Einen ganz anderen Charakter als die Massenveranstaltung Rödelseer Frühling Ende April hat die Raritätenmesse, die Walter Fuhrmann vergangenes Wochenende in dritter Auflage im Schloss Crailsheim organisierte. Nicht Besuchermassen und der Verkauf sind prägend für die Veranstaltung, die als Marktplatz für Sammler, Kenner und Liebhaber bekannt ist.

Eine kuriose Anekdote erlebte die Würzburger Kunsthistorikerin Gisela Wohlfromm am Samstag. Denn erst kam eine Frau zu ihr und hatte den Kopf einer Schildkröt-Puppe dabei. Für die Fachfrau vom Auktionshaus Mars war der einzelne Puppenkopf wertlos – ganz im Gegensatz zu einer Frau, die kurz später mit einem Puppenpaar kam. Der Mädchenpuppe fehlte genau der Kopf, den die andere Frau vorher präsentiert hatte. „Vielleicht kann ich ja eine Zusammenführung organisieren“, meinte Gisela Wohlfromm schmunzelnd.

Walter Fuhrmann bot den Besuchern mit der Präsenz von Gisela Wohlfromm den besonderen Service, dass jedermann(-frau) jegliche Objekte, Exponate und vermeintliche „Schätze“ qualifiziert begutachten und schätzen lassen konnte.

Reparieren und restaurieren

„Einen Porzellandoktor finden sie sonst nirgendwo“, betonte Walter Fuhrmann, was die Besucher zu schätzen wussten. Denn Fachleute zu finden, die lieb gewonnene Handwerkskunst, alte Erbstücke oder Sammlerobjekte reparieren oder restaurieren können, bildeten für den Großteil des Publikums den Antrieb, die Raritätenmesse zu besuchen.

Die Standbetreiber boten Aquarellbilder, historisches Autospielzeug, Hüte, nostalgische Bilder, Uhren, Skulpturen und viele weitere Kuriositäten. Viele Herzen schlugen bei den bildschönen Puppen von Marlene Blunck höher. Die Expertin aus dem mittelfränkischen Hemmhofen fertigt Antikpuppen aus einem Holzkorpus oder Charakterpuppen aus Porzellan mit feinen Kleidern dazu. „Diese Messe ist hauptsächlich eine Werbung für das Schloss Crailsheim und unseren Ort“, sagt Fuhrmann, der den Kommerz bei der Messe weitgehend ausblendet. Deshalb konnte er es leichter verschmerzen, dass heuer merklich weniger Besucher da waren. „Vielleicht hat es sich auch niedergeschlagen, dass ich kurzfristig noch mehrere krankheitsbedingte Absagen von Standbetreibern erhielt“, mutmaßt Fuhrmann.