SOMMERACH

Der Preisträger bleibt am Ball

Das Alleinstellungsmerkmal von Sommerach? Es beginnt schon beim Namen. Den gibt es in Deutschland nur ein einziges Mal. Aber es sind vier andere Punkte, die Elmar Henke nennt: Die attraktive landschaftliche Lage, der Wein, die Menschen und der baulich reizvolle Altort.
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Faszinierende Anordnung: Bürgermeister Elmar Henke gefällt besonders, wie der Altort von Sommerach gegliedert ist. Eine Achse zieht sich durch den Ort, die Straßen gehen im rechten Winkel davon ab. Längst ist Sommerach über seine Mauer hinausgewachsen. Foto: Foto: Daniela Röllinger
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Das Alleinstellungsmerkmal von Sommerach? Es beginnt schon beim Namen. Den gibt es in Deutschland nur ein einziges Mal. Aber es sind vier andere Punkte, die Elmar Henke nennt: Die attraktive landschaftliche Lage, der Wein, die Menschen und der baulich reizvolle Altort.

Gold auf Landesebene, auf Bundesebene, beim europäischen Entscheid: Der Bürgermeister hat es schriftlich, dass sein Ort zu den schönsten und zukunftsfähigsten Dörfern auf dem ganzen Kontinent gehört. Dass dies erreicht werden konnte, hat sicherlich mit den vier Punkten zu tun, die Elmar Henke als Alleinstellungsmerkmale nennt.

„Eine Achse durch den Ort, die Straßen gehen im rechten Winkel ab, dann eine Mauer rumgezogen.“ Alleine schon die Anordnung von Sommerach findet der Bürgermeister faszinierend. Die Form des einst entstandenen Ovals setzt sich außerhalb der Mauer fort und das soll auch so bleiben. Beim Ausweisen von Baugebieten wird auf so etwas geachtet. Aber allzu viel Platz für eine Erweiterung hat Sommerach aufgrund der Topographie eigentlich gar nicht.

„Wir haben keinen

Handlungsbedarf, bei dem Millionenausgaben auf uns zukommen.“

Elmar Henke Bürgermeister

Sommerach liegt auf der Weininsel – der Main, die Weinberge und Naturschutzgebiete schränken die Entwicklung ein, vor allem für Gewerbegebiete ist kaum Fläche da. Aber die würden auch nicht recht zum sanften Tourismus passen, auf den die Gemeinde setzt. Der sanfte Tourismus und das Kulturgut Wein dagegen, sie passen gut zusammen, auch wenn das eine neu, das andere alt ist. Schließlich prägt der Weinbau die Gemeinde schon seit 1000 Jahren. Kombinierten die Familien diesen früher mit Landwirtschaft und Sonderkulturen, folgte in den 1970er Jahren eine Spezialisierung auf den Weinbau, klassische Landwirte gibt es seit den 1980er Jahren nicht mehr in Sommerach. Stattdessen öffnete sich der Ort dem Tourismus. Etwa 50 Familien haben heute auf die eine oder andere Weise damit zu tun, zum Beispiel durch Gaststätten oder Pensionen. Dazu kommt der Campingplatz: Er bietet 250 Stellplätze.

„Wir haben es geschafft, an einem Strang zu ziehen“, sagt Elmar Henke. „Das hat den Ort sympathisch und erfolgreich gemacht.“ Die Teilnahme am Wettbewerb „Unser Dorf hat Zukunft“ habe das noch einmal gestärkt, doch die Wurzeln gingen viel weiter zurück. „Wir versuchen schon lange, gemeinsam vorzugehen.“ Sommerach gründete 1901 eine Genossenschaft, startete 1950 mit der Flurbereinigung, baute 1957 eine gemeinschaftliche Beregnungsanlage, 2003 folgte die Tropfberegnungsanlage für die Weinberge – eine Hilfe gerade in heißen und trockenen Sommern wie diesem.

Gemeinsamkeit gibt es auch über den Ort hinaus: Seit den 1950er Jahren ist Sommerach „mit Volkach verbandelt“, schon beim allerersten Volkacher Weinfest sei Sommerach ebenso wie Nordheim mit von der Partie gewesen. Eine Konkurrenz gebe es nicht, die drei Gemeinden werben sogar gemeinsam als „Volkacher Mainschleife“. Dass in der Bezeichnung der Ort Sommerach nicht vorkommt, stört Elmar Henke überhaupt nicht. „So haben die Gäste wenigstens eine Orientierung.“ Das ist auch der Grund, warum Sommerach bei Außenauftritten auch stets den Zusatz „am Main“ anhängt, obwohl der Ortsname einmalig ist.

Freilich ist auch in Sommerach nicht alles rosig. Henke spricht die „nicht sehr gute“ finanzielle Lage an. „Komplett schuldenfrei geht nicht“, sagt er, und das hat damit zu tun, dass eine Gemeinde seiner Ansicht nach nicht nur reagieren darf, sondern auch agieren muss. So wurde viel investiert, in die energetische Sanierung von Schule, Turnhalle und Kindergarten zum Beispiel. „Aber wir haben es bisher immer geschafft, eine Balance zu finden. Die Tilgung hat uns nie die Luft genommen.“

Mit der Infrastruktur sei man trotzdem nicht ins Hintertreffen gelangt, was Wasser und Kanal angeht. Bei den Straßen gebe es durchaus Nachholbedarf. Im Städtebaulichen Konzept ist mit den Bürgern vereinbart, was bis 2020 gemacht werden soll. Die Breitbandanbindung sei ein Problem – „aber wir sind da, um es zu lösen“. Nach langen Kämpfen ist nun die Ausschreibung erledigt.

„Wir haben keinen Handlungsbedarf, bei dem Millionenausgaben auf uns zukommen“, sagt Elmar Henke. Damit scheint der Plan realistisch, die Pro-Kopf-Verschuldung von etwa 800 Euro wieder auf etwa 300 Euro zu senken.

In den letzten 50 Jahren ist Sommerach stark gewachsen, die Einwohnerzahl ist von 918 Bürgern im Jahr 1960 auf etwa 1450 gestiegen. Die Geburtenzahl legt heuer ordentlich zu. Aber auch Sommerach muss dem demografischen Wandel begegnen. Die Region müsse attraktiver werden für junge Menschen, auch was Arbeitsplätze angeht, findet Elmar Henke. Das Thema altersgerechtes Wohnen muss angegangen werden. Leerstände im Altort müssen im Blick bleiben, auch wenn mit einem Leerstandsmanagement schon viel erreicht wurde. Weil man sich auf den Altort konzentriert hat, hat die Gemeinde derzeit keine eigenen Bauplätze mehr. Jetzt soll ein Baugebiet ausgewiesen werden, mit Platz für 30 Häuser.

Ziel ist es, dass Sommerach für alle Altersgruppen attraktiv bleibt. Der Rahmen stimmt: Das ÖPNV-Angebot ist relativ gut, es gibt einen Bürgerbus, drei Bäcker, zwei Metzgerfilialen und drei Ärzte. Die Gemeinde arbeitet an einem Konzept, um die vorhandenen Parkprobleme zu verringern. Es gibt Pläne, das Mainvorland attraktiver zu gestalten, ein „nachhaltiges Weindorf“ ist Thema, dazu die „Destination Sommerach“. Nicht nur reagieren, sondern auch agieren eben. Oder wie Henke sagt: „Es funktioniert gut. Aber wir müssen immer am Ball bleiben.“

Sommerach

Sommerach liegt an der Mainschleife, auf der sogenannten Weininsel, und gehört zur Verwaltungsgemeinschaft Volkach. Der Ort erreichte bei dem Landes- und Bundesentscheid des Wettbewerbs „Unser Dorf hat Zukunft“ eine Goldmedaille und wurde bei der „Entente Florale“ auf Europäischer Ebene ebenfalls mit Gold bedacht. Sommerach hat 1 336 Einwohner (Stand Juni 2014). Es gibt einen Kindergarten und eine Schule, mit drei Bäckereien und zwei Metzgereien ist die Nahversorgung gesichert. Bürgermeister Elmar Henke leitet den Ort seit 1998.

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