Albertshofen

Der Wasserbeschaffungsverband Albertshofen feiert Jubiliäum

Vor 90 Jahren schlug die Geburtsstunde des Wasserbeschaffungsverbandes (WBV) Albertshofen. Die Gärtner hatten zu dieser Zeit einen schweren Stand, weil die Brunnen wegen der großen Dürre 1904 und 1905 und der Tieferlegung des Maines wegen der Mainkuh versiegten. Der Ruf nach einer Wasserleitung wurde laut, aber es dauerte noch 25 Jahre, bis es so weit war.
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Sie sind stolz auf ein eigenständiges, modernes Wasserversorungsunternehmen (von links): Erster Vorstand Erich Wenkheimer, Ortschronist Lorenz Hofmann, stellvertretender Vorstand Frank Sattes und Wasserwart Peter Reidelbach (vorne) beim 90-jährigen Jubiläum des Wasserbeschaffungsverbandes. Foto: Elli Stühler

Vor 90 Jahren schlug die Geburtsstunde des Wasserbeschaffungsverbandes (WBV) Albertshofen. Die Gärtner hatten zu dieser Zeit einen schweren Stand, weil die Brunnen wegen der großen Dürre 1904 und 1905 und der Tieferlegung des Maines wegen der Mainkuh versiegten. Der Ruf nach einer Wasserleitung wurde laut, aber es dauerte noch 25 Jahre, bis es so weit war.

Ortschronist Lorenz Hofmann zitierte aus der Chronik: „Die Kälte im Januar und Februar 1929/30 steigerte sich auf über 30 Grad unter Null. Die meisten Obstbäume, vor allem Zwetschgen erfroren. In der Nacht war das Auseinanderbersten der Bäume wie Gewehrschüsse im ganzen Ort zu hören. Menschen und Vieh litten schwer, die Ställe und Keller mussten geheizt werden, um das Vieh am Leben zu erhalten. Es war ein Naturschauspiel, wie sich bei dem einsetzenden Tauwetter die Eisberge meterhoch auftürmten. Das ganze Dorf brannte im Winter Schnaps, um leben zu können und es herrschte eine Geldknappheit, was noch nie zu verzeichnen war. Sämtliche Vereine beschlossen, keine Vergnügen und Festlichkeiten abzuhalten“.

Infolgedessen beschäftigte sich der Gastwirt Konrad Hofmann mit den technischen Möglichkeiten einer Wasserversorgung. Bereits am 24. Januar 1930 erfolgte die Gründung der Bewässerungsgenossenschaft mit 64 Mitgliedern.  

Arbeit mit Schaufeln und Ochsenfuhrwerken

3000 Meter Holzrohrleitung und drei Dieselmotoren mit Pumpen wurden für den Bau der Wasserleitung gekauft. Nicht mit Baggern, sondern mit Schaufeln, Pickeln und Ochsenfuhrwerken wurde gearbeitet. Die neue Anlage beregnete 200 Morgen Gartenland mit Mainwasser, wodurch die kostspielige  Brunnenerschließung gespart wurde.

Der Kubikmeter kostete 10 Pfennig Wassergeld. 1934 wurde mit Hilfe des Reichsarbeitsdienstes der Hochbehälter mit 240 Kubikmeter am Rothberg erbaut und in den folgenden Jahren konnten durch den Neulandverein 137 Hektar neue landwirtschaftliche Flächen durch Waldrodung gewonnen werden.

Trinkwasserbrunnen und Pumphaus

1948 wurde von Michael Hofmann eine neue Genossenschaftsführung eingeführt, bei der jedes neue Mitglied für 1300 D-Mark Anteile erwerben musste. 1955 hatte die Genossenschaft bereits 233 Mitglieder mit 663 Anschlüssen.

Mit dem Bau von zwei Trinkwasserbrunnen am Tännig und einem neuen Pumphaus erschloss man 1963 eine neue separate Trinkwasserversorgung mit einem Kostenaufwand von 1 Million D-Mark. Gleichzeitig wurde die  Bewässerungsgenossenschaft in den heutigen Wasserbeschaffungsverband überführt.

Erweiterung der Beregnungsfläche 1978

Im Rahmen der Flurbereinigung baute man eine Anlage am Birkensee mit einem 14 000 Kubikmeter Speicherbecken und errichtete ein Steuerhaus für das Beregnungsgebiet Rodenbach. 1978 konnte man auf eine erfolgreiche Erweiterung der Beregnungsfläche mit 15 Tiefbrunnen mit einer Leistung von 680 Liter pro Sekunde, 44 Kilometer unterirdische Leitungen, 250 Kilometer Rohre und 730 Wasserschächten auf fast 500 Hektar blicken.

1980 übernahm Herbert Köhler mit großer Sachkompetenz das Amt des ersten Vorstandes. In seinem Sinn und mit  dem gleichen Engagement und Weitblick führt Erich Wenkheimer seit 2006 den WBV. Das letzte große Projekt war 2008 der Neubau des Hochbehälters am Rothberg.

Erneuerung von Hausanschlüssen

Der WBV nahm 2014 am DVGW-Forschungsprojekt teil, machte geophysikalische Untersuchungen der acht Brauchwasser und zwei Trinkwasserbrunnen und erstellte 2017 nach dem Besuch der Umweltministerin Ulrike Scharf ein Konzept zur Systemverbesserung für Brauchwasser.

Der Ausbau vieler Ortsstraßen zusammen Hand in Hand mit der Gemeinde ist selbstverständlich. Die Erneuerung der Hausanschlüsse und Trinkwasserleitungen sowie die Verlegung von Leerrohren für Glasfaserausbau sind an der Tagesordnung. Der WBV ist sich seiner Verantwortung bei der Gemeinde für die Trinkwasserversorgung bewusst und findet bei Bürgermeister Horst Reuther die entsprechende Unterstützung.

„Heute ist der WBV ein eigenständiges, modernes Wasserversorgungsunternehmen auf dem neuesten Stand der Technik“ freut sich Erich Wenkheimer.

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