LANDKREIS KITZINGEN

Das verschwiegene Vermögen

Im Grunde ist es einfach: Wer nichts hat, darf mit Geld vom Staat rechnen. Oder anders herum: Wer etwas hat, bekommt natürlich nichts oder entsprechend weniger. Klare Sache, sollte man meinen. Ist es scheinbar doch nicht, wie sich regelmäßig am Kitzinger Amtsgericht zeigt.
Artikel drucken Artikel einbetten
Symbolbild

Im Grunde ist es einfach: Wer nichts hat, darf mit Geld vom Staat rechnen. Oder anders herum: Wer etwas hat, bekommt natürlich nichts oder entsprechend weniger. Klare Sache, sollte man meinen. Ist es scheinbar doch nicht, wie sich regelmäßig am Kitzinger Amtsgericht zeigt.

Auf der Anklagebank: ein 62-jähriger Rentner, der in einfachsten Verhältnissen lebt und bisher unbescholten durchs Leben ging. Vor der Rente bezog der Mann ab 2007 Hartz IV. In dieser Zeit verkaufte der Mann ein Gärtchen für 9800 Euro. Mit dem Geld beglich er überwiegend Schulden, die er bei einem Bekannten gemacht hatte. Das Problem: Die 9800 Euro liefen so nebenher und wurden niemals dem Jobcenter gemeldet. Auch nach dem Grundstücksverkauf gab der Mann in den Folgeanträgen nicht an, dass sich bei seinen Vermögensverhältnissen etwas geändert hat.

Nachdem die Sache aufgeflogen war, kam es für den Rentner knüppeldick: Zunächst die Betrugsanzeige, dann die Streichung seiner Erwerbsunfähigkeitsrente, weil Unterlagen fehlen. Seit acht Monaten bekommt der 62-Jährige deshalb kein Geld mehr.

„Wenn ich betrogen habe, dann unbewusst“, betont der Angeklagte gegenüber dem Kitzinger Strafrichter Bernhard Böhm. Der sah durchaus eine gewisse Überforderung bei dem Rentner, was Behörden und Papierkram anbelangt – was aber nichts an dem alten Spruch ändere, dass „Unwissenheit nicht vor Strafe schützt“.

Klar ist aber auch: Die Anklage hat viel zu schwere Geschütze aufgefahren. Das Gericht stutzte den gewerbsmäßigen zu einem einfachen Betrug. Mit Blick auf den leicht überforderten Mann blieb der Strafrichter im unteren Strafbereich: Die 750 Euro Geldstrafe (75 Tagessätze zu zehn Euro) versah das Gericht denn auch mit einem freundlichen Hinweis: „Billiger geht's nicht!“

Für diesen Artikel wurde die Kommentarfunktion deaktiviert.