Kitzingen

Der Martini-Sonntag steht mittelfristig auf der Kippe

Der Martini-Sonntag erfüllt schon lang nicht mehr die Anforderungen an einen Markt. Der Stadtrat drückt zwar ein Auge zu, fordert aber vom Stadtmarketingverein zu handeln.
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Bummeln am Martini-Sonntag: Noch bleibt es beim verkaufsoffenen Sonntag im November in Kitzingen. Aber der Stadtmarketingverein muss sich ein neues Konzept überlegen. Foto: Helmut Beer (Archiv)

Eine strittige Grundsatz-Diskussion entspann sich in der Stadtratssitzung am Donnerstag in Kitzingen um den Martini-Sonntag. Der Hintergrund: Seit über fünf Jahren erfüllt er die gesetzlich vorgegebenen Anforderungen an einen Markt- oder Messetag nicht mehr. Geblieben ist lediglich ein Sonntag, an dem die Geschäfte geöffnet haben. Doch das ist nicht Sinn eines Markttages. Vielmehr muss es eine attraktive Veranstaltung geben, die die Besucher in Scharen anzieht. Sozusagen als Nebenprodukt dürfen dann auch die Läden am Sonntag ihre Waren verkaufen. 

Diese rechtliche Lage verdeutlichte die Rechtsdirektorin der Stadtverwaltung, Susanne Schmöger, dem Stadtrat und dem als Zuhörer anwesenden Vorsitzenden des Stadtmarketingvereins, Frank Gimperlein. Ihrer Ansicht nach ist die Rechtslage klar; die Rechtsprechung der Gerichte und die Haltung der Staatsregierung seien in diesem Punkt restriktiver geworden. Über Jahre habe die Stadtverwaltung ein Auge zugedrückt. Allerdings hätten viele Gespräche mit den Geschäftsleuten keinen Fortschritt gebracht. Versuche, einen Gesundheits- oder einen Gourmet-Markt zu etablieren, seien gescheitert. Es reiche eben nicht, einen Bratwurst-Stand und ein Karussell hinzustellen.

Stadtratsmehrheit will den Händlern helfen

Dem gegenüber stand die Haltung der großen Stadtratsmehrheit, den Einzelhandel in der Stadt zu unterstützen und alle vier verkaufsoffenen Sonntage im Jahr zu erhalten. Die Räte machten verschiedene Vorschläge: eine neue attraktive Veranstaltung zu entwerfen, die Einkaufsmärkte an der Peripherie auszuschließen und den Markt auf die Altstadt zu begrenzen, das Gespräch mit den Einzelhändlern zu suchen. Alle einte die Überzeugung, dass Kitzingen die maximal vier erlaubten verkaufsoffenen Sonntage im Jahr ausschöpfen sollte, um Besucher anzuziehen, die Geschäfte zu unterstützen und auch für die Mitbürger attraktiv zu bleiben.

Schließlich gestattete das Gremium auch dem Stadtmarketingverein-Vorsitzenden zu reden. Frank Gimperlein wollte zuerst darauf hinweisen, dass ein vom Verein beauftragter Jurist sehr wohl Spielraum in der Auslegung der Gesetze für den Martini-Sonntag sah. Doch dies auszuführen, untersagte ihm Oberbürgermeister Siegfried Müller, der auf die seiner Ansicht nach klare rechtliche Haltung der Stadt verwies. So blieb Gimperlein die inhaltliche Argumentation: 95 Prozent der Händler hätten sich in einer Abfrage für die Beibehaltung des Martini-Sonntags ausgesprochen. Für viele sei der Tag zu Beginn der kalten Jahreszeit der umsatzstärkste im Jahr. Das Gros der Besucher decke sich bei dieser Gelegenheit mit Wintermode ein. Außerdem kämen diese Gäste überwiegend von außerhalb nach Kitzingen, wovon wiederum die ganze Stadt profitiere.

Stadtmarketingverein ist jetzt am Zug

Am Ende war die Entscheidung klar: Der Stadtrat entschied trotz einer gegenteilig lautenden Vorlage der Stadtverwaltung mit 21:7 dafür, den Martini-Sonntag beizubehalten. Allerdings hatten mehrere Redner Gimperlein mitgegeben, den Tag künftig so zu konzipieren, dass er den rechtlichen Anforderungen genüge. OB Müller kommentierte das lakonisch: "Dann lassen wir uns mal überraschen, ob etwas kommt."

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