IPHOFEN

Der spätberufene Kinderbuchautor

Roland Gitschner hat mit 53 Jahren seinen Traum verwirklicht. Drei Bücher sind schon auf dem Markt
Artikel drucken Artikel einbetten
Umringt von Kindern: Roland Gitschners Geschichten kamen bei den Iphöfer Grundschülern gut an. Foto: Fotos: Ralf Dieter
+1 Bild

„Ich würde am liebsten alle kaufen.“ Ein Junge steht vor dem kleinen Tisch, den Roland Gitschner im Klassenzimmer aufgebaut hat, und schaut sich die drei Bücher sehnsüchtig an. Es ist nicht zu übersehen: Die Geschichten des Schulbegleiters kommen bei den Kindern gut an.

Ein bisschen Zufall, gute Freunde und die Gene: Drei Gründe, warum der Schernauer Roland Gitschner unter die Kinderbuchautoren gegangen ist. „Meine Mutter hat früher Gedichte für die Menschen im Ort geschrieben, denen es nicht so gut ging“, erinnert sich der 53-Jährige. Seinem eigenen Sohn hat er früher selbst erfundene Gute-Nacht-Geschichten erzählt. Um Birnen ging es da, die nicht erwachsen werden wollten. Um Regenwürmer, die lieber in der Sonne faulenzen, als sich im Regenwasser zu vergnügen.

Der Sohn ist längst erwachsen geworden, die Geschichten gab es nur noch in der Erinnerung – und auf einem Notizblock, den Roland Gitschner eines Tages unbedingt finden wollte. Zwei Stunden lang hat er gesucht, dann hat er das vergilbte Papier in Händen gehalten. Eine Idee nahm spätestens da Formen an: Warum die Geschichte nicht veröffentlichen? Warum nicht weitere Geschichten schreiben? Der Zufall wollte es, dass er über Freunde die Zeichnerin Martina Möller aus Neustadt kennenlernte. Eine erste Skizze gefiel ihm, in Farbe fand er die Umsetzung seiner Ideen noch schöner. Der Entschluss stand fest: Roland Gitschner wird Kinderbuchautor.

„Aber so leicht ist das gar nicht“, berichtete er den Kindern in der Iphöfer Grundschule am gestrigen Donnerstagvormittag bei seiner ersten öffentlichen Lesung. Etliche Verlage hatte er angeschrieben – und immer die gleiche Standardabsage erhalten. Über das Internet hatte er es dann selbst versucht, doch die Mindestseitenregelung machte ihm einen Strich durch die Rechnung. 40 Seiten kann und will er mit seinen Geschichten nicht zusammenbringen. Wieder bekam er über Freunde einen guten Tipp: Eine Druckerei in Gemünden nahm seinen Auftrag tatsächlich an. Drei Kinderbücher sind mittlerweile erschienen und in jeder Bücherei im Umkreis zu haben, wie Gitschner versichert. Sogar in Japan gibt es schon eine Version seiner Geschichten.

Als Nachtarbeiter in einem Lager hatte er jahrelang gearbeitet, zuletzt als Assistent einer Schwerbehinderten. Als die vor zwei Jahren starb, wechselte Gitschner in den Beruf des Schulbegleiters. In Iphofen fand er eine Anstellung. Ehrensache, dass er hier auch seine erste Lesung veranstaltete. Den Kindern hat es ganz offensichtlich gefallen. Ganz aufmerksam lauschten sie, als Gitschner von der kleinen Birne erzählte und ihrer Angst, groß zu werden. Und ein wenig schmunzeln mussten sie, als sie das Bild vom Regenwurm sahen, der es sich in Badehose in einem Liegestuhl bequem gemacht hat.

Ideen für zwei weitere Geschichten hat der 53-Jährige bereits im Kopf. Bis zum gedruckten Buch vergeht nach seinen Erfahrungen in etwa ein Jahr. „Ich will auch jedes Jahr ein Buch schreiben“, kündigte Kim aus der dritten Klasse nach der Lesung an. Bevor sie Roland Gitschner nacheifern kann, muss sie aber noch ein wenig warten. „Meine Eltern sagen, dass ich erwachsen sein muss, um Bücher zu veröffentlichen.“

was sagen sie zu diesem Thema?
jetzt anmelden jetzt registrieren