Nachdem sich in den vergangenen Jahren im Bereich der Motorradunfälle eine positive Entwicklung eingestellt hatte, ist im vergangenen Jahr mit einem sprunghaften Anstieg bei den getöteten Motorradfahrern eine deutlich negative Tendenz festzustellen. Um dieser Entwicklung entgegen zu wirken, startet die unterfränkische Polizei ein Präventionskonzept. Hierfür wurde eigens ein Flyer gestaltet, der wertvolle Tipps für die Kradfahrer enthält.
In den letzten Jahren hat das Motorrad sowohl als Fortbewegungsmittel als auch als Freizeitgerät an Bedeutung gewonnen. Die Bestandszahlen zugelassener Kräder stiegen in Unterfranken und auch bayernweit in den letzten Jahren stetig an. Im Jahr 2011 war eine Besorgnis erregende Zunahme der Kradunfälle, insbesondere mit schwer verletzten und getöteten Kradfahrern im Regierungsbezirk Unterfranken wie in ganz Bayern zu verzeichnen. Die Zahl der Motorradfahrer, die auf unterfränkischen Straßen ihr leben verloren, stieg im vergangenen Jahr im Vergleich zum Vorjahr von sieben auf 18 sprunghaft an.
Auffällig war, dass das Risiko tödlich zu verunglücken, am Wochenende deutlich größer war als an Werktagen. Weiterhin überraschte die Altersstruktur der getöteten Kradfahrer. Nicht die vermeintlichen jungen Raser bildeten 2011 die größte Gruppe der tödlich verunglückten Motorradfahrer, sondern die Gruppe der Erwachsenen im Alter zwischen 45 und 54 Jahren. Diese wiederum dürften wohl hauptsächlich der Gruppe der so genannten Erst- und Wiedereinsteiger zuzuordnen sein. Es handelt sich um Fahrzeugführer mittleren Alters, die ihre Fahrerlaubnis erst in späteren Jahren erlangt haben und komplett neu in das Motorrad Fahren einsteigen, oder bereits seit Jahren im Besitz einer Fahrerlaubnis sind, jedoch, aus welchen Gründen auch immer, seit Jahren oder auch Jahrzehnten kein Motorrad mehr gefahren sind. Neun der 18 Getöteten gehörten dieser Altersgruppe an. Bemerkenswert ist, dass alle in dieser Altersgruppe tödlich Verunglückten selbst Unfallverursacher waren. Insgesamt waren die Kradfahrer in Unterfranken 2011 bei 13 der 18 tödlichen Motorradunfälle Hauptunfallverursacher, bei zwei weiteren Unfällen traf den Kradfahrer zumindest eine Mitschuld.
Hauptunfallursachen waren Geschwindigkeit, Abkommen von der Fahrbahn und Fehler beim Überholen. Zu der Unfallursache Geschwindigkeit muss ergänzt werden, dass es sich hier bei den tödlichen Unfällen nicht um rücksichtslose Raser fern jeder Geschwindigkeitsbeschränkung handelte, sondern um Kradfahrer, die ihre Geschwindigkeit nicht den Gegebenheiten angepasst hatten. Auch wenn außerhalb geschlossener Ortschaften grundsätzlich eine Geschwindigkeit von 100 km/h erlaubt ist, kann insbesondere in Kurven, bei schlechten Straßenverhältnissen, nasser oder verschmutzter Fahrbahn oder Sichtbehinderungen eine weitaus geringere Geschwindigkeit angezeigt sein.
Auch in diesem Jahr ereigneten sich trotz der noch kühlen Witterung bereits wieder schwere Motorradunfälle. In Neuhütten, Landkreis Main/Spessart, wurde am 4. Januar ein 52-jähriger Motorradfahrer getötet, als er in einer langgezogenen Rechtskurve die Kontrolle über sein Motorrad verlor. Am vergangenen Freitag erlitt ein Motorradfahrer in Aschaffenburg schwere Verletzungen. Ein Lkw-Fahrer, der in der Neuen Glattbacher Straße vom Parkplatz eines Einkaufsmarktes ausfahren wollte, hatte den 20-Jährigen übersehen. Am Montagabend kam ein Mopedfahrer bei Grafenrheinfeld, Landkreis Schweinfurt, ums Leben. Der 79-Jährige war aus einem Waldweg herausgefahren und hatte dabei die Vorfahrt eines Lkw missachtet. Nach dem Zusammenstoß wurde der Rentner noch etwa 20 Meter mitgeschleift und dann unter dem umstürzenden Anhänger begraben.
Um der Negativentwicklung des vergangenen Jahres konsequent entgegen zu wirken, hat das Polizeipräsidium Unterfranken daher in diesem Jahr ein Präventionskonzept unter dem Namen "Faszination Motorrad - sicher unterwegs - sicher ankommen" gestartet und hierzu einen Flyer mit Tipps für Motorradfahrer gestaltet. Der Flyer kann im Internet auf der Homepage der unterfränkischen Polizei www.polizei.bayern.de/unterfranken/schuetzenvorbeugen/verkehr/index heruntergeladen und ausgedruckt werden. Die Polizei rät außerdem insbesondere zu Saisonbeginn zum Besuch von Fahrsicherheitstrainings. Diese stellen eine hervorragende Möglichkeit dar, das fahrerische Können zu verbessern und sich selbst realistisch einzuschätzen. Unter anderem an folgenden Terminen werden von der Verkehrswacht kostenlose Fahrsicherheitstrainings angeboten:
14. April, 10 Uhr bis 15 Uhr: Iphofen, Parkplatz der Firma Knauf.