Kitzingen
TROMMLER

Der dicke Trommler und sein Kampf gegen die Kilos

Reinhard Stummreiter von der Altneihauser Feierwehrkapell'n wog fast 300 Kilo. Dann zog er die Reißleine. In einem Buch blickt er nun auf seine "fetten Jahre" zurück.
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Ein Bild aus vergangenen Tagen: Reinhard Stummreiter von der Altneihauser Feierwehrkapell'n 2010 bei der "Fastnacht in Franken". Damals wog der Musikant annähernd 300 Kilogramm. Foto: David Ebener, dpa
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Dass das Leben eine Last sein kann, wer wüsste das nicht besser als Reinhard Stummreiter? Er ist nicht nur der Trommler der Altneihauser Feierwehrkapell'n, er ist der dicke Trommler. Das Adjektiv gehört zu ihm wie die Trommel, es begleitet den 45-Jährigen seit seiner Kindheit. Jetzt hat der Musikant aus dem schrägen Oberpfälzer Panoptikum sein Auf und Ab mit dem Gewicht aufgeschrieben, und der Titel des Buchs lässt erahnen, dass es nicht nur eine ernsthafte Aufarbeitung geworden ist: "Meine fetten Jahre sind vorbei: Wie ich meine Kindheit verdaute, um der dicke Trommler zu bleiben." Am Montag, 18. Februar, kommt Stummreiter zu einer Lesung in die brandneue Fastnachts-Akademie in Kitzingen .

Doch wer nur eine Anekdotensammlung erwartet, liegt falsch. Für das Buch hat Reinhard Stummreiter mit seiner Ghostwriterin eine Art Seelenforschung betrieben. Eine Reise ins innerste Ich sozusagen. Die Erkenntnisse waren manchmal aufwühlend – etwa wenn die Gedanken um den Tod kreisten. Er war erst neun Jahre alt, als seine Mutter starb. Wenn es ihm schlecht ging, wenn er Kummer hatte, suchte er im Essen Trost. Er wuchs heran wie die Kilos – am Ende wog er 287 Kilogramm. 

Der Feierwehr-Chef setzte Stummreiter ein Ultimatum

Längst war er da bei der Feierwehrkapell'n eine der zentralen Figuren, und doch stellte ihm der Kommandant Norbert Neugirig vor etwa acht Jahren ein Ultimatum: Abnehmen oder Ausschluss. Es war diese Kompromisslosigkeit, die Reinhard Stummreiter aufwachen ließ. Sein Gewicht war da schon zu einem großen Gesundheitsrisiko geworden. Er ließ sich den Magen verkleinern und disziplinierte sich. Die Folge: Der Trommler halbierte sich. 

Doch leicht ist das neue Leben keinesfalls. Das mit den Kilos sei "ein ständiger Kampf", sagt Stummreiter. Wie bei jeder Sucht, müsse er ständig dagegen angehen. "Die Operation war eine Hilfsmaßnahme, aber die eigentliche Arbeit findet im Kopf statt."

Er hat für Gleichgesinnte eine Selbsthilfegruppe gegründet

Der mächtige Musikant stellt sich der Herausforderung. Er ist ständig mit Ärzten in Kontakt und er hat in seiner Oberpfälzer Heimat Friedenfels eine Selbsthilfegruppe gegründet mit dem Namen "XXL Format". Es sei eine Hilfe, sich mit Gleichgesinnten auszutauschen. Hier nehme er Tipps eher an als aus dem vertrauten Kreis der Familie, sagt Stummreiter, der ahnt, dass ihn sein Kampf ums Gewicht ein Leben lang begleiten wird. Aber er hat eine Botschaft: "Niemals aufgeben, wie es auch immer kommen mag."

Eine Unterstützung seien für ihn auch die Auftritte mit der Feierwehrkapell'n, Stummreiter geht in seiner Rolle auf. "Fastnacht in Franken" ist für ihn einer der Höhepunkte im Jahr , Veitshöchheim sei für ihn vertraut wie Heimat: "Es fühlt sich hier immer an wie Heimkommen", sagt Stummreiter, "es sind viele Freundschaften entstanden." 

  • Gewinnspiel: Wir verlosen zwei Karten für "Fastnacht in Franken"!

"Meine fetten Jahre sind vorbei": Lesung mit Reinhard Stummreiter von der Altneihauser Feierwehrkapell'n am Montag, 18. Februar, 19.30 Uhr, Fastnachts-Akademie in Kitzingen. Wer eines von drei Büchern gewinnen möchte, schickt bitte bis 16. Februar 2019 eine E-Mail mit Name und Adresse sowie dem Stichwort "Stummreiter" an: leserseite@mainpost.de

 

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