MAINBERNHEIM

Der Blick auf Glas und Rost

Das Großbauprojekt der kommenden Jahre in Mainbernheim ist wieder einen Schritt weiter: Am Mittwoch stimmte der Stadtrat Mainbernheim dem Entwurf des Architekturbüros Böhm + Kuhn aus Iphofen zur Neugestaltung der beiden Anwesen Schulgasse 5 und 7 zu, wo ein Veranstaltungsraum mit Radlerherberge auf insgesamt 295 Quadratmetern entstehen soll.
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Zentral: Das Torhaus in der Mainbernheimer Schulgasse ist denkmalgeschützt und wird erhalten. Foto: Foto: Timo Lechner
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Das Großbauprojekt der kommenden Jahre in Mainbernheim ist wieder einen Schritt weiter: Am Mittwoch stimmte der Stadtrat Mainbernheim dem Entwurf des Architekturbüros Böhm + Kuhn aus Iphofen zur Neugestaltung der beiden Anwesen Schulgasse 5 und 7 zu, wo ein Veranstaltungsraum mit Radlerherberge auf insgesamt 295 Quadratmetern entstehen soll.

Die Förderanträge sind bereits eingereicht, der Bauantrag kann nach dem einstimmigen gemeindlichen Einvernehmen gestellt werden. Der Entwurf der Architekten bot einige neue Ideen, die in Einzelabstimmungen der Räte mündeten. Wichtigstes Merkmal: Die Glasfront, die zum Kirchplatz hin schaut, wird mit Cortenstahl (wetterfester Baustahl) eingefasst und erhält damit das gleiche „rostige“ Antlitz wie die Skulptur vor der Kirche.

Stimmige Einheit

Eben jenes Kunstwerk war bei seiner Installation vor wenigen Jahren umstritten, mitunter auch wegen seiner rostbraunen Oberfläche. Jedoch verbirgt sich unter der Sichtseite eine besonderes dichte Sperrschicht, die besonders korrosionsbeständig ist. Ein weiteres Element, gestaltet mit jenem Cortenstahl, wird die Fensterreihe unterbrechen. Architekt Walter Böhm schlug diese Art der Gestaltung vor, um zusammen mit dem Kunstwerk eine stimmige Einheit zu bilden, die Räte waren auf Anhieb überzeugt. Was die Kosten angeht, sei diese Lösung ebenso teuer wie die Gestaltung mit Sichtbeton, freilich aber kostspieliger wie eine einfachere Variante mit gewöhnlichem Putz. Wie viel Mehrkosten durch die Verwendung von Cortenstahl entstehen, das konnte der Architekt aus dem Stegreif nicht sagen. Der „Glasbau“ erhält ein Walmdach, der an das Torhaus anschließt. Insgesamt werden so viele historische Wände wie möglich mit in den Neubau einbezogen.

Die Fassade von Westen aus gesehen erhält nun drei gleich hohe Fenster, von denen eines breiter ist. Damit setzte sich nach eifriger Diskussion ein anderer Vorschlag gegenüber dem des Architekten durch, der die Fenster unterschiedlich hoch gestaltet hatte. Ebenfalls genehmigt wurden die Gaubenbänder nach historischem Vorbild, also eine Aneinanderreihung von Dachgauben mit Fenstern.

Den 107 Quadratmeter große Veranstaltungsraum war ursprünglich mit einer großen Stützsäule mittig und zwei weiteren nahe den Fenstern geplant worden. CSU-Stadtrat Christian Zimmermann erinnerte an den Saal im Feuerwehrhaus, in dem sich ebenfalls eine solche in der Mitte befinde, die immer im Weg sei und bat, eine andere Lösung zu finden. Architekt Böhm versprach, sich eine Variante ohne die mittige Säule auszudenken, müsse aber noch einen Statiker dazu befragen.

Die Stadtratssitzung am Mittwoch wurde zeitweilig auch zur Fragestunde für interessierte Bürger. Einer davon war Günter Garenfeld, selbst Archichtekt und „Altstadtfreund“. Garenfeld fragte, ob man einen etwa elf Quadratmeter großen Raum, der direkt über dem denkmalgeschützen Torhaus entstehe, unbedingt für das Radlerhotel nutzen müsse und stattdessen diesen vielleicht für Kultur oder die Darstellung des historischen Mainbernheims verwenden könne. Doch die Räte waren nicht umzustimmen. SPD-Fraktionsvorsitzender Oskar Münzer meinte „Gönnen wir doch einem Übernachtungsgast einen historischen Schlafraum“.

Die Kosten des Projekts belaufen sich laut Architekt auf 1,16 Millionen Euro, wofür die Stadt Mainbernheim im laufenden Jahr einen Kredit in Höhe von 600 000 Euro sowie im kommenden Jahr noch einmal einen ähnlich hohen Kredit aufnehmen muss.

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