DETTELBACH

Der Muff von 630 Jahren

Ein klein wenig muffig roch es im Rathaus von Dettelbach schon. Zwar nicht im Ratssaal und auch nicht im Sitzungszimmer, obwohl das Holz dort schon einige hundert Jahre auf dem Buckel hat. Der ganz leicht muffige Geruch war im Dachstuhl zu riechen, aber die Nase gewöhnte sich sehr schnell daran, so dass der Kopf frei war für die Erklärungen von Christine Konrad und Lothar Hartlieb.
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Altes Handwerk: Lothar Hartlieb führt vor, wie die Flößer in vergangenen Zeiten ihre Flöße ohne Nägel zusammenbauten. Foto: Foto: Guido Chuleck

Ein klein wenig muffig roch es im Rathaus von Dettelbach schon. Zwar nicht im Ratssaal und auch nicht im Sitzungszimmer, obwohl das Holz dort schon einige hundert Jahre auf dem Buckel hat.

Der ganz leicht muffige Geruch war im Dachstuhl zu riechen, aber die Nase gewöhnte sich sehr schnell daran, so dass der Kopf frei war für die Erklärungen von Christine Konrad und Lothar Hartlieb. Sie führten am Tag des offenen Denkmals Besuchergruppen durch das historische Rathaus und konzentrierten sich in ihren Erklärungen ganz auf das Thema Holz.

630 Jahre alte Bäume

Entstanden ist der Dachstuhl des Rathauses, so erklärte Lothar Hartlieb, Schreinermeister und Restaurator, im Jahr 1510. Das belegten alte Rechnungen und Aufzeichnungen. „Wenn man jetzt noch bedenkt, dass das Holz selbst von Bäumen stammt, die an die 130 Jahre alt sind, so schauen wir gerade auf 630 Jahre alte Bäume“, sagte Hartlieb.

Bei der Sanierung des Rathauses ist der Dachstuhl verstärkt worden. Die waren nicht immer auf den ersten Blick als solche zu erkennen, daher wies Christine Konrad, Architektin und Stadtplanerin, genau auf diese Verstärkungen hin. „Diese Rohre hier, die senkrecht vom Boden bis zu weiteren Balken weiter oben reichen, sind keine Wasserrohre, wie man meinen könnte, sondern Stahlstützen“, erklärte sie.

Dann legten alle den Kopf in den Nacken, denn Konrad wies auf die Höhe des Dachstuhles und die Dachsparren in der Spitze hin. „Es ist ein so genanntes Sparrendach und es ermöglichte damals, einen riesengroßen Raum zu schaffen“, so Konrad, „wie zu sehen ist, ist innerhalb des Dachstuhls ein weiteres kleines Obergeschoss eingebaut.“ Das werde zwar in der heutigen Zeit nicht mehr genutzt, aber es war in der Vergangenheit wohl auch als zusätzlicher Lagerraum genutzt worden. Durch eine kleine Tür, die offenbar ins Nichts ging, weil außen keine Treppe vorhanden ist, waren seinerzeit die gelagerten Waren in die Lagerräume gehievt worden, außen war ein kleiner Lastenkran am Gebäude angebracht worden.

So mancher Besucher wunderte sich über die kleinen Löcher, die an so gut wie jedem Balkenende zu sehen waren. Dieses Geheimnis lüftete Lothar Hartlieb. Die Löcher stammen aus der Zeit, als die Flößer ihre Flöße beim Bau nicht durch Nägel, sondern durch Holz zusammen hielten. „Nägel waren zu teuer, weil sie alle noch einzeln geschmiedet werden mussten“, erklärte Hartlieb. Vielmehr seien die Holzbalken mit sogenannten Wieden zusammengebaut worden. Das sind dünne, eigens dafür gezogene Stämme aus Fichten-, Haselnuss- oder Weidenholz, die in einem Wiedeofen erhitzt und anschließend ringförmig aufgedreht wurden. „Dadurch hatten die Flößer ein sehr elastisches und reißfestes Holztau, das durch Löcher gefädelt wurde, die man in die äußeren Stammreihen des Floßes gebohrt hatte. Wenn das Floß dann angelandet war und verkauft werden sollte, schlug man einfach mit einem Beil diese Holztaue durch und hatte gleich die notwendige Anzahl an Balken“, so Hartlieb.

Für das Rathaus in Dettelbach waren etwa 600 Festmeter, umgerechnet 600 Kubikmeter, an Holz verbaut worden. Geschlagen wurden dafür allerdings gut 1000 Festmeter, denn das durch das Wasser aufgeschwemmte Holz war nicht immer unbedingt für Dachstühle geeignet. Das fand dann Verwendung für Verzierungen und Intarsien, die sich im gesamten Rathaus verteilen. Nach gut eineinhalb Stunden war die Führung beendet, und Konrad und Hartlieb beantworteten noch viele Fragen ihrer Besucher.

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