hilfe eines dort abgestellten Gabelstaplers ihre Fahrzeuge vorwiegend mit Kupferschrott, Blei und diversem Buntmetall. Außerdem ließen sie einen kompletten Reifensatz für einen Mercedes Sprinter mitgehen, was vom Wert her fast nebensächlich erscheint. Alleine für die sechs Tonnen Kupfer, die gestohlen wurden, kommt bei einem Kupferpreis von derzeit etwa 5000 Euro pro Tonne ein saftiger Betrag zusammen.

So dreist wie in Dettelbach waren auch die Diebe, die im November in Ochsenfurt einen Metallhändler heimsuchten. Von einem Firmengelände wurde vier Tonnen Metall gestohlen: drei Tonnen Kupfer und eine Tonne Messing. In diesem Fall gab es zumindest einen Zeugen, der ein verdächtiges Fahrzeug beschreiben konnte. Er hatte gesehen, wie ein Fahrzeug vom Firmengelände fuhr und kurz danach vier Männer vom Gelände zum Kastenwagen rannten und einstiegen. Beobachtungen, die zur Aussage Schinzels passen: Bei den größeren Diebstählen bei Recyclingfirmen sind wohl keine Einzeltäter, sondern „gezielte Gruppierungen“ am Werk.

In großen Mengen lässt sich Kupfer beim nächsten Altmetallhändler nicht einfach zu Geld machen. Wer tonnenweise Metall liefert, ohne einen plausiblen Grund dafür angeben zu können, fällt auf, denn der Händler muss Buch darüber führen, wer wie viel abgibt.

„Wir haben die gestohlenen Rohre durch Plastik ersetzt.“
Fred Seßler, Vorsitzender SC Brünnau

Um sich vor Einbruchdiebstählen zu schützen, lassen die Brünnauer schon lange keine Wertgegenstände mehr in ihrem Sportheim. Doch wie sieht es mit den Dieben aus, die nicht im Haus, sondern am Haus klauen? Zum einen halten die Brünnauer die Augen offen. So gut wie täglich schaut jemand nach dem Rechten, ein Bürger macht gezielt seinen Spaziergang zum Vereinsheim, außerdem ist sowieso mehrmals die Woche Trainings- und Spielbetrieb und beispielsweise zur Faschingszeit gibt es dort zusätzliche Veranstaltungen.

Die entscheidende Rolle spielt natürlich das Material an sich. Der SC Brünnau hat auf die Diebstähle reagiert: „Wir haben die gestohlenen Rohre durch Plastik ersetzt“, so Fred Seßler. Damit ist der Anreiz für Diebe dahin. Wer seine intakten Rinnen und Rohre nicht auswechseln möchte, kann sie zumindest stärker sichern. Statt der üblichen zwei Halterungen lieber mehrere anbringen, rät Joachim Schinzel, oder die Halterungen anschweißen. So wird der Aufwand für Diebe höher – und damit das Risiko, entdeckt zu werden.

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