Mit 17 Jahren kam Nicole A. zur Bundeswehr. Die gebürtige Rostockerin fliegt gerne in den Urlaub, war schon mehrfach in Ägypten. Im März wird sie zusammen mit 130 Soldaten aus der Volkacher Mainfrankenkaserne wieder in eine Passagiermaschine steigen. Diesmal ist es kein Urlaub. Vielmehr geht die Reise der 23-jährigen Stabsunteroffizierin nach Afghanistan. Vier Monate wird sie in Mazar-e Sharif ihren Dienst verrichten.
Für viele der Soldaten ist die Trennung von ihren Familien eine schwere Bürde. Nicole A. wird ihre Eltern und ihre beiden Schwestern vermissen. Doch sie hat Glück. Ihr Freund ist ebenfalls Soldat und wird sie auf ihrem Auslandseinsatz begleiten.

"Jeder Auslandseinsatz bedeutet einen massiven Einschnitt in das Privatleben der Soldaten", weiß Hauptmann Marcus G.. Neben dem eigentlichen Einsatzzeitraum seien die betroffenen Soldaten bereits in der Vorbereitung mehrere Monate von der Familie getrennt. Der 30-Jährige ist Chef der Instandsetzungskompanie. Er war vor zwei Jahren bereits im Kosovo eingesetzt und hat dort seine ersten Auslandserfahrungen gesammelt. "Ohne stabile Familienverhältnisse und gute Freunde ist ein Einsatz, insbesondere bei Familien mit Kindern, unheimlich schwierig", sagt der Kompaniechef. Die "Heimatfront" müsse alle Aufgaben im täglichen Leben meistern, während ein wesentliches Mitglied der Familie fehlt.

Harte Zeiten ohne Papa

Marcus G. ist seit fünf Monaten Papa und weiß deshalb, wovon er spricht. Zusammen mit Frau und Töchterchen wohnt der gebürtige Thüringer in Volkach. Die hohe Belastung eines Auslandseinsatzes sieht der Berufssoldat nicht nur bei den Soldaten, sondern auch bei deren Angehörigen. "Erfahrungsgemäß sind jüngere Kinder am schlimmsten von der einsatzbedingten Trennung betroffen", erzählt er.
Nachwuchs hat Nicole A. noch nicht. Gleich nach Schulabschluss hat sie sich bei der Bundeswehr verpflichtet. Sie freut sich auf den bevorstehenden Auslandseinsatz. Mit ihren Instandsetzungskollegen wird sie in Afghanistan beispielsweise defekte Computer, Fahrzeuge oder Klimaanlagen reparieren. Hinzu kommen die Bergung und das Abschleppen ausgefallenen Geräts.

Im Vorfeld werden die "Instandsetzer" gut auf den harten Einsatz vorbereitet. "Wir proben den Ernstfall und werden in Stressbewältigung geschult", erklärt die Stabsunteroffizierin. Auch das Leben auf engsten Raum in den Unterkünften müsse im Vorfeld geübt werden. "Man sollte mit dem nötigen Respekt in den Einsatz gehen", sagt die Zeitsoldatin, die wenige Wochen vor dem Einsatz dann doch ein wenig aufgeregt ist.
"Ich denke, jeder Soldat hat seine eigenen Ängste, mit denen er umgehen muss." Sie ist der Ansicht, man sollte auftretende Ängste nicht mit sich selbst ausmachen, sondern versuchen, darüber zu reden. In Mazar-e Sharif wird sie Gelegenheit haben, über ihre Erlebnisse zu sprechen. "Eine halbe Stunde in der Woche können wir mit unseren Liebsten telefonieren. Wir können aber auch mit dem Handy anrufen oder Internetkarten kaufen", ist sie zuversichtlich.

"Die Kommunikation nach Deutschland ist der wichtigste Punkt für die Motivation eines Soldaten im Auslandseinsatz", weiß Hauptmann G.. Ohne die Möglichkeit, Kontakt nach Hause halten zu können, sei ein Einsatz unter gefährlichen Bedingungen und hoher Belastung nur schwer vorstellbar. Die Internet- und Telefonkommunikation habe sich deutlich verbessert, während die Feldpost schon immer ein zuverlässiges Mittel sei. Im Hinblick auf die Sicherheit seien der Kommunikation mit der Heimat Grenzen gesetzt.
Ende Juni werden die Soldaten wieder heimischen Boden betreten. "Für die Zeit im Einsatz ist mein Wunsch ein zwischenfallfreier Einsatz, bei dem jeder Soldat gesund und munter wieder deutschen Boden betritt", betont der Kompaniechef. Für die afghanische Bevölkerung wünscht er sich, dass das deutsche Engagement bessere Lebensumstände und eine stabile Umgebung bringt. Sein soldatisches Glück wäre vollkommen, wenn die Öffentlichkeit dieses Engagement würdigt und den Soldaten das Ansehen zukommen lässt, das sie für ihre Dienste in Afghanistan verdienen.

Nicole A. hat zwei Wünsche: "Gesund wieder heim kommen und dass alle Kameraden wieder mit ihren Familien zueinander finden." 2013 wird sie die Bundeswehr verlassen. Ihr Ziel: ein Wirtschaftsstudium. Per Fernstudium absolviert sie zurzeit das Fachabitur.