Im Alter von 20 Jahren hatte Monika Lux oft einen aufgeblähten Bauch nach dem Essen. Ihr kam das bekannt vor, hatte ihre Mutter doch auch diese Beschwerden. Was sie damals nicht wusste: Sie hat Zöliakie, eine Autoimmunkrankheit, gegen die es kein Medikament gibt. Als Lux Mitte 30 war, ging es ihr richtig mies. Sie hatte akuten Eisenmangel, eine auffällig graue Hautfarbe, und alle vier Wochen warf sie ein Schnupfen aus der Bahn.
Die in Obernbreit wohnende Frau zeigt ein Foto aus den schlimmsten Tagen ihrer Krankheit. Die Haut ihres Gesichtes ist rotfleckig. Der Ausschlag mit Schorf und Rötung zieht sich bis ins Dekolleté. Ihre Augenlider sind rot angeschwollen. Fotografiert wurde das Bild im Jahr 2000 in einer Klinik in Würzburg. Lux wurde auf den Verdacht einer Hautkrankheit hin behandelt. Doch die Symptome auf der Haut waren nur für kurze Zeit verschwunden.
Es folgte eine Odyssee von zahlreichen Besuchen bei Hautärzten, Heilpraktikern und Homöopathen - jedoch leider ohne Erfolg.

Erst eine Biopsie führt zur Diagnose.


Im Jahre 2003 suchte Monika Lux einen Internisten auf. Dieser führte eine Dünndarmbiopsie durch. Dabei wurden Gewebeproben entnommen und histologisch untersucht. Ein spezieller Bluttest auf Antikörper bestätigte die Diagnose Zöliakie. 20 Jahre lang hat sich Monika Lux gequält, 20 Jahre lang hat es gedauert, bis sie endlich Bescheid wusste, woher ihre Beschwerden rühren. Die chronische Erkrankung des Dünndarms kann vererbt oder durch eine Immunschwäche ausgelöst werden.

Jeder 400. Deutsche ist laut (DZG) Deutsche Zöliakie Gesellschaft e.V. davon betroffen. Häufige Symptome sind auch Durchfälle, Erbrechen, Übelkeit, Knochenschmerzen, Nervosität, Depression, und Schmelzdefekt an Zähnen.

Zöliakie ist eine chronische Erkrankung des Dünndarms, die auf einer lebenslangen Unverträglichkeit gegenüber dem Klebereiweiß Gluten beruht. Gluten kommt vor allem in den Getreidearten Weizen, Dinkel, Roggen, Gerste und Hafer vor.

Das erste Vierteljahr war für die leidenschaftliche Brotesserin schrecklich. Sie erfuhr, dass nur eine lebenslange, strenge glutenfreie Ernährung frei von Beschwerden hält.

Diese Diät darf nie aufgegeben werden, auch nicht, wenn etwa bei einer Feier jemand sagt: "Nun stell dich doch nicht so an. Das kleine Stückchen Kuchen!" Schon ein Brotkrümel reicht - und die Darmprobleme gehen wieder los.

Monika Lux musste reagieren, nachdem sie die Diagnose bekommen hatte. "Ich habe meinen Haushalt clean gemacht", erzählt sie. Das bedeutet, dass sie Kuchenformen, die sie bisher verwendet und mit Teig auf Weizenmehlbasis gefüllt hatte, entsorgte. In die Küche kamen ein neuer Toaster sowie eine Brotschneidemaschine. Glutenhaltige Backzutaten und Gewürze hat sie verschenkt.

Nach und nach musste Monika Lux die für sie geeigneten Lebensmittel kennen lernen. Die Diät ist aufwändig und verlangt von Familienmitgliedern Mitdenken und Rücksichtnahme.

Beim Frühstück und Abendessen mit ihrem Mann muss sie aufpassen, dass keine Krümel von seinem Mischbrot in der Butter, Marmelade oder Wurst landen und damit in ihrem Magen.

Wenn sie länger aus dem Haus oder zur Arbeit geht, nimmt sie sich etwas Glutenfreies zu essen mit. Wenn sie zum Essen eingeladen ist oder in ein Restaurant geht, muss sie besonders wachsam sein. Mittlerweile gibt es Gastronomie-Betriebe, Metzgereien oder vereinzelt auch Bäckereien, die auf "Zölis", wie sich die Betroffenen nennen, eingestellt sind. Trotz der strengen Diät und des Verzichts betont Monika Lux: "Ich fühle mich nicht ausgegrenzt."
Damit das auch andere Betroffene sagen können, stellt sie sich als Kontaktperson der Selbsthilfegruppe Zöliakie zur Verfügung. Etwa 20 Angehörige aus einem Umkreis von Kitzingen, Ochsenfurt, Würzburg, Karlstadt bis Tauberbischofsheim treffen sich regelmäßig am ersten Dienstag im Monat im Selbsthilfehaus der Stadt Würzburg, in der Scanzonistraße 4. Neubetroffene erhalten Hilfestellung und Tipps für den Haushalt. Rezepte werden ausgetauscht und mitgebrachte Speisen verkostet. Ausflüge werden organisiert, bei denen dann "nach Herzenslust glutenfrei gegessen", wird, erzählt Monika Lux.