MARKT EINERSHEIM

Der Kampf um das beste Personal

Gemeinden werden künftig noch härter mit der Wirtschaft um die fähigsten Mitarbeiter konkurrieren – und dabei nach Ansicht von Iphofens Bürgermeister schlechte Karten haben.
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Es wirkte wie ein Casting vor größerem Publikum. Dabei waren die Bewerber schon allesamt Gewinner. Die sich da am Donnerstagabend in der Halle des Markt Einersheimer Rathauses präsentierten, waren die neuen Mitarbeiter der Verwaltungsgemeinschaft Iphofen. Der Reihe nach stellten sich die Fünf den Bürgermeistern und Abgesandten der vier Mitgliedsgemeinden Iphofen, Rödelsee, Willanzheim und Markt Einersheim vor – Symbolfiguren für das, womit sich die VG-Versammlung im Anschluss befasste.

Es war die routinemäßige Sitzung, auf der jedes Jahr vor Weihnachten über den Haushalt abgestimmt und weitere wichtige Dinge entschieden werden – gemeinsam, meist einvernehmlich, stets in Harmonie, wie es sich für eine „gute VG“ gehört. Diesmal aber stand auf der Agenda mehr als ein nüchternes Zahlenwerk, diesmal ging es um die Menschen dahinter, um das „Humankapital“, wie Rödelsees Bürgermeister Burkhard Klein sagte. Und in dieser Hinsicht, so fügte er gleich hinzu, sei man gut aufgestellt.

Gutes Geld für gute Arbeit

Nicht nur Klein kennt die Stimmen, dass der Verwaltungsapparat in Iphofen zu groß sei; auch der VG-Vorsitzende, Iphofens Bürgermeister Josef Mend, muss sich hin und wieder dafür rechtfertigen. Kritikern hält Mend entgegen: „Wir brauchen die Verwaltung in dieser Größe, um alle Aufgaben bewältigen zu können.“ Klein sieht das genauso: „In jeder Gemeinde brummt es. Jeder hat große Projekte. Was wir nicht brauchen, sind überlastete Mitarbeiter.“ Die Personalkosten im 1,7 Millionen Euro großen Haushalt werden im nächsten Jahr leicht steigen. „Gutes Geld für gute Arbeit“, wie Klein sagt.

Dabei sieht Mend die Kommunen in einem Punkt entscheidend im Nachteil. Noch nie habe die VG Iphofen eine solche „Dichte an fachlich ausgebildetem, qualifiziertem Personal“ besessen. „Das Problem, das wir kriegen werden, ist der Wettbewerb mit der Wirtschaft. Wir hinken mit unseren Tarifverträgen weit hinterher.“ IT-Fachleute etwa, die auf dem Weg in die digitale Zukunft händeringend gesucht werden, würden von der Wirtschaft systematisch abgegrast. „Was wir Kommunen ihnen zahlen können, ist lächerlich wenig.“

Kein reicher Dagobert mit armen Neffen

Personalmanagement ist laut Klein „das A und O, wenn man erfolgreich sein will“. In dieser Hinsicht sei Mend der „Kopf eines erfolgreichen Unternehmens“. Die Einwohnerzahl innerhalb der VG Iphofen ist seit der Jahrtausendwende stetig gewachsen: von 8800 auf 9200. Massiv gestiegen ist in dieser Zeit aber auch die Umlage der vier Gemeinden von 80 Euro pro Kopf auf demnächst 146 Euro. Klein betonte trotz der strukturellen Unterschiede das „gute Miteinander“. Es gebe nicht den reichen Onkel Dagobert auf der einen Seite und die armen Neffen auf der anderen. Auch Mend sagte, das Modell der Verwaltungsgemeinschaft sei „für uns alle die beste Lösung“.

Soviel zahlen die Gemeinden für ihre Verwaltung

Von den 1,35 Millionen Euro an ungedeckten Kosten im neuen Haushalt wird die Stadt Iphofen mit 680 000 Euro den Löwenanteil tragen. Der Rest verteilt sich auf Rödelsee (258 000 Euro), Willanzheim (244 000) und Markt Einersheim (176 000). Insgesamt liegen die Ansätze um rund drei Prozent höher als in diesem Jahr. Rund 2000 Euro fließen in einen Scanner, mit dem künftig alle Kassenbelege erfasst werden sollen. „Das ist der Einstieg in die Digitalisierung“, sagte VG-Geschäftsstellenleiter Leo Eckert.

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