Kitzingen
Ausstellung

Der magische Realist Christof

Meist tritt Klaus D. Christof in seiner Heimatstadt Kitzingen als Bürgermeister und Stadtrat auf. Bis 25. November haben die Bürger jetzt die Gelegenheit, ihn als Künstler kennen zu lernen.
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An den Werken des Malers Klaus Christof kann man nicht einfach vorübergehen, man muss sie betrachten.  Foto:  G. Bauer
An den Werken des Malers Klaus Christof kann man nicht einfach vorübergehen, man muss sie betrachten. Foto: G. Bauer
In Kitzingen hat Klaus D. Christof einen Namen, als umtriebiger Stadtrat ebenso wie als gefragter Künstler. Seit Freitag ist in der Rathaushalle die Werkschau "Gegen den Strom" zu sehen, die mit mehr als 70 Werken aus den Jahren 1969 bis 2012 schon bei der Vernissage die zahllosen Gäste begeisterte.
Deren Begrüßung übernahm der 63-jährige Künstler selbst, über die Werkschau sprach Renate Haass - eine nicht ganz einfache Aufgabe, wie sie selbst feststellte. Sie beschrieb Christof als Konzeptionisten und Mitorganisator der alljährlichen PAM-Ausstellungen, der zuletzt 1996 mit einer Werkschau an die Öffentlichkeit getreten war. Es dränge ihn auch nicht ins Rampenlicht, er bevorzuge die Ruhe und das Arbeiten in Abgeschiedenheit fern jeglicher öffentlicher Aufmerksamkeit als notwendigen und wohltuenden Gegenpol zur Plattform der Kommunalpolitik.
Einen Künstler stelle man sich in Phantasien schwelgend und bisweilen etwas versponnen vor, während sich ein Politiker alltäglichen Problemen stelle. "Was zunächst nicht vereinbar erscheint, das sind die zwei Seiten einer stets kreativen Persönlichkeit, die sich völlig logisch zu einem Ganzen fügen", stellte Renate Haass fest.
Kitzingen sei das Zentrum beider Arbeitsfelder.

Was populär ist, kümmert wenig


Szenen aus dem Etwashäuser Kirchweihgeschehen, vermutlich Reminiszenzen an die Kindheit, stehen Abbildungen von Stadtansichten gegenüber, die wie die einst prägende Scheuern stuhl-Brauerei aus dem Stadtbild verschwunden seien.
Die Ausstellung berücksichtigt auch Bilder, die bei Aufenthalten in den Vereinigten Arabischen Emiraten zu einer Zeit entstanden, als Dubai noch weitaus weniger bekannt war. Damals, in den 80-er und 90-er Jahren, habe der Künstler eine nahezu unverfälschte arabische Mentalität und Lebensart kennengelernt, als die Menschen dort anders als heute noch mehr Zeit zum Beieinandersitzen, Tee trinken und Palavern hatten. Intensive Freundschaften seien entstanden und bis heute erhalten geblieben. "Christof verarbeitet in seinen Werken Dinge, die ihm etwas bedeuten", stellte Haass fest - gerade hier arbeite der Künstler Charakteristika und Schönheit heraus. Er kümmere sich wenig darum, was gerade populär ist.
Sie bezeichnete die Bildkompositionen aus der Werkstatt Christofs als typisch für die Stilrichtung des Magischen Realismus, der sich in Deutschland nach dem Ersten Weltkrieg entwickelte und ab den 60er Jahren eine Fortsetzung fand. Beim Besuch der Würzburger Werkkunstschule sei Christof in den 70-er Jahren zwangsläufig damit in Berührung gekommen, zumal damals der Würzburger Maler Wolfgang Lenz dort als Dozent lehrte. Christof habe damals im Magischen Realismus seine Stilrichtung erkannt, der er bis heute gegen den Trend aller Zeitströmungen - Gegen den Strom - treu blieb. Er gehe eben einfach seinen Weg, auch gegen den Strom.
Christofs Dank galt der Stadt Kitzingen und der Projektbühne am Main (PAM), die ihn seit 23 Jahren in großer Kontinuität unterstützten. Dabei sei Geschäftsführer Hermann Dietz besonders zu nennen.
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