Volkach

Die Ärmel für die Wahl sind hochgekrempelt

Eine Wahl dauert für den Bürger nur wenige Minuten. Wahlsachbearbeiter haben monatelang mit dem Ereignis zu tun. Christian Schwab aus Volkach erzählt davon.
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Das sind die Utensilien für die Wahlhelfer der Briefwahl. Jedes Wahllokal wird ähnlich ausgestattet. Rechts sind die dazugehörigen Kartons zu sehen.
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Im Rathaus Volkach, 1. Obergeschoss, Zimmer 16, richtet Christian Schwab ein letztes Mal die hochgekrempelten Ärmel. Es ist Endspurt bei der Landtags- und Bezirkstagswahl, und der Wahlsachbearbeiter der VG Volkach kümmert sich um das „operative Geschäft“, denn bei ihm laufen alle Fäden zusammen. Und das neben seiner sonstigen Arbeit im Sachgebiet 11, öffentliche Ordnung und Sicherheit.

Sonntag der Letzte, Montag der Erste

Am Wahlsonntag, nach 16 Stunden Dienst, ist er der Letzte, der das Licht im Rathaus ausmachen und am Montag der Erste, der es wieder einschalten wird. Dabei ist der Wahlsonntag nur der vorletzte Schritt eines langen Prozesses, der mit der Bedarfsmeldung für die Wahlscheine im Dezember begonnen hat. „Damit bereiten sich die Druckereien vor“, sagt Schwab mit Blick auf die gefühlt katalogdicke Checkliste.

Ein halbes Jahr vor der Wahl startet er die Suche nach 150 Wahlhelfern und den Wahllokalen in Volkach, Nordheim und Sommerach. Alle Wahlhelfer werden geschult und die VG-Kollegen mit Arbeit versorgt, auch wegen des hohen Anteils an Briefwählern. „Aktuell sind es mit 2200 exorbitant viele, rund ein Drittel“, sagt Schwab. Das Tagesgeschäft im Sachgebiet 11 läuft daher etwas langsamer, aber es läuft: Organisation von Großveranstaltungen, Bescheide für Feuerwerke, Anliegen von VHS, Musikschule und Stadtbücherei, Straßensperrungen, Feuerwehrbedarfsplan, Feldgeschworene – um nur einige zu nennen. Und: Schwab ist auch zuständig für die Bürgerentscheide, zuletzt den Entscheid über den Bau des Hotels am Main.

In der heißen Phase

„Nach dem Weinfest und einer Woche Urlaub kam die heiße Phase der Landtags- und Bezirkstagswahl“, sagt er. Die Vordrucke für die Briefwahl waren zu beschaffen, die Wahllokale mit Utensilien zu bestücken, das Wählerverzeichnis auf den neuesten Stand zu bringen. Sonntag, 23. September: Die letzte Wahlbenachrichtigung muss beim Wähler angekommen sein. Jetzt kommen die vielen „Kleinigkeiten“: Kartons für die Wahllokale packen, alle Unterlagen bereitstellen, das Erfrischungsgeld von 40 Euro pro Wahlhelfer zählen, die letzten Briefwahlscheine verschicken und so weiter.

Am Wahlsonntag richtet Schwab, zugleich EDV-Sachverständiger der VG, ab 8 Uhr den Sitzungssaal her, als Infozentrale für die Bürger. Sie sehen das Gleiche wie die Besucher der Internetseiten. Um 18 Uhr werden die letzten Briefwahlunterlagen aus dem Briefkasten geholt – dann wird gezählt, gezählt, gezählt. Alle örtlichen Wahlleiter melden telefonisch das Schnellergebnis, das Schwab sofort im Internet einpflegt. Auch bei Problemen aller Art klingelt sein Telefon oder meldet der Computer den Eingang einer E-Mail.

Das große Aufräumen

Am Montag vermeldet Schwab die Landtagswahl, am Dienstag die Bezirkstagswahl. „Danach beginnt das große Aufräumen“, sagt Schwab. Auch wenn die Briefwahl mittlerweile unkompliziert ist, so ergibt sich doch noch die ein oder andere Unwägbarkeit. Bei der Bundestagswahl 2017 hatte sich eine Frau wegen ihres Auslandspraktikums die Unterlagen nach Madagaskar schicken lassen. Der „Briefwahlschein Nummer 1“ war vier Wochen unterwegs, und alle zitterten, ob er es rechtzeitig schaffen würde. Am Wahlsonntag stand um 10.30 Uhr der Briefträger in Volkach auf der Matte: Sonderzustellung aus Madagaskar. „Aktuell ist noch ein Briefwahlschein aus Peru zu uns unterwegs“, sagt Schwab, „wir hoffen alle, dass auch er rechtzeitig eintreffen wird.“

Die nächsten Wahlen

Wie immer heißt es: „Nach der Wahl ist vor der Wahl“: Europawahl im Mai 2019, Kommunalwahlen im Frühjahr 2020, Bundestagswahl im Jahr 2021.



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