Albertshofen

Der Bürgermeister wehrt sich mit Händen und Füßen

Vernünftige Narren: Die Albertshöfer gehen den Regen aus dem Weg und verlegen den Rathaussturm in die Gartenlandhalle.
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Seine Premiere als Anführer des Närrischen Volks beim Rathaussturm hatte Philipp Wenkheimer (von links). Bürgermeister Horst Reuther wehrt sich mit Händen und Füßen ehe er den Rathausschlüssel an Gesellschaftspräsident Elmar Gimperlein herausrückt. Foto: Hartmut Hess
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Auch wenn am Sonntag Dauerregen herrschte, blieben die Narren des Höpper-Elfers und ihre auswärtigen Mitstreiter beim Albertshöfer Rathaussturm trocken. Denn die Narren um ihren Gesellschaftspräsidenten Elmar Gimperlein verlegten den Sturm kurzerhand vom Rathaus in die Gartenlandhalle, wo der neue Sitzungspräsident Philipp Wenkheimer seine Premiere als Anführer des Rathaussturms erlebte. "Da hat der Bürgermeister heute einen Haufen Geld gespart, weil er keine Schoppen einschenken musste", konstatierte Elmar Gimperlein und spekulierte auf einen Nachtrunk zu gegebener Zeit.

Erst machte sich der schwarze Horst von der Bühne herab lustig über eine große Schar von Narren, die in Albertshofen zum Rathaussturm angerückt war. Doch mit Philipp Wenkheimer an der Spitze eroberte die bunte Narrenschar am Sonntag das Sagen in der Gemeinde. Und auch wenn sich Bürgermeister Horst Reuther mit Händen und Füßen wehrte, rückte er doch den Rathausschlüssel heraus.

"Neue Besen kehren gut, ich hab als neuer Präsident den Mut", sagte Philipp Wenkheimer und bot Horst Reuther damit die Stirn. Er rief seine närrischen Mitstreiter auf zum "Sturm mit Helau, damit wir diese Bagage festsetzen in diesem Bau", so Wenkheimer. "Kaum ist das Jahr vorbei, ertönt vor unserem Ratshaus schon wieder Helau und Geschrei", räusperte sich der Bürgermeister, zumal der bunter Haufen nur wolle "billig fressen und saufen".

Kitzinger schmollen wegen des Radwegs

Derweil fuhr Philipp Wenkheimer verbal schwere Geschütze auf, hielt er den Dorfoberen doch vor, sich mit dem Bau des Radwegs ins Nichts schwere Schuld auf sich geladen zu haben. Denn die Albertshöfer Räte und allen voran Horst Reuther hätten ihre Kitzinger Kollegen derart geärgert, dass der gesamte Kitzinger Stadtrat schmolle. "Für die Medien wars ein gefundenes Fressen, das werden euch die Kitzinger lange nicht vergessen", meinte der Sitzungspräsident nach der Reimvorlage von Thilo Gernert, zumal halb Deutschland über Kitzingen gelacht habe.

Dass die Kitzinger schon vor 40 Jahren ins Fäustchen gelacht hätten, schnitt Horst Reuther. Denn die Flächen, auf denen heute das Postfrachtzentrum, Netto und Kaufland stehen, hätten einst den Albertshöfern gehört, die es sich damals für ein Butterbrot hätten abkaufen lassen und die Stadt Kitzingen habe den Reibach gemacht. "Streng genommen, müssten die Kitzinger für den gesamten Fahrradweg aufkommen", stellte Horst Reuther in den Raum. Der Bürgermeister gab frech von sich, genug Vorräte im Haus zu haben und daher nicht aufgeben zu wollen, doch bald danach gab er angesichts des drohenden Donnerhalls der Narren kleinlaut bei: "Bloß kein Feuer, der Wiederaufbau kommt viel zu teuer."

Gähnende Leere in der Kasse

In der Gartenlandhalle stießen die Narren mit ihrem Prinzenpaar Julia Sieber und Konrad Nehm auf das erfolgreiche Stürmen des Rathauses an. Philipp Wenkheimer behielt mit seinem Vorwurf der Misswirtschaft im Rathaus Recht, denn in der Kasse, die Horst Reuther herausrückte, herrschte wie gewohnt gähnende Leere.

Mit dem Schlüssel in der Hand gaben die Narren den Ton an, während die Rottendorfer Landsknechte die Ratsmitglieder samt Bürgermeister abführten. Die Narren mit Abordnungen von rund 20 Gast-Gesellschaften feierten hernach eine große Sause und gaben damit den Startschuss in die Session 2019.



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