ABTSWIND

Der Saubermann im Bad

Der Super-Sommer beschert Holger Lenz einiges mehr an Arbeit, doch die macht er gerne. Lenz ist im Abtswinder Schwimmbad dafür zuständig, dass die Technik reibungslos funktioniert und die Badegäste ein einwandfreies Wasser in den Becken zum Schwimmen vorfinden. Auch in den nächsten Wochen, bis das Freibad voraussichtlich Mitte September schließt.
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Check: Holger Lenz schaut auf dem Steuerungs-Computer, ob die Technik richtig arbeitet. Foto: Foto: A. Stöckinger
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Der Super-Sommer beschert Holger Lenz einiges mehr an Arbeit, doch die macht er gerne. Lenz ist im Abtswinder Schwimmbad dafür zuständig, dass die Technik reibungslos funktioniert und die Badegäste ein einwandfreies Wasser in den Becken zum Schwimmen vorfinden.

Auch in den nächsten Wochen, bis das Freibad voraussichtlich Mitte September schließt. „Wir haben jetzt schon drei bis vier Wochen mehr an Badebetrieb, wie im Vorjahr. Und für die nächsten Tage ist es auch wieder sonnig gemeldet“, sagt Lenz.

„Was alles dahinter steckt, das sehen und wissen die meisten gar nicht.“
Holger Lenz, zuständig für die Technik

Das kleine, gemeindeeigene Bad, das vor zwei Jahren für mehr als zwei Millionen Euro komplett saniert wurde, liegt ihm am Herzen. Ein Aushängeschild für die Gemeinde soll es sein und ist es auch. Auch wenn, wie in den vergangenen Tagen, bis zu 1600 Gäste an einem Tag die Einrichtung besuchen, muss alles passen.

Die im Frühjahr 2011 eingebaute Wasserreinigungs-Anlage lief beim Hochbetrieb bestens.

Bis jeden Tag um 10 Uhr geöffnet wird, ist einiges zu tun. „Was alles dahinter steckt und zu tun ist, wenn die ersten Gäste um zehn Uhr kommen, das sehen und wissen die meisten gar nicht“, so Lenz. Rund eineinhalb Stunden benötigt der Bodenstaubsauger, bis er in beiden Becken durchgefahren ist, um zu reinigen. Das Ziehen der Proben, das Reinigen der Durchlaufbecken, Duschen und WC-Anlagen, sowie für weitere Vorarbeiten sind rund zweieinhalb Stunden erforderlich. Dann ist alles tipptopp. „Wenn wir öffnen, soll alles sauber und in Ordnung sein“, lautet seine Maxime.

Sauberkeit ist für ihn oberstes Gebot, das gilt für das Wasser, wie auch für die Außenanlagen um die beiden Becken herum. Am Tag davor, an dem das Bad wegen etwas wechselhafteren und kühleren Wetters nur bis 12 Uhr offen hatte, wurde der Rasen gemäht. „Zu tun gibt es hier immer, auch wenn mal kein Badewetter ist“, erklärt Lenz. Zusammen mit Dieter Werner, Peter Baumann, Gerd Meiler und Adolf Schmidt, allesamt bereits im Ruhestand, schmeißen die fünf den Betrieb, was das Baden in den beiden größeren Becken und dem kleinen Kinder-Planschbecken betrifft.

An den Badetagen ist Gemeindearbeiter Lenz, der zudem für die Kläranlage verantwortlich ist, von Früh bis Mittag vor Ort, um die Vorarbeiten auszuführen. Ihm obliegt der Bereich der Technik, die Aufbereitung des Wassers, eine Wissenschaft für sich.

Diesmal ist mit Günter Scheuring ein Kontrolleur eines Instituts vor Ort, das die Wasserqualität im Auftrag des Gesundheitsamts regelmäßig alle paar Wochen prüft. Freies Chlor, gebundenes Chlor, PH-Wert, der Sauerstoffgehalt, wie auch die elektrische Spannung des Wassers, werden gemessen.

Scheuring prüft die entnommenen Proben mit seinem Messgerät. „Alles bestens“, nickt er zufrieden beim Blick auf die Werte. Die muss auch Lenz täglich ermitteln und aufschreiben. Auch bei den Chlorgasfiltern bescheinigt Scheuring einwandfreien Zustand. Der Kontrolleur hat seine Arbeit getan, schließt sein Köfferchen und verabschiedet sich.

Das Wasser der beiden 700 Kubikmeter und 500 Kubikmeter fassenden Becken, plus das des Kinder-Planschbeckens, wird in einem Kreislauf gereinigt. Zunächst strömt es von unten in die Becken. Was später beim Badebetrieb oben überschwappt, wird erst grob gefiltert, um Haare, Sand oder Dinge auszusieben. Über zwei weitere Vorfilter läuft das Wasser schließlich in die Ultra-Filtration.

„Das ist unser Heiligtum, von der Technik her das Beste, was es zur Zeit gibt, aber auch das Teuerste. Dafür haben wir aber eine Top-Wasserqualität“, verweist Lenz auf die schwarzen Rohre und Pumpen. Pro Stunde werden im Bad 200 Kubikmeter Wasser umgewälzt, also durch die Filter gelassen und wieder gereinigt.

Nach Chlor riecht es im Schwimmbad kaum, weil die Chemie heutzutage wesentlich dosierter, je nach Bedarf, eingesetzt werde, so Lenz. Drinnen in den Technikräumen liest er am Computer ab, wie der Reinigungsgrad im Moment ist. Ein Idealwert ist vorgegeben, der erreicht und gehalten werden soll. Bei viel Badebetrieb in den Becken hole sich die Anlage automatisch genau das, was sie braucht, ob mehr Mittel zur Reinigung oder Sauerstoff.

Viel Aufwand zum Reinigen erfordert die Sonnencreme, mit der sich die Badegäste einreiben. Bereits an den Duschbereichen vor den Becken sehe man einen braunen Rand, an dem sich die Creme ablagert.

Das Saubermachen beginnt bereits am Abend, wenn das Bad schließt. Nachts werden die Filter gespült, das Schmutzwasser wird in den Kanal geleitet. Auch hier steuert Kollege Computer das Ganze, Techiker Lenz kann genau sehen, ob die vielen Wasserschieber in der Anlage offen oder geschlossen sind.

Jeden Morgen zieht Holger Lenz die Proben, während des Tages testen die diensthabenden Bademeister die Wasserqualität. Stimmt ein Wert nicht, dann erhält Lenz sofort einen Anruf. Er ist dann meist in wenigen Minuten vor Ort, um nach der Ursache zu suchen.

Die Technik beherrscht er, im Bad kennt er jeden Arbeitsgang. Wenn es nötig ist, beginnt Holger Lenz seinen Dienst auch mal um 5 Uhr in der Früh. So geschehen etwa in den letzten Juli-Wochen, als sich etliche Schulklassen bereits ab 9 Uhr zum Baden anmeldeten. Denn die etwa drei bis vier Stunden sind morgens nötig, bis alles wieder auf Vordermann ist.

Spätestens um 10 Uhr kommen dann die ersten Badegäste. Manche, meist Senioren, sind täglich zum Schwimmen da. Und das muss auch Spaß machen im strahlend blauen Abtswinder Wasser.

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