DREI-FRANKEN-ECK

Der Drei-Franken-Stein-Weg

Er reibt sich die Hände. Und grinst voller Vorfreude, fast wie ein Lausbub. Wenn das Laub sich bunt verfärbt hat, der Herbstwind über die Kuppen des Steigerwaldes pfeift und herrliche Düfte aus dem Wirtshaus ins Land trägt, dann gibt?s für Karl Scholl, genannt Charly, kaum mehr ein Halten. „Alle Jahreszeiten sind super zum Wandern. Aber der Herbst ganz besonders“, sagt der 66-jährige Burghaslacher. Er ist der Geschäftsführer des Steigerwaldklubs e.V. und leidenschaftlicher Wanderführer. Wahrscheinlich kennt keiner den Steigerwald so gut wie er. Genau deshalb steht der Mittelfranke nun früh um halb neun Uhr auf dem Geiselwinder Marktplatz und winkt den gebürtigen Oberfranken Josef Körner zu sich heran. Außerdem eine Unterfränkin: mich.
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Bücken zum Erfrischen: Das Jakobs(wegs)brünnle in Schlüsselfeld ist miniklein. Foto: Diana Fuchs
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p>„Ich zeig? Euch jetzt die schönsten Stellen vom Drei-Franken-Stein-Weg!“ Charly, Josef, der die Geschäftsstelle der Kommunalen Allianz Drei-Franken-Eck leitet, und ich sind gleich per Du. „Wandersleut? sagen nicht ?Sie? zueinander.“

 

Der Charly muss es wissen: Er hat schon ganze Heerscharen durch Wald, Feld und Flur geführt und ihnen, nicht zuletzt, die Gastfreundschaft der Franken vor Augen geführt. „Das Schöne am Wandern ist: Es ist sowohl Natur- als auch Gemeinschaftserlebnis“, findet der Mittelfranke.

Weil der Weg mehr als 50 Kilometer lang ist, braucht man zu Fuß mindestens zwei Tage, um die beiden Drei-Franken-Steine zu umrunden – den alten aus dem Jahr 1892 und den neuen, der seit der Gebietsreform Anfang der 70er Jahre den Berührungspunkt von Mittel-, Ober- und Unterfranken darstellt. Wir haben aber nur ein paar Stunden Zeit. Also muss das Auto herhalten. „Wir fahren abwechselnd ein Stück – und dann laufen wir zu den Höhepunkten des Wegs“, legt Charly fest.

Erster Stopp ist bei Ebersbrunn. Über dem Feldweg, der in den Mischwald hineinführt, liegt der Morgennebel wie eine dünne Daunendecke. Es ist frisch, die Luft ist gut. Die Laune auch. Gelbe Schilder weisen den Weg. „Rundwanderwege haben immer einen gelben Hintergrund“, erklärt Charly. „Das ist so festgelegt. Und Fernwanderwege sind immer weiß grundiert.“

Wie wir so übers Moosbett laufen, leicht bergan, vorbei an Fliegen- und Steinpilzen, Hochsitzen und frisch gefällten Stämmen, müssen wir aufpassen, dass wir ihn nicht übersehen, den alten Drei-Franken-Stein. Die grün schimmernde Sandsteinsäule, die bis 1972 den Punkt anzeigte, an dem die drei fränkischen Bezirke zusammenstießen, reicht uns nicht einmal bis zur Schulter. Gemeinsam entziffern wir die alten Inschriften.

Über die Ebersbrunner Mühle geht es hinauf zur Großbirkacher Kirche, die auf einer Anhöhe thront. Fasziniert blicken wir hinunter ins Tal. Ein paar vereinzelte Sonnenstrahlen dringen durch den Nebel und tauchen die Landschaft in ein mystisches Licht. „Das ist eine Besonderheit des Drei-Franken-Stein-Wegs“, meint Charly. „Weil es ein Rundweg ist, der 800 Höhenmeter überwindet und über Hügel und durch Täler führt, hat man von erhöhten Positionen aus immer wieder einen Spitzenausblick. Man sieht den Weg quasi immer aus anderen Perspektiven.“ Am Wegesrand locken zudem echte Raritäten. Bei Füttersee zum Beispiel steht eine mächtige Eiche, die Kaisereiche, die von Kaiser Karl dem Großen gepflanzt worden sein soll. Sagenhaft.

Neugrub und Holzberndorf lassen wir hinter uns und marschieren hinauf zur St. Gallus-Kirche in Hohn am Berg. Hier öffnen wir unsere Rucksäcke und genießen einen heißen Schluck, während wir ins obere Tal der Reichen Ebrach blicken. Es scheint, als hätte die Natur unter uns einen Teppich ausgebreitet, der in allen Farben schimmert, von Goldgelb über Orange und flammend Rot bis hin zu Grün und Braun.

Als wir das Schlüsselfelder Stadttor passieren, ist es schon nach Mittag. Aus Zeitgründen können wir die malerische Altstadt nicht gebührend bewundern, ebenso wenig wie Burghaslach mit seinem Schloss und der alten Sandsteinbrücke. Am Walderlebnis-Spielplatz Burghaslach-Fürstenforst machen wir Rast. Mit kleinem See, Grill- und Spielmöglichkeiten ist die Anlage ein Idyll.

Josef und ich hätten nichts gegen einen Einkehrschwung in einem kleinen Dorfgasthof, aber Charly treibt uns vorwärts. Der agile 66-Jährige hat später noch einen Termin – er will eine Wandergruppe begrüßen, was sonst. Am Schwedenkreuz vorbei, gelangen wir über die alte Hochstraße zum neuen Drei-Franken-Stein, zwischen Freihaslach und Seeramsmühle. Die Sonne lugt durch die Wolken und taucht den 2,5 Tonnen schweren Findling mit den drei eingemeißelten Franken-Wappen in goldrotes Licht. Eins ist klar: Der Dreiklang aus netter Gesellschaft, Entschleunigung und Natur überzeugt. Drei-Franken-Stein-Weg, wir kommen wieder! Zu Fuß. Und ganz ohne Zeitdruck.

Info: Der Drei-Franken-Stein-Weg kann auch als Drei- bis Fünftages-Paketwanderung mit Gepäckbeförderung organisiert werden. Alle Infos gibt es online: www.drei-franken-info.deWeitere Fotos: www.infranken.de

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