Kitzingen

Der Knast ist nur drei Joints entfernt

Aus dem Gericht: Knapp an der Haft vorbeigeschrammt ist ein 22-Jähriger. Er hatte Joints an eine Minderjährige weitergegeben. Und vielleicht sogar Amphetamin?
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Symbolfoto Joint und Cannabis. Foto: Thinkstock

Weil er dreimal seinen Joint an eine 17-Jährige weitergegeben hat, saß ein 22-Jährige jetzt vor dem Schöffengericht. Wegen der unerlaubten Weitergabe von Betäubungsmitteln an eine Minderjährige wurde der einschlägig vorbestrafte Mann zu zehn Monaten Freiheitsstrafe verurteilt – auf Bewährung. Dabei hatte er noch Glück. Das Verfahren wäre anders ausgegangen, wenn es nach dem Staatsanwalt gegangen wäre.

Der hatte 19 Monate Freiheitsstrafe ohne Bewährung gefordert. Die Anklage war am Ende der Verhandlung von drei Joints ausgegangen, die der Mann in verschiedenen "Kifferrunden"  an die Jugendliche weitergegeben hatte. Der Staatsanwalt war aber auch überzeugt, dass er das Mädchen  mit Amphetamin versorgt  hat, weil die das "cool" fand. Weil die Polizei  im Auto des Angeklagten zudem eine geringe Menge Marihuana gefunden wurde, kam er auf die 19 Monate. Bewährung sah er nicht: "Es spricht nichts für den Angeklagten."

"Es gab Kifferrunden und da wurden Joints gebaut und weitergegeben, mehr wissen wir nicht."
Anwalt des angeklagten 22-Jährigen

"Einen völlig überzogenen Antrag", nannte das die Verteidigung. "Es gab Kifferrunden und da wurden Joints gebaut und weitergegeben, mehr wissen wir nicht", sagte der Verteidiger. Die Behauptung des Angeklagten, das mit dem Amphetamin sei ein Spaß und Traubenzucker gewesen, sei nicht zu widerlegen. Zudem stehe nicht einmal fest, ob der Angeklagte zum Tatzeitpunkt schon Erwachsener oder noch Heranwachsender war. Damit wäre das Jugendgericht zuständig. "Eine milde Sanktion nach dem Jugendstrafrecht", sei für ihn der richtige Weg.

Den ging das Schöffengericht nicht mit. Die Taten seien in den Sommerferien 2018 passiert und damit nach dem 21. Geburtstag des Angeklagten. Die Sache mit dem Amphetamin sah das Gericht allerdings ähnlich. "Der Nachweis, ob es sich um Amphetamin gehandelt hat, ist nicht zu führen", sagte die Vorsitzende des Schöffengerichts. Der Freispruch in diesem Punkt rettete den Mann vor dem direkten Weg ins Gefängnis. Für den Rest hielt das Gericht zehn Monate für angemessen. Der Mann bekommt drei Jahre Bewährung. Er muss für zwei Jahre drogenfrei bleiben und das nachweisen. Und 100 Sozialstunden kommen oben drauf.

17-Jähriger ging es immer schlechter

Das ist das Ergebnis einer Verhandlung, bei der sich ehemalige "beste Freundinnen und Freunde" sowie enttäuschte Geschäftspartner des Angeklagten als Zeugen wiedersahen und Einblicke in den Sommer 2018 gaben. Da traf man sich zu "Kifferrunden", wie sie der Staatsanwalt bezeichnete. Es wurde getrunken und geraucht und dann machte auch ein Joint die Runde. "Alles ganz normal", sagte die 17-Jährige, die mit dabei war und zu dieser Zeit große Probleme hatte. "Sie war fertig", sagte eine Freundin. Dass es der 17-Jährigen immer schlechter ging, sei mit die Schuld des Angeklagten gewesen.

Nachdem es bei einer Geburtstagsfeier zur Übergabe des Amphetamins bzw. Traubenzuckers kam, gingen zwei der Freundinnen zur Polizei. Es gab Ermittlungen und die Anklage, die von sechs Fällen der Weitergabe von Drogen ausging. Von denen blieben am Ende drei.

Schule abgebrochen, jetzt sitzt er auf Schulden

Und die gehen auf das Konto eines Mannes, der nichts sagte, über den aber viel gesagt wurde. Der Mann wirkt selbstbewusst, hat aber bisher nicht viel auf die Reihe gebracht. Die Schule hat er abgebrochen, Ausbildung – Fehlanzeige. Er hat sich als Selbstständiger im Eventmanagement versucht. Dabei hat er, wie ein ehemaliger Geschäftspartner sagte, "alles zerlegt, was zu zerlegen ist". Jetzt sitzt er auf Schulden.

Was ihn aber beinahe ins Gefängnis gebracht hatte, war der unerlaubte Handel mit Betäubungsmitteln, für den er 2016 zu zwei Wochen Jugendarrest verurteilt worden war. An dessen Ende stand im Entlassungsschein die optimistische Aussage, dass er sein Leben auf die Reihe kriegen könne. Geschafft hat er das auch drei Jahre später nicht. Ganz im Gegenteil. Die Bewährung gibt ihm eine weitere Chance – wieder für drei Jahre.

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