SCHWARZACH/WÜRZBURG/BERLIN.

Das passt

Zwei junge Frauen werden Beste in ihrem Beruf. Beide lernten im gleichen Betrieb
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Beste Auszubildende im Beruf Modenäherin des Jahres 2016: Raphaela Rey an ihrem Arbeitsplatz bei Rene Lezard. Foto: Foto: Lezard
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Sie sind die Besten ihres Fachs – und das in ganz Deutschland. Johanna Klamann und Raphaela Rey können stolz auf sich sein. Und das Schwarzacher Modeunternehmen René Lezard auf seine beiden ehemaligen Auszubildenden.

Bundesministerin Manuela Schwesig und der Präsident der Deutschen Industrie- und Handelskammer (DIHK), Dr. Eric Schweitzer, haben die besten 218 Azubis des Jahres 2016 gestern im Maritim Hotel in Berlin ausgezeichnet. Vom Bergbautechnologen über den Chemielaboranten bis hin zum Zerspanungsmechaniker reichte die Palette der Berufe.

Aus Mainfranken reisten nicht nur die beiden Siegerinnen an, sondern auch Max-Martin Deinhard und Dr. Lukas Kagerbauer von der IHK. Präsident Otto Kirchner zeigte sich stolz auf das Ergebnis. Schon 2015 konnte die IHK–Mainfranken drei Bundessieger stellen, in diesem Jahr zwei. Dass beide aus dem gleichen Unternehmen stammen, könne kein Zufall sein. „Da muss etwas gut laufen in dem Betrieb“, meinte er.

Tatsächlich hat das Schwarzacher Modeunternehmen in den letzten Jahren immer wieder für Aufsehen bei den Prüfungsergebnissen gesorgt. Fünf Bundessieger in sieben Jahren kamen aus dem Hause René Lezard. Die hohe Ausbildungsqualität hat sich herumgesprochen. Die Bewerber kommen längst nicht mehr nur aus dem direkten Einzugsgebiet.

Johanna Klamann hat für ihre Ausbildung zur Modeschneiderin einiges in Kauf genommen. Im Alter von 15 Jahren ist sie von Sandberg in der Rhön an den Main gezogen. Eine eigene Wohnung hat sie bezogen, war in der Berufsschule immer die Jüngste. „Das war gar nicht so einfach“, gesteht sie. „Aber es hat mich auch angespornt.“

Raphaela Rey zog aus Frauenheuharting bei München nach Franken, um Modenäherin zu lernen. „Mode hat mich schon immer fasziniert“, sagt sie. „Ich wollte auf jeden Fall mit hochwertigen Materialien arbeiten.“

Die hatte sie bei René Lezard vom ersten Tag an in den Händen. „Unsere Auszubildenden werden gleich in die Arbeitsprozesse eingebunden, leisten von Anfang an eine vollwertige und sinnvolle Arbeit“, nennt kaufmännischer Leiter Alexander Amend einen Grund für den Erfolg. Ein weiterer: Die Auswahl der Azubis erfolgt nach einem praxisbezogenen Test. „Wir laden die Anwärter zu einem Arbeitstag ins Haus ein“, erklärt Ausbilder Norbert Raab. Vier bis sechs Stunden können die jungen Frauen dann zeigen, was in ihnen steckt. Raabs wichtigste Frage danach zielt auf die Motivation der jungen Frauen ab. „Wollen Sie das wirklich durchziehen?“

Klamann und Rey wollten. Und brachten im Lauf ihrer Ausbildung weitere Faktoren ein: Fleiß, Energie, Neugierde, Disziplin. Tugenden, die für Alexander Amend ausschlaggebend für einen erfolgreichen Berufsweg sind. Die richtige Einstellung und Haltung zum Beruf käme dann fast von alleine.

In den Wochen vor der Prüfung, die bundesweit einheitlich geregelt ist, können sich die Auszubildenden bei René Lezard gezielt vorbereiten. „Das Engagement muss groß sein“, sagt Ausbilder Raab. Ein gewisse Routine sollte sich eingespielt haben, Angst dürfe am Prüfungstag keine Rolle spielen. „Da gibt es nur Adrenalin.“

Klamann und Rey verspürten keine Angst – weder bei der schriftlichen, noch bei der siebenstündigen praktischen Prüfung. Den Lohn haben sie sich jetzt in Berlin abgeholt: Bundessiegerinnen. Die Besten von rund 300 000 Prüfungsteilnehmern ihres Jahrgangs.

Und jetzt? Johanna Klamann ist zum Modeunternehmen Odeeh in Giebelstadt gewechselt, will sich dort noc weiterbilden. Die Zukunft steht ihr offen. „Mit meiner Ausbildung kann ich ein Leben lang was anfangen“, ist sie sicher. „Vielleicht arbeite ich irgendwann mal als Fachlehrerin an einer Schule.“ Raphaela Rey spielt mit dem Gedanken, sich selbstständig zu machen. „Oder ich fange als Schneiderin an einem Theater an“, sagt sie.

Insgesamt haben 4335 junge Menschen an den IHK-Abschlussprüfungen im Winter 2015/16 und Sommer 2016 in Mainfranken teilgenommen. Für IHK-Präsident Otto Kirchner ein gutes Zeichen. „Aber wir müssen das duale Ausbildungssystem weiter pflegen“, fordert er. Noch habe die Ausbildung leider nicht den Stellenwert, den sie verdiene. Sehr viele junge Menschen würden sich für ein Studium entscheiden. „Dabei gibt es mit einer Ausbildung ganz viele Optionen.“

Die wird es auch in Zukunft bei René Lezard geben. Trotz der finanziellen Schwierigkeiten wolle man auf jeden Fall weiter ausbilden, versichert der kaufmännische Leiter, Alexander Amend. Bei der Suche nach Investoren – René Lezard steht bei vier Banken mit rund 8,8 Millionen Euro in der Kreide und muss seinen Gläubigern bis 2050 Anleihen in Millionenhöhe zurückzahlen – sei man auf einem guten Weg. Bis spätestens Januar wolle man Klarheit haben. Die Ausbildung läuft auf jeden Fall weiter. Amend: „Die Verträge für 2017 sind schon abgeschlossen.“

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