KITZINGEN

Der geplatzte Traum von der Selbstständigkeit

Die junge Frau machte sich gut in ihrer Ausbildung. In dem Verkaufsgeschäft lief alles rund. Die Kundschaft war zufrieden, es hätte so weitergehen können. Doch dann entschieden sich die Betreiber, die beruflich anderweitig eingespannt waren und das Geschäft in Kitzingen eher nebenher betrieben, dieses Standbein aufzugeben.
Artikel drucken Artikel einbetten

Die junge Frau machte sich gut in ihrer Ausbildung. In dem Verkaufsgeschäft lief alles rund. Die Kundschaft war zufrieden, es hätte so weitergehen können. Doch dann entschieden sich die Betreiber, die beruflich anderweitig eingespannt waren und das Geschäft in Kitzingen eher nebenher betrieben, dieses Standbein aufzugeben.

Die ehemalige Auszubildende brachte das auf eine Idee: Es wäre doch schade um den Laden – warum also nicht selber zum Chef aufzuschwingen? Zumal der bisherige Chef seine Unterstützung zugesagt hatte: Er glaubte weiter an die Geschäftsidee. Und er glaubte an seine Mitarbeiterin, für die er bis dahin nur lobende Worte übrig hatte.

Der bisherige Ladenbetreiber war dabei von ausgesuchter Großzügigkeit: Er stand nicht nur mit Rat und Tat zur Seite, sondern gewährte als Anschubfinanzierung sogar ein Darlehen über 22 000 Euro. Zwar stand noch ein Umzug ins Haus, weil die Ladenfläche beim Neustart verkleinert wurde. Trotzdem hatten alle Seiten ein gutes Gefühl, als das Geschäft 2015 wieder öffnete.

Wenig später dann das böse Erwachen: Die vereinbarten Pacht- und Ratenzahlungen blieben aus – von Anfang an. Der ehemalige Chef wähnte sich im falschen Film: „Komplett ausgewechselt“ sei seine ehemalige Mitarbeiterin von heute auf morgen gewesen.

Sie habe ihr Geschäft, das wenige Wochen vorher noch ein Lebenstraum war, schlagartig vernachlässigt. Anrufe seien ins Leere gegangen, es habe „sehr unterschiedliche“ Öffnungszeiten gegeben – irgendwie passte schlagartig nichts mehr. Das Ergebnis: Der Laden ging den Bach herunter und musste bald schließen.

War Betrug im Spiel? Die Staatsanwaltschaft hatte das zunächst angenommen. Wobei sich bei der Verhandlung vor dem Kitzinger Strafrichter herausstellte: Hier ging's eher um Überforderung. Die Gründe für Schleifenlassen waren auf der persönlichen Ebene zu suchen, der Betrugsvorwurf wurde fallengelassen.

Es blieb allerdings noch ein Anklagepunkt: Im Zuge des Untergangs ihres Geschäftes bekam es die Frau auch mit dem Gerichtsvollzieher zu tun – und machte falsche Angaben. Wobei hier ebenfalls galt: Es ging um Überforderung und auch Unkenntnis.

Auch hier kommt die Frau mit einem blauen Auge davon: Die Sache wird eingestellt, allerdings gegen Zahlung von 500 Euro, über die sich die Kitzinger Aplawia freuen darf. Die nicht vorbestrafte Angeklagte ist inzwischen auf dem Boden der Tatsachen angekommen: Statt Unternehmerin ist sie jetzt Hartz-IV-Bezieherin. Wobei in den Sternen steht, wie sie die immer noch offenen rund 17 000 Euro zurückzahlen will.

Kommentare (0)

Für diesen Artikel wurde die Kommentarfunktion deaktiviert.