Am Samstagabend wusste Katharina noch nicht, dass sie 15 Stunden später in ein farbenfrohes Bad der Gefühle eintauchen würde. Ein Link im Internet reizte die junge Frau aus dem Raum Bad Windsheim so sehr, dass sie am Sonntag ganz spontan mit zwei Freunden in den Dettelbacher Mainfrankenpark düste.

Auf dem Openair-Gelände der Discothek Capitol ging zehn Stunden lang die Post ab. Beim "Farbgefühle Festival 2012" ließen mehrere tausend junge Leute die Farben sprechen.

Diverse DJs heizten der begeisterten Menge dazu mit elektronischer Musik mächtig ein. Katharina und ihre beiden Freunde Anna und Tobias waren mittendrin in dem prächtigen Farbenmeer, das die Besucher im Sekundentakt mit ausgelassenen Partywellen überspülte.

"Eigentlich wollten wir am Wochenende nach Berlin fahren", gibt Katharina zu. Ein Event-Eintrag bei Facebook stimmte die Auszubildende, die in einem Steuerbüro arbeitet, und ihre Freunde um. Schon an der Abendkasse ergatterten sie ihre Tickets für das Farbgefühle-Festival. Ihr Kommen haben alle drei Bad Windsheimer nicht bereut. "Das ist eine saugeile Stimmung und es sind megaviele Leute da", schwärmt Anna von dem außergewöhnlichen Event.

"Wir haben einfach alle Farben wild durcheinander auf uns drauf geworfen", sagt die angehende Abiturientin nach drei Stunden in der überdimensionalen Farbendusche. Ihr kunterbuntes Outfit lässt keine Zweifel an ihrer Aussage. Wie der Sand in der Sahara überzieht der farbige Staub die Menge. Katharinas Begleiter Tobias schwärmt: "Das ist eine tolle Atmosphäre hier." Die Idee zur Farbenparty findet er besonders cool.
Dass das Farbgefühle Festival im Mainfrankenpark stattfinden kann, dafür ist Pascal Kraus verantwortlich. Der Student aus Würzburg hat bereits vor zwei Wochen ein Farbenspektakel in Heidelberg veranstaltet - mit riesigem Erfolg. "Ich bin nachts um halb vier aufgewacht und konnte nicht mehr schlafen", erinnert er sich an die Geburtsstunde des Farbenfestivals. Beim nächtlichen Surfen im Internet wandert ihm zufällig das indische Holi-Fest auf den Bildschirm, "eines der ältesten Feste überhaupt und das farbenfreudigste von allen". Seine Arbeitskollegen bekräftigen den Master-Anwärter (Business-Administration) und schon ist der Startschuss gefallen.

Vom Winde verweht


"Am nächsten Tag habe ich bei den Behörden angerufen, um die Bedingungen für ein Farbenfest abzuklären." Farbbeutel hat Kraus auf dem Freigelände am Capitol bislang noch nicht abbekommen. "Ich muss ja das Ganze organisieren", freut er sich zu früh. Ein sanfter Blauton hat sich zu dem Weiß seines T-Shirts gesellt - dank Mithilfe eines lustigen Partygängers. Auf dem Festivalgelände wird jeder von dem colorierten Virus angesteckt, denn der kräftige Wind sorgt dafür, dass das Farbpulver überall bunte Tupfer hinterlässt.

Die Kälte nervt indes Tobias ein bisschen. Während seine Begleiterinnen tapfer durchhalten, gibt er fröstelnd zu: "Es könnte ruhig etwas wärmer sein. Und der Regen müsste auch nicht sein." Auch Jule aus Bad Mergentheim, die das Spektakel gerade von der Tribüne beobachtet, ist es kalt. Trotzdem ist sie glücklich: "Es ist einfach schön, sich mal keine Gedanken machen zu müssen und sich mit Farbe zu bewerfen." Ihre Freundinnen Juliane und Anni sehen nur Positives, besonders die bunten Leute. Einziger Negativpunkt ist für sie das Nass, das in regelmäßigen Abständen vom Himmel prasselt.

Die paar Regentropfen können den Farbpäckchen nichts anhaben, erklärt Pascal Kraus. Im Gegenteil, feucht mache es den Leuten noch mehr Spaß. Bei den Farben hat der Organisator auf die Umweltverträglichkeit geachtet. Es handelt sich um Kräuterpulver, das aus Indien importiert wurde, sowie um mit Lebensmittelfarbe gefärbtes Maismehl. "Alle Farben sind hautverträglich, wasserlöslich und lassen sich leicht auswaschen." Ein sanftes "Pink" ist seine persönliche Lieblingsfarbe. Grellen synthetischen Farben erteilt er eine klare Absage.

Anfang September tuckert der verrückte Farbenzug weiter nach Regensburg, zum dritten Event in diesem Sommer. "Bisher hat das super Spaß gemacht und alle Veranstaltungen waren so gut wie ausverkauft", sagt Kraus, der nach der Resonanz jetzt erst richtig "Blut geleckt" hat: "Weitere Städte sind in Planung." Ob Katharina Baier und ihre Freunde wieder dabei sein werden, steht noch nicht fest. Wenn es Arbeits- und Freizeitplanung zulassen, dann wollen sie auf alle Fälle ein zweites Mal ins absolut stressfreie Farbenbad der Gefühle eintauchen.