KITZINGEN

Der Landkreis von seiner närrischen Seite

Im Kitzinger Fastnacht-Museum bildet eine Sonderausstellung das jahrhundertelange Fastnacht-Treiben im Landkreis Kitzingen ab.
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Landrätin mit Durchschlagskraft: Tamara Bischof darf zur Eröffnung der Sonderausstellung „Wir sind Fastnacht!“ einen mit Faschings-Wurfmaterial gefüllten Ballon zum Platzen bringen. Foto: Foto: Frank Weichhan
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Am Anfang war . . . Iphofen. Der früheste urkundliche Beleg, dass im Kitzinger Land die Fastnacht gefeiert wurde, stammt aus dem Spätmittelalter. Bereits 1465 waren in Iphofen die Narren los. Rund 100 Jahre später finden sich dann auch für die Stadt Kitzingen erste närrische Hinweise.

Es ist ein farbenfroher Ritt durch die Jahrhunderte, den die neue Sonderausstellung des Kitzinger Fastnacht-Museums zeigt. Unter der Überschrift „Wir sind Fastnacht! – Gestern, heute und morgen im Kitzinger Land“ werden große Entwicklungen und kleine Kostbarkeiten aus dem gesamten Landkreis gezeigt.

Die Landrätin als Cowboy

Sowohl Privatpersonen als auch alle Karnevalsvereine waren aufgerufen, sich mit Leihgaben an dem Projekt zu beteiligen, das in Zusammenarbeit mit dem Landkreis Kitzingen entstanden ist. Dazu kam der Gang in diverse Archive, um an einem Zeitstrahl genau zeigen zu können, wie sich die Fastnacht entwickelt hat.

Die Vorbereitungszeit dauerte fast ein Jahr, wie Museumsleiterin Daniela Sandner bei der Vernissage am Montagabend im Keller des Museums betonte. Landrätin Tamara Bischof hob hervor, dass der Landkreis in Sachen närrischem Treiben längst „ein Magnet“ sei und einen „besonderen Stellenwert“ habe – allein schon wegen des Museums und der gleich nebenan demnächst öffnenden Fastnacht-Akademie. Die Sonderausstellung lasse bei den Besuchern „schöne Kindheitserinnerungen“ aufkommen. Wobei die Landrätin bekannte, als kleines Mädchen nicht nur als Prinzessin den Fasching gefeiert zu haben – sondern auch als Cowboy.

Fest in närrischer Hand

„Erinnerungen sind die wahren Schätze unseres Lebens“, betonte Hans Driesel, der künstlerische Leiter der Ausstellung. In seinem launigen Eröffnungsvortrag umgab sich der Schweinfurter, der seit Jahrzehnten in der Fastnacht aktiv ist und sich als „Kitzinger mit Migrationshintergrund“ sieht, mit bekennenden Fastnachtern wie Goethe, Hans Sachs und Hans-Joachim Schuhmacher, dem Vater der Museums.

Es bestehe kein Zweifel, so Driesel, dass „Franken die Urzelle der Fastnacht ist“. Die Luitpoldstraße in Kitzingen sei durch das Museum und die Akademie fest in närrischer Hand. Mit Blick auf Bernhard Schlereth, der als Hausherr und Präsident des Fastnacht-Verbandes Franken ebenfalls die Bedeutung Kitzingens für die Narren hervorhob, holte Driesel zu einer kleinen Anekdote aus: „Wenn Bernhard Schlereth durch Kitzingen gehe und länger als eine Minute vor einem Haus stehen bleibe, würden die Bewohner Fracksausen bekommen und sich fragen: Hat der unser Haus jetzt auch gekauft?“

Berechtigtes Augenzwinkern

Ein durchaus berechtigtes Augenzwinkern, umfasst doch der Fastnacht-Komplex in der Luitpoldstraße inzwischen drei Häuser. In einem davon wird noch im November die Akademie ihren Betrieb aufnehmen – pünktlich zum Start in die närrische Zeit.

Ansprechpartnerin und Organisatorin der geplanten Seminare ist dann Romana Wahner, die bei der Ausstellungseröffnung den Vereinen versprach, „für jeden ein passendes Seminar“ anbieten zu können. Ob dann die Iphöfer auch wieder die Ersten sind, bleibt abzuwarten – verwundern würde es aber nicht.

„Wir sind Fastnacht“, Sonderausstellung im Fastnacht-Museum Kitzingen, bis 21. Dezember täglich außer montags zu den regulären Öffnungszeiten von 13 bis 17 Uhr. Gruppen nach Vereinbarung unter Tel. (0 93 21) 2 33 55.

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