Albertshofen

Der Glückliche oder der arme Hund?

Es kommt im Leben oft darauf an, aus welchem Blickwinkel man eine Sache betrachtet. Beim traditionellen Wasentanz, den es seit 1882 in Albertshofen gibt und heuer in 130. Auflage auf der Lohwiese über die Bühne ging, schieden sich die Geister über die grünen Bändchen an der Brust von zwei Burschen. Denn die grünen Bändchen symbolisieren eine anstehende Hochzeit und damit das letzte Mal der Teilnahme am Wasentanz
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Den tiefsten Knicks machte Bastian Uhl (rechts) als er seine Wasenbraut Susanne Stuckert zum Tanz bat. Foto: Hartmut Hess
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Es kommt im Leben oft darauf an, aus welchem Blickwinkel man eine Sache betrachtet. Beim traditionellen Wasentanz, den es seit 1882 in Albertshofen gibt und heuer in 130. Auflage auf der Lohwiese über die Bühne ging, schieden sich die Geister über die grünen Bändchen an der Brust von zwei Burschen. Denn die grünen Bändchen symbolisieren eine anstehende Hochzeit und damit das letzte Mal der Teilnahme am Wasentanz

Der Fröhstockheimer Sebastian Schemm tanzte mit der ehemaligen Weinprinzessin Christina Kögler als eines der 25 Tanzpaare. "Schau der Glückliche", kommentierte eine Frau die Bändchen. Aus den Zuschauerreihen raunzte sofort ein Herr der Schöpfung hinterher; "Von wegen der Glückliche, das ist doch ein armer Hund". Wer denn mit seiner Einschätzung Recht hatte oder haben wird? – die Zukunft wird’s zeigen.

Ausgebrochenes Heiratsfieber

Die mehreren hundert Schaulustigen bemerkten, dass die Anzahl der Wasenpaare sich heuer mit 25 in Grenzen hielt, schuld daran war ein ausgebrochenes Heiratsfieber seit der vergangenen Kirchweih. Denn acht Wasentänzer des Vorjahres trugen heuer keinen Anzug mehr, sondern an einer Stange einen Hahn auf die Lohwiese. Denn verheiratete Burschen werden mit dem Abschied aus dem Junggesellenleben zu Göikerern, wie die verheirateten Burschen genannt werden.

Der Vorsitzende des Brauchtumsvereins, Philipp Wenkheimer füllte mit seinen 32 Jahren heuer als ältester Bursche in der Rolle des Anführers mit seiner Herzallerliebsten, der ehemaligen Weinprinzessin Regina Ehrlich. Mit 17 Wasentänzen hat er reichlich Erfahrung, ganz im Gegensatz zu Dominik Sattes und Christina Schraut, die als 14-Jährige ihre Wasen-Premiere feierten. Gemäß der Tradition ist die Teilnahme ab der Konfirmation möglich und mindestens der Bursche oder die Wasenbraut müssen aus Albertshofen stammen. "Naja, ist so gegangen", beschrieb Dominik Sattes seinen Tanzkünste beim Wasenziehen.

Immer wieder die gleiche Melodie

Die 25 Wasenpaare führten unter den Klängen der Großlangheimer Musikanten auf, wobei die Musiker ebenfalls gefordert sind, haben sie doch rund 20 Minuten lang ohne Unterbrechung immer wieder die gleiche Melodie zu spielen. Als Wasenbraut war auch die amtierende Weinprinzessin Emmi Wendemuth dabei und Nico Braun führte die Bürgermeister-Tochter Sarah Reuther auf die Lohwiese. Das Ende der Polonaise markierte das mit weißen Hemden gekleidete Barthelsträger-Quartett Lukas Kahl, Benjamin Forster, Mario Schmer und der Oberbursch der Burschenschaft, Patrick Uhl. Sie schleppten einige Wein-Seidle herbei für die durstenden Burschen, sahen als Lauchstangen-Träger ulkig aus und zeigten akrobatische Einlagen.

Nachdem die Paare auch den Walzer erfolgreich geschafft hatten, schloss dich dem Wasentanz wie gewohnt das Göikerschlagen an, das eine große Gaudi war. Für einen guten Zweck versuchten sich die Mitmacher darin, mit verbundenen Augen eine Holzstange fallen zu lassen und damit einen Tontopf zu treffen.  

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