Kitzingen

Die Altstadt erhält ein neues Gesicht

Die Innenstadt wird bald völlig anders aussehen. Straßen, Plätze und Kreuzungen werden sich verändern. Das Ziel: möglichst viele Autos raus, mehr Fußgänger und Radler rein.
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Die aktuelle Straßenführung am Königsplatz in Kitzingen (links im Bild) räumt dem Straßenverkehr viel Platz ein. Die Planungsskizze (rechts) sieht eine Einbahnstraßenregelung und einen Platz mit Aufenthaltsqualität vor. Foto: Kaiser + Juritza
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Die Stadt Kitzingen wird schon bald ihr Gesicht verändern. Es könnte ein großer Wurf in der Altstadtentwicklung werden. Den Anlass bietet ein Straßentausch: Die Staatsstraße, die heute noch mitten durch die Innenstadt verläuft und deshalb viel motorisierten Verkehr anzieht, wird wohl bis Jahresende auf die Tangente verlegt. Das Ziel: möglichst viel Auto- und Lastwagenverkehr um die Altstadt herumleiten und dafür mehr Freiraum für Fußgänger, Radler, Gastronomie und Aufenthaltsflächen im Innern gewinnen.

Dieses spannende Projekt steht noch ganz am Anfang. Die Planungsbüros BSV (Aachen) und Kaiser + Juritza + Partner (Würzburg) stellten ihre Voruntersuchungen am Donnerstag in der Stadtratssitzung vor. Dazu waren Diplom-Geografin Angelika Reinartz und Landschaftsarchitektin Franziska Liebig ins Rathaus gekommen. Oberbürgermeister Siegfried Müller stellte klar, dass vor einer endgültigen Konzeption erst noch mit der Geschäftswelt gesprochen werde. Und die Stadtratsfraktionen baten sich ebenfalls noch Diskussionszeit aus. Es ist also noch nichts beschlossen.

Flächendeckend Tempo 30 in der Altstadt

Stadtplaner Torsten Fischer schickte voraus, dass die Stadt mit flächendeckendem Tempo 30 in der Altstadt, neuen Einbahnstraßen und veränderten Kreuzungen die Voraussetzung für eine Umgestaltung schaffen wolle. Dazu hatten sich die externen Planungsbüros zum einen Entwürfe für die künftige Verkehrsführung in der Altstadt überlegt und zum anderen Skizzen für die mögliche Neugestaltung von Straßen und Plätzen erarbeitet.

Bei den Einbahnstraßen favorisieren sie eine Am Stadtgraben, von der Kreuzung mit der Falterstraße bis zur Kreuzung Kapuzinerstraße, und eine weitere in der Alten Poststraße, stadtauswärts, aber nur bis zur Tiefgarage. Das würde zusammen mit Tempo 30 den motorisierten Verkehr in der Altstadt deutlich reduzieren, sind die Planer überzeugt. Zwischen 20 und 75 Prozent weniger Autoverkehr haben sie errechnet – je nach Straßenzug.

Der erste Fokus für die folgende Umgestaltung könnte auf der Kaiserstraße liegen, die vom Königsplatz über den Platz der Partnerstädte bis zum Kreisverkehr am Gustav-Adolf-Platz so etwas wie das neue Zentrum werden soll – mit Flaniermeile und mehr Platz für Außengastronomie. Ziel: mehr Leben in die Stadt bringen, den Verkehr entschleunigen. Schon in den vergangenen Jahren hat dort die Belastung durch Autoverkehr von 5500 Fahrzeugen am Tag auf 3500 abgenommen. Denkbar wären künftig nur noch 1500. Wichtig: Die Innenstadt soll dennoch mit dem Auto erreichbar bleiben. Und auch genügend Parkflächen soll es weiterhin geben.

Königsplatz könnte deutlich größer werden

Zur einer neuen Fläche mit viel Aufenthaltsqualität könnte dann der Königsplatz werden. Die Idee: Auf der stadteinwärts rechten Seite wird der Platz erweitert, so dass die Straßenverbindung dort wegfallen würde. Der Verkehr müsste also künftig ausschließlich auf der stadteinwärts linken Seite des Platzes vorbeifließen. 

Ebenfalls an Attraktivität gewinnen könnte der Platz der Partnerstädte. Die Planer schlagen vor, durch den Bodenbelag eine direkte Verbindung zum Marktplatz zu schaffen. Der Raum dazwischen könnte als mehrfach genutzte Fläche ("shared space") sowohl Fußgängern als auch Radlern und dem Autoverkehr dienen, wäre aber keine reine Straße mehr, so wie sie heute die Verbindung zwischen den Plätzen hart durchschneidet. 

Schließlich könnte künftig auch der Kreisverkehr am Gustav-Adolf-Platz einer einfachen T-Kreuzung weichen. Die Planer haben ausgerechnet, dass es dadurch nicht zu langen Wartezeiten kommen würde, sollte der Innenstadtverkehr deutlich reduziert werden.

In der Verlängerung in Richtung Fischergasse, so die Überlegungen dieser Voruntersuchung, ließe sich durch eine Einengung der Straße ein normaler Gehweg anlegen. Das sei aus Verkehrssicherheitsgründen für die Fußgänger wünschenswert. Diesen ist dort derzeit nur ein enger Streifen vorbehalten.

Spielfläche statt "Asphaltsee"

Am anderen Ende der Kaiserstraße könnte die Kreuzung Krainberg/Würzburger Straße/Untere Bachgasse von einem "Asphaltsee" weitgehend zu einer Spiel- oder Aufenthaltsfläche mutieren.

In der Luitpoldstraße wäre eventuell Raum für einen kleinen Platz vor dem Fastnachtmuseum machbar. Die Kreuzung mit der Falterstraße soll barrierefrei werden. Wenig Veränderung gäbe es nach heutigen Modellen in der Schrannenstraße, allenfalls mehr Parkplätze auf beiden Seiten und eine zusätzliche kleine Baumallee. 

Im nächsten Schritt werden die Stadtratsfraktionen über diesen ersten Entwurf beraten, bevor es in die Bürgerbeteiligung geht. Denkbar ist dann, dass für die Gestaltung der Kaiserstraße ein Wettbewerb ausgeschrieben wird.

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