MARKT EINERSHEIM

Den Querdenker zieht es nach Berlin

Nach mehr als 19 Jahren verlässt Dekan Martin Ost Markt Einersheim und geht mit 63 in den Vorruhestand. Nach Jahrzehnten auf dem Land zieht es ihn nach Berlin.
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Pfarrer Martin Ost
Abschied: Nach über 19 Jahren verlässt Pfarrer Martin Ost das evangelische Dekanat Markt Einersheim. Foto: Foto: Daniel Staffen-Quandt

Nach mehr als 19 Jahren verlässt Dekan Martin Ost Markt Einersheim – und geht mit 63 in den Vorruhestand. Bequem war er nie und wollte es auch nicht sein, heißt es im Bericht des evangelischen Pressedienstes. Mit seiner Frau zieht es ihn nach Jahrzehnten auf dem Land nun in die Großstadt Berlin.

Martin Ost ist meinungsfreudig, ein Querdenker könnte man sagen. Einer, der auch anstrengend sein kann. Vor allem für die Kirchenleitung. Nun geht der evangelische Markt Einersheimer Dekan in Rente - besser gesagt: er geht mit etwas mehr als 63 Jahren in den Vorruhestand. Seit Mai 1996 ist er in dem kleinen Steigerwald-Dekanat im Amt, länger wollte er nicht mehr: „Zugegeben, wenn ich in den vergangenen Jahren noch einmal eine andere Stelle gefunden hätte, würde ich nicht in Frührente gehen.“ Am 18. Juli wird er mit einem Gottesdienst von der Ansbach-Würzburger Regionalbischöfin Gisela Bornowski verabschiedet.

„„Zugegeben, wenn ich in den vergangenen Jahren noch einmal eine andere Stelle gefunden hätte, würde ich nicht in Frührente gehen.“
Martin Ost scheidender Dekan

Wer sich in diesen Tagen vor der Verabschiedung mit Martin Ost unterhält, erlebt einen in sich ruhenden Menschen. Zumindest im ersten Moment. Als der letzte noch berufene und nicht gewählte Dekan der Landeskirche erlebte er viele Umbrüche, versuchte sie mitzugestalten – als Schriftleiter des Korrespondenzblattes des Bayerischen Pfarrer- und Pfarrerinnenvereins oder als Synodaler der Landeskirche und der EKD. Seine spitze Zunge hat manchen Oberkirchenrat in der Vergangenheit sicher zur Weißglut gebracht. Und den Finger in die Wunde legen kann er bei aller demonstrativen Gelassenheit auch heute noch recht gut.

Zum Beispiel beim Thema Immobilienprogramm der Landeskirche. „Gut, dass man mal alles erfasst, was man so an Gebäuden hat“, sagt er. In der Praxis aber dauere das alles sehr lange – und im Zweifel für manche Gemeinde zu lange, wenn sie ihre Immobilienlast nicht mehr stemmen kann. Auch Markt Einersheim sei davon betroffen. Neben dem maroden und schadstoffbelasteten, aber denkmalgeschützten Pfarrhaus, das nun grundlegend saniert oder abgerissen werden müsste, haben sie noch das Dekanatszentrum, das alte Schulhaus, ein Musikhaus und so weiter. „Das da wenig vorangeht, sorgt für Frustrationen“, findet Ost.

Oder beim Thema Stadt-Land. „Früher war das ländliche Franken in der bayerischen Landeskirche überbewertet“, findet der Dekan. Doch heute würden Entscheidungen oft ohne Rücksprache mit den Landgemeinden in München gefällt – aus einer großstädtischen Perspektive heraus. „Mit der Wirklichkeit bei uns vor Ort hat das dann oft wenig zu tun“, betont Ost. Das gleiche gelte für die Diskussion ums Pfarrerbild. „Es ist schön, dass jetzt überhaupt darüber nachgedacht und diskutiert wird“, sagt er. Nur lasse sich ein Stadt- mit einem Dorfpfarramt kaum unter einen Hut bringen. „Die Verstädterung der Kirche wird weitergehen“, glaubt er.

Ost, geboren am 7. Februar 1952 im mittelfränkischen Polsingen (Kreis Weißenburg-Gunzenhausen), stammt aus einer Pfarrfamilie. Nach dem Studium geht er nach Frankfurt am Main, um in der Evangelischen Kirche in Hessen und Nassau (EKHN) sein Vikariat zu machen. „Dieser Blick von außen auf unsere Landeskirche hat mir gut getan“, sagt er. Diese Sicht habe er auch im Korrespondenzblatt immer mal wieder gewagt - sicher nicht immer zur Freude der Kirchenleitung. Das habe seine Karriere wohl „etwas ausgebremst. Den Dekanen rät er zum Abschied trotzdem, sich „durchaus auch mal gegen Pläne aus München“ zur Wehr zu setzen.

Weil er unter dem Strich zwar dankbar für die Zeit als Pfarrer und Dekan, zuletzt aber auch immer mal wieder frustriert und verärgert gewesen sei, machen Martin Ost und seine Frau Sabine einen klaren Schnitt: Sie brechen ihre Zelte in Bayern ab und ziehen nach Berlin. Dort haben sie sich eine Wohnung gekauft, zwischendurch wollen sie ihrem Sohn in München mit seinen kleinen Zwillingen unterstützen. „Ich würde schon ab und zu noch gerne Kirche halten“, sagt Ost: „In Berlin haben sie sicher noch Verwendung für einen bayerischen Ruheständler.

“ Und im Beirat des Deutschen Pfarrerblattes will er auch weiter aktiv sein.

Verabschiedung: Am kommenden Samstag, 18. Juli, findet um 16 Uhr ein Festgottesdienst in der Markt Einersheimer Kirche statt. Anschließend ist ein Empfang für Dekan Martin Ost in der Mehrzweckhalle.

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