Dettelbach

Dettelbacher Baggersee: "Nacktbader belästigen niemanden"

Wie groß ist das "Nacktbader-Problem" am Dettelbacher Baggersee wirklich? Die Berichterstattung darüber zog einige Leser-Reaktionen nach sich – inklusive Kopfschütteln.
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Schilder an den Zugängen zum Baggersee in Dettelbach weisen darauf hin: Nacktbaden ist inzwischen verboten. Foto: Walter Sauter

Die nackten Tatsachen tauchten Ende April im Dettelbacher Stadtrat auf: Weil es am Baggersee scheinbar gar zu freizügig zuging, zeigten die Räte mit 15:4 Stimmen den Nacktbadern die rote Karte . Über Sex  am Ufer wurde dabei ebenso geklagt wie über Treffen gewisser Szenen, die sich scheinbar in Internet-Foren verabreden. Die Folge: eine "Verordnung über das Tragen von Badekleidung beim öffentlichen Baden im Stadtgebiet" (kurz: BadekleidungsVO). 

Daraufhin wurden Schilder aufgestellt, die darauf hinweisen, dass "öffentliches Baden" in Dettelbach nunmehr in Badekleidung zu erfolgen habe. Ob das Verbot eingehalten wird , wurde in den folgenden Wochen mehrfach durch die Polizei kontrolliert. Ergebnis: Die Zahl der Nacktbader ist offenbar geschrumpft. „Es findet weiterhin Nacktbaden statt, allerdings in reduziertem Umfang“, erklärte Bürgermeisterin Christine Konrad kürzlich auf Anfrage.

Der Bericht darüber, dass die BadekleidungsVO samt Androhung einer Geldbuße die gewünschte Wirkung zeigt, sorgte wiederum für einige Leserreaktionen. Darunter auch einige – sehr ausführliche – Erfahrungsberichte. Tenor: Unverständnis über das behördliche Einschreiten. Die Schreiber sehen das Problem, das die Stadträte sehen, so überhaupt nicht.

Ein Stammgast des Baggersees beispielsweise mailte an die Redaktion, dass er seit Jahren "aufmerksam die Entwicklung dieses Idylls" verfolge und es bisher keine Probleme gegeben habe. Erst seit der Verordnung finde eine "Jagd und Hetze" statt. Statt Ausschau nach Nackten zu halten, solle sich die Polizei lieber um jene kümmern, die ihren Müll am See entsorgen oder zu laut Musik hören. 

Müll als eigentliches Problem

Eine Frau, die aus einem Dettelbacher Ortsteil stammt und ihren Namen nicht in der Zeitung lesen möchte, weist ebenfalls auf den Müll hin: Zwischen Parkplatz samt der beiden Dixie-Klos und dem See sei neben dem Weg "alles gepflastert mit Taschentüchern". Es gebe "laute Musik aus Boom-Boxen", alles sei voller Zigarettenkippen und Kronkorken. Der Geräuschpegel lasse sich "von dem eines Freibades nicht unterscheiden". Bis 2018 habe es das alles kaum gegeben. Die Frau spricht von einer "friedlichen Koexistenz" und davon, dass Nackte eine untergeordnete Rolle gespielt hätten: "Die meisten nackten Mensch stehen nur auf, um rasch zum Schwimmen ins Wasser zu gehen."

Zusammenfassend heißt es: "In neun Sommern habe ich nie sexuelle Aktivitäten dort wahrgenommen." Für die Leserin steht fest: "Die Dettelbacher Kommunalpolitiker haben das Kind mit dem Bade ausgeschüttet." Es sei verpasst worden, den "friedlichen Nacktbadern einen FKK-Bereich" zu geben. Zum anderen habe man angefangen, "den See zu einer Touristenattraktion auszubauen", was zu einem Massenansturm und zum Ende eines Idylls geführt habe. Warnend wird das Beispiel Erlabrunn genannt.

Leben und leben lassen

Was eigentlich an Nacktbaden verwerflich ist? Das fragt sich ein weiterer Leser. Er besucht nach eigenen Angaben seit 30 Jahren das "schöne und natürliche Fleckchen Erde, wo man einfach so nackt in der Sonne liegen" konnte. Der bekennende Nacktbader schreibt: "Wir achten auf die Natur, wir belästigen niemanden, wir sind sorgsam, dass nicht das kleinste Stückchen Müll zurück bleibt, wir sind friedliebende Menschen, die mit dem Motto 'Leben und Leben lassen' gut fahren können." Seit diesem Jahr gebe es "einen Feldzug mit Ordnungs- und Bußgeld".  Für ihn ist dies "übertriebener Wahnsinn". Warum, so die Frage, wurde der große See nicht unterteilt. Ein Bereich für textilfreies Baden wäre möglich gewesen. Es habe hier jedoch nie einen entsprechenden Dialog gegeben. 

In die selbe Kerbe schlägt eine Leserin, die den Dettelbacher Baggersee zwar nicht kennt, sich aber über die Berichterstattung wundert. Sie schreibt:  "Öffentliche sexuelle Handlungen sind bereits nach § 183 a StGB strafbewehrt, wenn dadurch absichtlich oder wissentlich andere Menschen gestört und verärgert werden." Weiter heißt es: "Die BadebekleidungsVO der Stadt Dettelbach und die Begründung dafür suggerieren, dass das schlichte Nacktsein bereits ein öffentliches Ärgernis bei den Stadträten erregt."

Das richtige Signal wäre "eine Zone für Nacktbader" gewesen. Auch dass explizit die Homosexualität als Problem genannt werde, sei nicht hinzunehmen. Abschließend heißt es: "Allein die Vorstellung, dass ich alleine und völlig unbekleidet einem Zweierteam aufmunitionierter Polizisten in Uniform gegenüberstehe und mich rechtfertigen und meine Personalien angeben muss, obwohl ich nur auf einer Decke am See liege und nichts mache außer einen Sonnenbrand zu bekommen, ist mir nicht nur peinlich, sondern bereitet mir tatsächlich größtes Unbehagen in einem freiheitlich demokratischen Land."

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