MARKT EINERSHEIM

Dekan Martin Ost wird 60: "Als Lehrer wäre ich eine grandiose Fehlbesetzung gewesen"

Er lebt Kirche, möchte den Kontakt mit den Gläubigen an der Basis nie mit dem Büro tauschen und hält nicht mit einer bisweilen anderen Auffassung von Kirche als der Landesbischof hinter dem Berg. Die Rede ist vom Markt Einersheimer Dekan Martin Ost, der am heutigen Dienstag, 7. Februar, seinen 60. Geburtstag feiert und mit sich und der Kirchenwelt im Reinen ist.
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Glückwunsch: Der Dekan des evangelischen Dekanats Markt Einersheim, Martin Ost, wird am Dienstag, 7. Februar, 60 Jahre alt. Foto: Foto: HARTMUT Hess

Er lebt Kirche, möchte den Kontakt mit den Gläubigen an der Basis nie mit dem Büro tauschen und hält nicht mit einer bisweilen anderen Auffassung von Kirche als der Landesbischof hinter dem Berg. Die Rede ist vom Markt Einersheimer Dekan Martin Ost, der am heutigen Dienstag, 7. Februar, seinen 60. Geburtstag feiert und mit sich und der Kirchenwelt im Reinen ist.

Martin Ost erblickte am 7. Februar 1952 als Pfarrerssohnin in Polsingen (nördliches Ries) das Licht der Welt, machte 1972 sein Abitur in Ansbach und leistete danach seinen Grundwehrdienst ab. „Ich fand es ungerecht, dass Theologiestudenten nicht zum Bund mussten“, meint der Lutheraner rückblickend.

Eine Frau und vier Kinder

Er studierte in Tübingen, Erlangen und Neuendettelsau, wo sein Vater Pfarrer war. Martin Ost überlegte vor dem Pfarrersberuf auch kurz, Lehrer zu werden. „Doch da wäre ich eine grandiose Fehlbesetzung gewesen“, verrät der Kirchenmann lachend. Er legte sein Examen 1978 ab und trat im hessischen Nassau sein Gastvikariat an, weil seine Frau Sabine auf der hessischen Landeskirchenliste stand. 1977 traten sie vor den Traualtar, drei Jahre später zog das Ehepaar nach Unteraltenbernheim (Dekanat Bad Windsheim).

1996 trat Martin Ost dann die Dekansstelle im Markt Einersheim an – mit inzwischen vier Kindern. „Der Franke redet lang um den heißen Brei herum, ehe er sagt, was ihm nicht gefällt“, erkannte der Geistliche bald und zog seine Lehren daraus, um später auch die Unterfranken in sein Herz zu schließen. Martin Ost waren seit jeher die Gottesdienste wichtig und er wollte immer möglichst direkt mit den Menschen kommunizieren.

Der ab heute 60-Jährige moniert, dass die Evangelische Landeskirche eher wie ein Großunternehmen, denn wie eine Kirche geführt werde und „etwas abgehoben wirkt“, so der Dekan. Er findet, dass manche Rezepte und Direktiven für Großstädte wie München funktionieren, aber nicht für kleine Kirchengemeinden auf dem Land.

Der Dekan bemängelt gesellschaftliche Entwicklungen und Ausflüsse des Zeitgeistes, wie fehlende Toleranz und die Entsolidarisierung. Er kann und will nicht nachvollziehen, dass die junge Generation nur befristete Arbeitsverträge oder Praktikantenstellen statt Arbeitsverträge mit Perspektive bekommt. „Wie sollen die jungen Leute eine Familie gründen oder ein Haus bauen, wenn sei keine verlässlichen Arbeitsverträge bekommen?“, fragt sich Martin Ost und findet aktuelle Rahmenbedingungen unsozial.

Nicht nur arbeitsmarktpolitische Dinge beschäftigen den Jubilar; auch kirchenpolitische Themen lassen ihn nicht ruhen, etwa der Fall von Bezirkskantorin Marianne Schmidt, deren Stelle als hauptamtliche Kirchenmusikerin einem Sparkurs der Landeskirche zum Opfer fallen sollte. „Der Landesstellenplan Musik ist halt arbeitsrechtlich nicht praktikabel“, sagt Martin Ost. Er brachte die Sache vors Arbeitsgericht, wo es für Marianne Schmidt zumindest einen Teilerfolg gab.

Geburtstagsempfang am Abend

Eine Sache liegt ihm noch am Herzen: ein Bibelkurs. Dabei möchte er Gläubige lehren, die Bibel richtig auszulegen, was oftmals im Kirchenalltag nicht der Fall sei.

Wenn Martin Ost an 60 Lebensjahre denkt, findet er es „nicht unflott, in fünf Jahren aufzuhören“ und hat demzufolge kein Problem damit, in ein paar Jahren in den Ruhestand zu gehen. Er ist dem Herrn für seine gute Gesundheit dankbar.

„Das Feiern an sich, ist mir fast unangenehm, aber würde ich keine Feier wollen, würde ich manche vor den Kopf stoßen“, weiß der Lutheraner und sieht dem Empfang am heutigen Abend mit Demut entgegen.

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