Bibergau

Dettelbach: erster eigener Totholzgarten in Unterfranken

Im Bibergauer Grund können sich ab jetzt zwischen Holzstämmen und Feldern Insekten, Würmer, Asseln, Igel, Kröten, Spitzmäuse und Reptilien tummeln. Am Freitag hat die Ortsgruppe Dettelbach des Landesbundes für Vogelschutz (LBV) dort einen eigenen Totholzgarten eröffnet. Der Garten ist ein Gemeinschaftsprojekt der Stadt Dettelbach und der LBV-Ortsgruppe. Es ist der einzige im Landkreis Kitzingen. Laut Marc Sitkewitz, Geschäftsstellenleiter des LBV Unterfranken, ist es sogar der einzige Totholzgarten in Unterfranken, der nicht in einen Naturgarten integriert ist. 
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Der Totholzgarten der LBV-Ortsgruppe Dettelbach ist eröffnet. Foto: Caroline Münch
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Im Bibergauer Grund können sich ab jetzt zwischen Holzstämmen und Feldern Insekten, Würmer, Asseln, Igel, Kröten, Spitzmäuse und Reptilien tummeln. Am Freitag hat die Ortsgruppe Dettelbach des Landesbundes für Vogelschutz (LBV) dort einen eigenen Totholzgarten eröffnet. Der Garten ist ein Gemeinschaftsprojekt der Stadt Dettelbach und der LBV-Ortsgruppe. Es ist der einzige im Landkreis Kitzingen. Laut Marc Sitkewitz, Geschäftsstellenleiter des LBV Unterfranken, ist es sogar der einzige Totholzgarten in Unterfranken, der nicht in einen Naturgarten integriert ist. 

Sinn des Totholzgartens

Der Vorsitzende der LBV-Ortsgruppe Ottmar Deppisch freute sich, dass mit dem Totholzgarten, ein wertvolles Biotop mit Lebensmöglichkeiten für viele vom Aussterben bedrohte Arten geschaffen werden könne." Aufgrund der forstwirtschaftlichen Nutzung der Wälder gibt es dort kaum noch abgestorbenes Holz. Totholz ist jedoch für zahlreiche wirbellose Tiere, Reptilien und auch für Pilze, Flechten oder Algen Nahrungsquelle und Lebensraum. Mehr als 20 Prozent der einheimischen Käfer brauchen Holz für ihre Entwicklung. Auch der stellvertretende Bürgermeister Herbert Holzapfel lobt die Ambitionen der Ortsgruppe: "Alle reden über das Insektensterben. Das ist ein erster Schritt, diesem entgegenzuwirken."

Vorreiterrolle und Lernobjekt

Als erster in Unterfranken nehme der Totholzgarten im Bibergauer Grund eine Vorreiterrolle ein, meinte Deppisch. Kindergärten und Schulen können dorthin kommen und sehen, wie das Holz langsam zerfällt und beobachten, wie die Tiere dort Nahrung finden. So diene der Garten auch als Lernobjekt. Läuft man die Traumrunde in Dettelbach, liegt der Garten auf der Route. Mitglied der Ortsgruppe Ursula Urban findet, dass der Totholzgarten eine tolle Ausstrahlung habe und gut in die Umgebung eingebettet sei. 

Nach dem ersten Antrag der Ortsgruppe vor vier Jahren blieb das Vorhaben erst einmal in der Schwebe. Vor der Planungsphase besichtigte die Ortsgruppe im April 2018 gemeinsam mit Bürgermeisterin Christine Konrad, Baumeister Christian Pavel und Stadtgärtner Norbert Rauch den Schwabacher Totholzgarten. Ende 2018 stimmte der Stadtrat dem zweiten Antrag der Ortsgruppe zu, folgte aber nicht dem Standortvorschlag. "Es wäre schwer gewesen, den Garten mitten im Ort zu verantworten", erklärte Holzapfel.

Unterstützung von Vereinen

Im Frühjahr diesen Jahres begannen dann endlich die ersten Arbeiten: die Fläche musste gerodet und von Müll befreit werden. Im Sommer lieferte der Bauhof die ersten Stücke Holz an, die die Ortsgruppe, der Stadtgärtner und auch der Bauhof über einen längeren Zeitraum gesammelt hatten. Matthias Ebert erinnert sich: "Das waren ungefähr zehn Arbeitstage, in denen Stadt und Ortsgruppe mit dem Aufbau des Totholzgartens beschäftigt waren. Auch viele Vereine haben uns dabei unterstützt." Mit dem Abliefern des Holzes war es aber nicht getan, der Totholzgarten sollte auch Struktur und eine künstlerische Note bekommen. Deshalb wirkte Roger Bischoff mit, der zum Beispiel Holzstücke in Form eines Zeltes oder in Form von Weinreben platzierte.

Der Totholzgarten ist nicht fertig und wird auch nie fertig sein. Holz zerfällt, Formen verschwinden und neues Material kommt dazu, der Garten befindet sich im steten Wandel und lebt durch Veränderung. Wer deshalb Totholz spenden möchte, kann sich bei der Ortsgruppe melden, die dann das Holz begutachten wird.

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